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SWR1 3vor8

(Fastnachtssonntag)


Einen schönen guten Morgen, ich bin Pfarrer Michael Broch aus Leonberg.

Hat Jesus gelacht? – Das Neue Testament gibt darüber keine direkte Auskunft. Die frühe Kirche hat ein Jesusbild überliefert, dessen feierlich-ernste Züge die menschlichen Züge weithin verdecken. Warum? Den Christen der ersten Zeit ist es wichtig gewesen, das Schicksal Jesu zu deuten und von Ostern, von seiner Auferstehung her zu verstehen. Und recht bald hatten die römischen Herrscher damit begonnen, die Christen systematisch zu verfolgen. Von daher ist der ernste Tenor zu verstehen, der das Jesusbild der Evangelien durchzieht.
Dann sind da die Moralisten und Asketen. Die wollten es schon immer gewusst haben, dass Jesus nie gelacht hat. Ich habe da den finsteren alten Mönch Jorge von Burgos vor Augen in dem Film von Umberto Eco „Der Name der Rose“. Solche Leute haben den „Sohn Gottes“ mit steifer göttlicher Hoheit umhüllt, so dass man ihm schließlich ein Lachen gar nicht mehr zugetraut hat.
Doch wenn man genauer hinschaut, dann ist es den Autoren der Evangelien nicht gelungen, den Humor und die Fröhlichkeit Jesu aus ihren Berichten auszuklammern. Ein paar Hinweise:

Die Evangelisten machen keinen Hehl daraus, dass Jesus oft dort zu finden war, wo gefeiert und gelacht wurde. Das haben seine Gegner nicht gerne gesehen und ihn als „Fresser und Säufer“ beschimpft. (Matthäus 11,19)

Jesus war gekommen, Gebeugte aufzurichten, Trauernde zu trösten, Vereinsamte in die Gemeinschaft zurückzuholen und gerade den Menschen eine frohe Botschaft zu verkünden, die nichts zu lachen hatten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus dabei ständig mit einem ernsten Gesicht herum gelaufen ist. Im Gegenteil. Jesus hat das alles aus Freude an Gott getan. Im Lukas Evangelium steht: „In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde.“ (10,21)

Und wenn Jesus in Bildern vom Reich Gottes, von einem Leben bei Gott spricht, dann erzählt er gerne - wie schon die Propheten vor ihm - von einem himmlischen Hochzeitsmahl mit gutem Essen und edlen Weinen. (Jesaja 25,6) Und da ging es im alten Orient – anders als bei uns – viele Tage hoch her und gewiß nicht ernst und traurig.

Ich glaube: Jesus konnte herzlich lachen, er hatte einen feinen Humor und eine heitere Gelassenheit. Und das tut - wo immer es möglich ist - auch uns gut, denn:

Solches Lachen ist ein Lichtschimmer in den persönlichen und weltweiten Dunkelheiten.

Solches Lachen lässt einen in den vielen Bedrohungen nicht resignieren und nicht verzweifeln.

Solches Lachen findet sich nicht einfach ab mit der Welt, wie sie nun mal ist.

Solches Lachen ist beseelt von der Hoffnung, dass vieles doch noch heil und zum Guten geführt werden kann.


Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7641