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SWR1 3vor8

17. Sonntag im Jahreskreis (B)

Im Grab des Apostels Paulus liegen tatsächlich Knochen. Am Ende des Paulus-Jahres anlässlich des 2000. Geburtstags des Apostels hat Papst Benedikt XVI. diese archäologische Sensation feierlich verkündet. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen also die Überlieferung, dass da tatsächlich die sterblichen Überreste des Apostels Paulus liegen. Denn seit jeher verehren Pilger dieses Grab unter dem Hauptaltar der römischen Basilika „Sankt Paul vor den Mauern“ Doch bei aller Wertschätzung des Apostels frage ich: Was nützen uns Überreste von Knochen? Es gibt viel Wertvolleres, das wir bis heute von Paulus erfahren können: Seine Gedanken und Gefühle – über 2000 Jahre ausgedrückt in seinen Briefen an die Gemeinden in Thessaloniki und Ephesus, in Korinth und Rom. Diese Briefe geben uns tiefe Einblicke in den Glauben und in die Theologie des Paulus. Sie lassen uns wissen, wie er sich eine christliche Gemeinde vorstellt. Nicht zu überhören ist dabei sein Aufruf zur Einheit. Haltet zusammen! – Darauf hat der Apostel Paulus die jungen Christengemeinden mit großer Leidenschaft eingeschworen. „Ein Gott und Vater, ein Herr Jesus Christus, ein Geist“ – und weiter: „Ein Glaube, eine Hoffnung, eine Taufe.“ Diese vielen großen Worte sind heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Damit hat Paulus das Wesentliche gesagt, was die Christen bekennen und was die Kirche im Innersten zusammen halten müsste. Tut es aber nicht. Schon damals nicht und bis heute nicht, wie die vielen Spaltungen zeigen. Aber sein Aufruf zur Einheit bleibt aktuell. Ein gutes ökumenisches Miteinander in den christlichen Gemeinden und Kirchen ist bei uns fast überall selbstverständlich. Das ist erfreulich und ermutigt zum Weitermachen. Allen Missverständnissen, Rückschlägen und gezielten Nadelstichen zum Trotz – es gibt keine Alternative zur Ökumene. Wenn die Kirchen ihrem Auftrag nachkommen wollen, die Frohe Botschaft von Jesus Christus überzeugend rüberzubringen. Ich jedenfalls mache mir zueigen, was Kardinal Karl Lehmann für seine „ökumenische Gewissenserforschung“ entdeckt hat: „Habe ich Freude an der Stärke des anderen? – Dann bin ich auf dem richtigen Weg.“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=6431