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SWR1 3vor8

Dt. 30,10-14 Das Göttliche ist mühelos

Heut ist der Tag: Die halbe Welt schaut heute Abend nach Johannesburg zum Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Nach vier langen Wochen stehen zwei Teams kurz vor dem Gipfel ihrer Träume. Fleiß, gute Leistungen und oft auch ein wenig Glück haben sie dorthin gebracht. Manchmal aber auch  - in so schönen wie seltenen Momenten - eine spielerische Leichtigkeit. Weil die Dinge, auf die es ankommt einfach gepasst haben. Und dann wird das Schwere leicht.
Genau darum geht es - wie es der Zufall will -  in einem der Texte, die heute in den Katholischen Kirchen gelesen werden. Es geht um die Frage, wie man etwas ganz Schweres, Schönes erreichen kann: wie man Gott nahe kommen kann!
Moses, der Urvater unserer jüdischen Bruderreligion schwört das Volk Israel ein auf die Nähe zu Gott. In eindringlichen Worten versucht er die sich anstrengenden und auch zweifelnden Menschen zu überzeugen, dass Gott nicht fern von ihnen ist. Dass sie kein Meer überqueren müssen um ihn zu finden oder sich gen Himmel strecken müssen, sich abquälen müssen um Gott zu erfahren. Nein, ganz nah sei ihnen Gott, er sei in ihren Herzen und in ihrem Mund.
Das gefällt mir, denn lange, zu lange hab auch ich gemeint man müsse sich anstrengen um religiöse Erfahrungen zu machen, Leistungen erbringen um gottgefällig zu sein. Nein, das Schwere ist oft leicht und das Leichte oft schwer. Das soll nun aber nicht so missverstanden sein, zu meinen man müsse in religiösen Dingen nur passiv sein. Nein, auf das Wie kommt es an.
Ein Text von Simone Weil bringt das ganz wunderbar auf den Punkt:
 „Es gibt Menschen", schreibt die französische Schriftstellerin, „die Gott näher zu kommen versuchen wie jemand, der aus dem Stand möglichst hoch zu springen versucht in der Hoffnung, dass er eines Tages nach dem er jedes Mal ein wenig höher springt, endlich nicht mehr zurückfallen, sondern zum Himmel aufsteigen wird. Wir wissen wie vergeblich das ist. Wir können auch nicht einen einzigen Schritt gegen den Himmel hinauf tun. Die Menschen, die mit beiden Beinen in den Himmel zu springen versuchen, sind von dieser Anstrengung her kräftemäßig so sehr in Anspruch genommen, dass sie ihren Blick gar nicht mehr zum Himmel richten. Dabei ist es aber allein der Blick, der in dieser Sache etwas bewirken kann. Wenn wir lange Zeit den Himmel betrachten, steigt Gott hernieder und hebt uns empor. Er hebt uns mit Leichtigkeit empor wie der griechische Dichter Aischylos sagt: Das Göttliche ist mühelos..."

Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen!

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