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SWR1 3vor8

Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.
(1. Joh 4,7-10)

Dem einen kommt so eine Bitternis ins Leben beim älter werden und die andere wird eher heiterer und positiv dem Leben zugewandt. Warum ist das so? Vor ein paar Tagen habe ich es in der Straßenbahn beobachtet. Man hat es sofort gesehen, diesem Mann sind die jungen Mädels auf die Nerven gegangen. Er muss sich aufregen über soviel laute, lebhafte Fröhlichkeit. Er schaut immer wieder griesgrämig zu den Mädchen hin. Seine Frau reagiert ganz anders: Sie lächelt ihn an: „Lass ihnen doch ihre Freude." Zumindest für eine Weile scheint der Mann besänftigt.
Warum wird der eine enger, vielleicht sogar intoleranter durch seine Lebenserfahrungen und die andere sanfter, verständnisvoller? Und kann ich selbst etwas tun dafür, dass es mir nicht so geht wie dem Mann in der Straßenbahn?
In den evangelischen Kirchen steht heute der Brief eines alten Mannes aus der Bibel im Mittelpunkt. Johannes heißt er. Bei ihm spürt man keine Bitterkeit. Der guckt nicht griesgrämig auf andere Menschen, schon gar nicht zynisch, sondern vor allem freundlich. „Menschen brauchen Freundlichkeit" so kann man seine Lebens- und Glaubenserfahrung auf den Punkt bringen. Dieses Vermächtnis gibt er weiter. Wörtlich schreibt er: „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott. Wer liebt ist von Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht."
Wie hat dieser Johannes das geschafft, menschenfreundlich zu bleiben oder gar immer mehr zu werden, als er älter wurde? Er hat doch bestimmt auch schwierige Erfahrungen mit Menschen gemacht, die Spuren hinterlassen haben. Und trotzdem stellt er Menschenfreundlichkeit und Liebe über alles. Es wirkt auch nicht angestrengt oder gezwungen bei ihm.
Vielleicht ist das ja sein Geheimnis:
Er ist sich sicher, dass er geliebt ist mit seinem ganzen Leben. Von Gott. Von Gott geliebt mit seinen Auf und Abs, seinem Drunter und Drüber. Mit dem was gelungen ist und auch mit dem, was im Leben daneben gegangen ist. Das ist seine Basis: ‚Ich werde geliebt.' Das gibt ihm eine positive Einstellung zu sich selbst, und es macht ihn großherzig und freundlich den anderen gegenüber. Auch wenn sie Schwächen und Fehler haben. Johannes ist zuvorkommend menschenfreundlich. „Menschen brauchen Freundlichkeit". Dann können sie auch freundlich zu anderen sein. Vielleicht können Sie und ich sie auch geben, denn auch wir sind geliebt, mit unseren Stärken und Macken.

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