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SWR1 3vor8

Jesus ist ja nicht ein Hoherpriester, der uns in unserer Schwachheit nicht verstehen könnte. Vielmehr war er – genau wie wir – Versuchungen aller Art ausgesetzt, ´allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass` er ohne Sünde blieb (Hebräer 4,15)

„Ich habe eine Schwäche für Dich.“ Klingt schön, finden Sie nicht? Und es ist auch schön,
wenn Menschen eine Schwäche füreinander haben: Ein Mensch liegt einem anderem am Herzen. Jemand hat etwas für mich übrig und macht sich stark für mich. Er ist da, wenn es
mir schlecht geht.
Die Sache ist schön, und den Ausdruck finde ich auch prima. „Ich habe eine Schwäche für Dich.“ Aber irgendwie ist der Ausdruck auch merkwürdig.
Warum sagt man eigentlich „Schwäche“ dazu? Bin ich wirklich schwach, wenn ich für einen anderen etwas übrig habe? Wenn ich mich zu ihm hingezogen fühle. Wenn man den Ausdruck ernst nimmt, könnte man es jedenfalls denken. Warum sagen wir „Schwäche“?
Vielleicht weil Liebe nachgiebig macht? Hingebungsvoll. Weil ich auf einmal milder werde. Weicher. Nicht mehr so unnachgiebig bin und streng. Oder deshalb, weil Liebe mich ja auch verletzlich macht?
Aber ist es wirklich eine „Schwäche“, wenn wir aus uns herausgehen und uns einem andern liebevoll öffnen? Wäre es nicht passender, wenn wir sagen würden: „Ich hab eine Stärke für Dich?“
Die Bibel findet es jedenfalls stark, dass Gott eine Schwäche für Menschen hat. Stark, und überraschend. Das Neue Testament wird nicht müde, mir das in immer neuen Worten nahe
zu bringen: Gott hat eine Schwäche für Menschen. Im Hebräerbrief, aus dem heute in den evangelischen Kirchen gelesen wird, heißt das so:
„Jesus ist kein Hoherpriester, der uns in unserer Schwäche nicht verstehen könnte. Vielmehr war er – genau wie wir Versuchungen aller Art ausgesetzt.… Wir wollen also zuversichtlich vor Gottes Thron treten.“
Gott hat eine Schwäche für Sie und mich. Nicht nur weil wir was können, oder wenn wir stark sind und was auf die Beine stellen im Leben. Gott hat Verständnis für die Schwachstellen, die Sie und ich mit uns herumtragen. Die einem selbst zu schaffen machen. Für die man sich manchmal selbst nicht leiden mag. An denen man sich abarbeitet und sie trotzdem nicht loswird. Wer hätte diese Schwachstellen nicht?
Das ist das Überraschende an Gott, wie Jesus ihn beschreibt und ihn mir ans Herz legt. Gott hat so eine Schwäche für mich, dass er mich trotz meiner Schwächen liebt. Und jeden und jede, die nicht so stark ist.
„Ich habe eine Schwäche für Dich“. Es ist stark, dass es das gibt.
Von Gott zu Mensch und von Mensch zu Mensch. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7755