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SWR1 3vor8

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche.
Einen schönen guten Morgen!
„Der Mensch soll ehrgeizig sein, er muss sich beseelt fühlen von dem Drange hervorzuragen, geschäftig muss er sein, unermüdlich, und wie Cäsar sollte er das Vollbrachte für nichtig halten, so lange etwas zu tun übrig bleibt.“
Wow, besser als der englische Lord Chesterfield mit seinem Zitat aus dem 18. Jahrhundert kann man eine zeitlose Untugend des Menschen kaum auf den Punkt bringen: den Ehrgeiz. Den blinden, rast- und ruhelosen Ehrgeiz.
Natürlich, Ehrgeiz ist nicht grundsätzlich schlecht. Es gibt auch den sogenannten gesunden Ehrgeiz. Ohne ihn wäre Sport nur eine langweilige Körperübung. Und ohne ihn gäbe es viele kulturelle Errungenschaften der Menschheit nicht.
Von der Wortbedeutung her heißt Ehrgeiz heißt nicht, dass jemand mit der Ehre geizt, sondern dass er gierig danach ist. Gierig nach Ansehen, Ruhm oder Macht. Eine weit verbreitete Fehlform. Eine Fehlform des ganz natürlichen Strebens nach Anerkennung und Zufriedenheit. Ein anderes Wort dafür ist die Geltungssucht. Auch den Aposteln war diese Geltungssucht nicht fremd. In den katholischen Gottesdiensten wird heute ein Text gelesen, in dem sie sich fragen wer von ihnen denn der Größte sei.
Da hören sie tagtäglich worum es ihrem Meister mit seiner Botschaft geht und sie verlieren sich in Rangordnungsdebatten! Jesus in seiner außerirdischen Geduld nimmt ein Kind in seine Arme, stellt es mitten unter seine ehrgeizigen Gefolgsleute und sagt: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte und der Diener aller sein…
Damit stellt Jesus die gängige Rangordnung auf den Kopf und dreht die Perspektive dorthin wo Leute, die mit sich mit sich selbst beschäftigt sind, eher nicht hinschauen: auf die Kleinsten, Liebesbedürftigsten und Schwächsten.
Ich mag diesen Text aus dem Markusevangelium. Weil er so zeitlos ist. In Vielem waren die Menschen vor 2000 Jahren auch nicht anders als wir: Größer sein wollen, schöner, klüger, stärker, reicher, erfolgreicher als andere. Das alles sind Züge des menschlichen Wesens und Grundzüge unserer Gesellschaft. Der christliche Glaube könnte da einiges entspannen helfen. Denn Erfolg, Schönheit, Reichtum oder Macht sind keine Namen Gottes. Oder wie es ein ungarisches Sprichwort ausdrückt: „Wo der Ehrgeiz endet, beginnt das Glück“…
Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=6782