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SWR1 3vor8

Wenn der Menschensohn kommt, wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Brautjungfern, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam entgegen gingen. Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. Die Klugen dagegen hatten auch Gefäße mit Öl dabei. …Um Mitternacht, als die Törichten hin gingen Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; und die Klugen, die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen... (Mt. 25,1ff)


Wie hat er das gekonnt? Seine Frau so ruhig und gefasst gehen lassen? Ich habe mich das oft gefragt. 83 Jahre ist er, hat seine Frau begleitet bis zur letzten Minute ihres Lebens. Über 50 Jahre waren sie verheiratet. Gut und glücklich. Die letzten Jahre hat er sie gepflegt. Eigentlich hatte ich befürchtet, dass ihr Tod ihn in ein tiefes Dunkel stürzen könnte. Aber so war es nicht. Er hat sie begleitet und dann gehen lassen können und lebt allein weiter. Positiv.
Im Nachhinein habe ich den Eindruck: Er war auf das alles sehr gut vorbereitet. Auch auf ihr Sterben. Das ist Lebensklugheit. Er hat sich auseinandergesetzt, mit dem was kommen würde. Mit Verstand und Glauben. Er war auf den Tod vorbereitet und auch auf sein Leben danach, wenn er allein sein würde. Und er hat auch im Tod Gott kommen sehen.
Jesus hat erzählt, wie wichtig es ist, so vorbereitet zu leben. Auf Gott hin. Mit einer Geschichte, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt steht. Jesus erzählt von 10 jungen Frauen. Sie sind zu einem großen Fest eingeladen. Aber keine weiß genau, wann es beginnt. Es wird Nacht. Alle haben zwar Lampen dabei. Aber nur 5 waren so klug, auch Ersatzöl mitzunehmen. Und als endlich das große Fest beginnen soll, bleiben die 5 Unvorbereiteten im Dunkel zurück.
Mit Verstand und Glauben lebensklug werden. Das ist eine Aufgabe. Ich glaube, man tut sich selbst gut, wenn man sich ihr zeitig stellt.
Für mich gehört z.B. dazu, dass ich mich öfter bewusst daran erinnere, das Gute am und im Leben zu sehen und zu schätzen. Das Helle. Und andere Menschen, das Leben und Gott dafür zu loben. Das gibt mir selbst Mut und Energie.
Als zweites gehört zur Lebensklugheit: Zu sehen, es ist nicht selbstverständlich, dass es gut weiter geht im Leben. Das kann Angst machen, aber man ist der Angst nicht machtlos ausgeliefert, wenn man sie sieht. Man kann Ängsten mit Vernunft entgegen treten und mit Gottvertrauen.
Zum lebensklug werden gehört auch - wie bei dem alten Herrn - sich vorzubereiten, dass das Leben ein Ende hat. Meines und das von lieben Menschen. Und sich immer wieder zu erinnern: Das Leben geht auch nach dem Tod auf Gott zu. Der Tod ist ein Übergang zu neuem Leben. In Gott. Der alte Mann hat mir gezeigt: Wenn man ihm so vorbereitet entgegen lebt, das nimmt dem Tod viel von seinem Schrecken. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7187