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SWR1 3vor8

19. Sonntag im Jahreskreis (C) 

„Ich glaube nur, was ich sehe" - oft gesagt, oft gehört. Allerdings steht dieser Spruch in krassem Gegensatz zu einem Text, der heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist: „Glaube ist: Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht." Heißt es da. - Was gilt nun? Mir bedeutet der Bibeltext mehr, denn es ist doch recht wenig, was ich so sehe, wirklich sehe, also wahrnehme und verstehe. Wie oft sehe ich derart oberflächlich, dass ich nicht einmal eine leuchtende Sonnenblume wahrnehme, geschweige denn die fragenden Augen eines Kindes oder den hilfesuchenden Blick meines Nächsten. Sollte ich wirklich nur glauben, was ich sehe? Sichtbares festhalten kann auch ein Fotoapparat oder eine Videokamera. „Glaube ist: Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht" -  die man mit  dem äußeren Auge nicht sieht. Es gibt neben der äußeren Wahrnehmung ein inneres Sehen, ein inneres Wahrnehmen. Und da denke ich zum Beispiel an die Blinden, die blind geboren oder für immer erblindet sind. Ich möchte von ihnen lernen, in meinem Inneren  mehr und tiefer wahrzunehmen, über die Welt und die alltägliche Wirklichkeit hinauszuschauen. Vielleicht muss ich als Sehender manchmal die Augen schließen, um besser sehen zu können. Solches Sehen durchbricht das äußerlich Sichtbare. Solches Sehen nimmt wahr, schaut, ahnt eine Wahrheit jenseits der so genannten Realitäten. Nur glauben, was ich sehen kann, das ist mir zu wenig. Und mit den äußeren Augen kann ich Gott nun mal nicht sehen. Ich glaube, Gott will auch gar nicht gesehen werden, aber in Freiheit geglaubt und geliebt werden. Er mutet mir zu, einen Sprung des Glaubens zu tun. Und ich glaube, es gehört zu unserem Menschsein, dass wir die Sehnsucht nach Gott wach halten und der Frage nach ihm nicht ausweichen. Ich denke, das ist unter anderem auch der Sinn religiöser Beiträge im Radio. Gut gefällt mir dieser kleine Text des Schriftstellers Lothar Zenetti: „Menschen die aus der Hoffnung leben sehen weiter Menschen die aus der Liebe leben sehen tiefer Menschen die aus dem Glauben leben sehen alles in einem anderen Licht"

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