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SWR1 3vor8

„Wir wissen nicht, was wir beten sollen" (Rö 8, 26)

Es gibt Situationen, da fällt einem nichts mehr ein. Da fühlt man sich total hilflos und weiß nicht, was man sagen soll und schon gar nicht, was man tun könnte. Wenn ich z.B. heute, am Volkstrauertag, an die letzten überlebenden Opfer des Krieges und der Naziherrschaft denke: Uralte Leute, die bis heute von dem gequält werden, was sie erleben mussten. Was soll ich sagen? Oder der junge Mann, der von Monat zu Monat schwächer und hinfälliger wird: immer noch gibt es nicht für jede Krankheit eine Heilung. Oder die Fragen um die Lagerung von Atommüll, den wir seit 40 Jahren erzeugen und der nun irgendwo hin muss.
Da fällt mir nichts mehr ein. Was könnte ich tun, was sagen, was womöglich raten? Wie könnte ich trösten? Manchmal bin ich doch selbst untröstlich.
Nicht einmal, was ich beten soll, weiß ich in manchen Situationen. Wenn ich doch nicht weiß, was eine gute Lösung wäre oder wo noch eine Hoffnung sein könnte - was soll ich dann beten?
Paulus, der Apostel der ersten Christen, kannte auch solche Situationen, in denen einem nichts mehr einfällt. „Wir wissen nicht, was wir beten sollen" schreibt er deshalb an die Leute in Rom. Dieser Abschnitt aus seinem Römerbrief kommt heute in den evangelischen Gottesdiensten zur Sprache. „Wir wissen nicht, was wir beten sollen". Aber Paulus weiß auch, wie gut es gerade in solchen Momenten tut, wenn man sich aussprechen kann. Deshalb schreibt er weiter: „Aber Gottes Geist tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein." Gott selber hilft mit seinem Geist denen, die nicht wissen, was sie denken und was sie beten sollen.
Gottes Geist: der vertreibt nicht alle Ratlosigkeit. Er macht mich vielleicht auch nicht zu einer Heldin, die klug und beherzt genau das Richtige tut. Gottes Geist hilft beten. Damit hilft er mir, zu vertrauen. Er hilft mir, auf Gott zu vertrauen, denn er ermuntert mich, zu sagen „Dein Wille geschehe" oder „erlöse uns von dem Bösen". Und er stärkt in mir die Gewissheit: was auch geschieht - es ist Gottes Weg und Gott lässt mich nicht allein gehen. Und die anderen auch nicht, die so schlimm dran sind.
Was zu tun ist, muss ich dann trotzdem selber entscheiden. Meistens kann man nicht einfach abwarten, dass ein Wunder geschieht. Ich muss ja leben mit diesen Situationen, die eigentlich unerträglich sind und mit den Menschen, denen ich nicht helfen kann. Da tut es gut, dass Gottes Geist beten hilft und vertrauen. Wir können den Weg, der vor uns liegt, gemeinsam gehen. Und eines Tages wird Gott alles gut machen.

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