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SWR1 3vor8

Lukas 16,1-13

25. Sonntag im Jahreskreis (C)

Ein Unternehmer kommt seinem Geschäftsführer auf die Schliche: der verschleudert sein Vermögen. Als der Geschäftsführer seine aussichtslose Situation erkennt, tut er etwas Unerwartetes. Er schleimt sich bei denen ein, die seinem Chef etwas schulden und erlässt ihnen einen Teil ihrer Schulden. Damit er nach einem möglichen Rauswurf bei ihnen gute Karten hätte. -  Und was soll diese Geschichte in einer religiösen Sendung wie „3 vor 8"? Nun, diese Geschichte steht im Lukas Evangelium und ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Und Jesus setzt in dieser Geschichte noch eins drauf: Er lobt die Klugheit des unehrlichen Verwalters und an seine Freundinnen und Freunde gerichtet sagt er: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes." - Und das soll noch einer verstehen! Zwei Dinge halte ich für wichtig, um solche Texte besser zu verstehen. Zum einen das: Dieser Text ist ein Gleichnis. Mit den Gleichnissen hat Jesus etwas Einmaliges geschaffen. Das sind  Bilder, Alltagsgeschichten, in denen Gott nicht direkt vorkommt. Diese Geschichten geben Zeugnis von der unfrommen Art Jesu, von Gott zu reden. Jesus war nichts fremder als eine abgeschliffene Rede von Gott Um seine Erfahrungen mit Gott mitzuteilen, musste Jesus nicht von einer anderen Welt erzählen. Seine Sprache war weltlich und lebensnah, sie war einfach und konkret. So knüpft er an alltägliche Erfahrungen und Begebenheiten an und macht sie durchsichtig auf Gott hin. Und das zweite: Gleichnisse sollte man nicht  wortwörtlich nehmen, sie nicht einfach eins zu eins ins Leben übersetzen. Wenn man das tut, wird man ihrer Botschaft nicht gerecht und endet höchstens bei einem moralischen Zeigefinger. Und auch das war Jesus fremd.  Jede dieser Geschichten hat einen „springenden Punkt" - hier etwa der: Wie der betrügerische Geschäftsführer gerissen mit seiner Situation umgeht  - so! -  konsequent sollen sich die Anhänger Jesu bemühen, im Alltag Christ zu sein. Mit diesem scharfen Kontrast will Jesus bei den Seinen einen konsequenten Glauben provozieren. Mich fordert dieses Gleichnis heraus: Was bin ich für ein Christenmensch im Alltag? Bin ich verlässlich? Kommt etwas rüber von meinem christlichen Glauben? Bin ich konsequent genug?  -  Ich möchte glaubwürdig sein. Ich möchte ein Stück weit leben und andere daran teilhaben lassen: wie kreativ und phantasiereich, wie heilsam und befreiend glauben im Sinne Jesu sein kann.

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