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SWR1 3vor8

Frauen können ganz schön hartnäckig sein, und das ist gut so. In der Bibel wird ein paar mal von Frauen erzählt, die mit Erfolg bitten und betteln und kämpfen, zum Beispiel, wenn es um ein krankes Kind geht. Im 18. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt Jesus von einer Frau, die unerbittlich für sich selber kämpft. Heute wird ihre Geschichte in vielen Gottesdiensten gelesen. Sie hat mit einem skrupellosen Richter zu tun. Als Witwe hat sie es besonders schwer. Zur Zeit Jesu waren Frauen ohne Mann ganz auf sich gestellt. Worum es geht, erzählt die Bibel nicht, nur dass die Frau immer wieder bei dem Richter auftaucht und fordert: „Verschaffe mir Recht!" Und obwohl sie keine Lobby hat und obwohl der Richter sich kein bisschen für sie interessiert, geht er die Sache schließlich doch an. Mit einer überraschenden Begründung: „Ich fürchte zwar Gott nicht", sagt er sich, „und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe." Und er setzt sogar noch eins drauf: „Am Ende kommt sie noch und schlägt mich ins Gesicht." (Lukas 18, 5)Und dann erklärt Jesus, was er mit dieser Geschichte sagen will: Wenn schon so ein skrupelloser Richter die Frau irgendwann erhört, weil sie nicht aufhört, ihn zu bedrängen, - warum sollte dann nicht Gott die Menschen erhören, die Tag und Nacht zu ihm schreien?Hier ist wohl gemeint: Hört nicht auf, zu beten! Gebt nicht auf mit dem, was euch wichtig ist! Ich kenne Menschen, die Gott unermüdlich bestürmen, die manchmal jahrelang immer wieder Gott anflehen für Menschen, die ihnen am Herzen liegen oder auch für sich selbst, daß sie gesund werden, Arbeit bekommen, nicht allein leben müssen.. Und ich weiß, dass diese Bitten längst nicht immer Erfolg haben. Was sagt dann aber diese Szene aus dem Evangelium? Ich glaube, die Geschichte geht genau von dieser Situation aus. Menschen erleben: Gott erhört mich nicht. Ich komme nicht zu meinem Recht. Und da zeigt das Beispiel der Witwe: Gib nicht auf, laß nicht nach! Bleib dran an Gott, mit den Fragen, dem Unrecht und dem Leid! Auch wenn es lange dauert. Auch wenn dir die Zeit lang wird, gib das Vertrauen nicht auf.

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