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SWR1 3vor8

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche, einen schönen guten Morgen.

Es ist eine Horrorgeschichte, die heute in den Katholischen Kirchen gelesen wird. Sie handelt im zweiten Jahrhundert vor Christus als der selbsternannte griechische König Antiochos über das Judentum herrschte. Er versuchte die Menschen von ihren Gebräuchen und ihrer Religion abzubringen und ihnen die griechischen Kulte aufzuzwingen. Das ist ihm bei einem Teil der Stadtbevölkerung und der Oberschicht Jerusalems gelungen. Bei der Landbevölkerung biss er aber auf Granit. Um ein Exempel zu statuieren nahm er eine Mutter mit ihren sieben Söhnen gefangen und wollte sie zwingen Schweinefleisch zu essen, was nach ihren religiösen Vorschriften streng verboten war. Mutter wie Söhne weigerten sich, wurden gefoltert, mit verführerischen Angeboten gelockt und am Ende alle umgebracht.
Mag es nun eine fromme Legende zur Stärkung der Glaubenstreue sein oder Fakt eines historisch nachweislich gnadenlosen Diktators. Diese Geschichte aus dem Makkabäer-Buch des Alten Testaments ist ein zeitloses Beispiel für die Unterdrückung von Religion. Die Geschichte der Religionen ist Gott sei's geklagt auch eine Geschichte der Unterdrückungen. Und davon ist das Christentum weiß Gott nicht ausgenommen. Wie viele Jahrhunderte hat es seinen Glauben mit dem Schwert verbreitet. Vielleicht ist das ja auch einer der Gründe dafür, dass das Christentum heute die am meisten verfolgte Religion der Welt ist. Das hat das überkonfessionelle Hilfswerk „Open Doors" herausgefunden. In 25 Ländern werden heute geschätzte 200 Millionen Chrisen wegen ihres Glaubens misshandelt, ins Gefängnis gesteckt oder mit dem Tod bedroht. Das muss man schon auch mal sehen und bei aller Selbstkritik auch sagen dürfen. Bei den vielen wirtschaftlichen Kontakten mit China zum Beispiel oder im Dialog mit dem Islam. Die so unstrittige wie sinnvolle Religionsfreiheit der in Deutschland lebenden Muslime sollte sich zum Beispiel auch in der Türkei widerspiegeln. Und ganz zu schweigen vom Irak, wo christliche Kirchen mittlerweile von der Polizei bewacht werden müssen. Das ist so schlimm wie auch bei uns wenig bekannt. Und auch hier gilt es: vorsichtig sein. Denn der Christenhass im Irak zum Beispiel ist auch eine Spätfolge des Krieges, den George W. Bush angeführt hat. Kein Frieden der Nationen ohne einen Frieden der Religionen, diese weise Formel des Theologen Hans Küng ist auch umgekehrt war: Kein Frieden der Religionen ohne den Frieden der Nationen. Daher gilt es bei politischen Gesprächen immer auch die Religion mit zu bedenken und bei religiösen die Politik. Und im Alltag hier bei uns in Deutschland gilt es behutsam von einem stummen Gegeneinander zu einem freundlichen Nebeneinander der Menschen zu kommen, die an den einen guten Gott glauben.
Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen!

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