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SWR1 3vor8

„Tauft sie auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. …Und siehe, ich bin bei euch bis an das Ende der Welt:“

Ein Mann wie ein Baum, sehr kräftig, mittleres Alter, graue Stoppelhaare, den kann anscheinend nichts erschüttern. Am Handgelenk trägt er ein dünnes buntes geflochtenes Bändchen, sorgfältig verknotet. Ein Freundschaftsbändchen, wie es die kleinen Mädchen für ihre Freundinnen machen. Ich habe ihn noch nie ohne gesehen. „Das hat meine Tochter für mich gemacht“, hat er mir erzählt, „ weil ich dich so lieb habe! hat sie gesagt. Ich trage es immer. Dann kann ich sie spüren. Sie glauben nicht, wie viel Kraft mir das gibt“.
Ich verstehe ihn gut. Ich habe einen Ring mit blauem Stein. Blau wie die Augen meines Sohnes. Damit geht es mir ähnlich. Und bis heute kaufen sich Liebende Ringe. Der Ring macht den anderen präsent, auch wenn er weit weg ist. Das gibt einem Sicherheit und Lebensmut, besonders dann, wenn man meint, nun bin ich ganz allein.
Wir Christen glauben übrigens, dass es so ein Zeichen auch von Gott gibt – Jesus hat es uns geschenkt. Das ist die Taufe. Da, wo Jesus seine Nachfolger angewiesen hat, die Menschen zu taufen, da hat er dazu gesagt ich bin bei euch, bis ans Ende der Welt. Heute wird in den evangelischen Kirchen davon die Rede sein. Und bei jeder Taufe wird ausdrücklich daran erinnert. Ich bin bei euch – und damit ist Gott bei euch.
Ein Zeichen, das ich sehen kann und spüren. Das ist fast so, als ob der andere da ist und es selber sagen kann. Es wäre nicht dasselbe, wenn ich mir das Zeichen selber geben würde. Ein selbst gekaufter Ring ist nicht dasselbe. Und das Foto auf dem Schreibtisch, das ich mir selber hingestellt habe – das ist nicht dasselbe. Das Zeichen, das mir der andere schenkt oder die andere: das gibt mir Halt, auch wenn mich die Wirklichkeit manchmal ganz schön verunsichert. Das hält sogar und trägt mich, wenn es mal nicht so gut läuft mit der Beziehung. Jedenfalls für eine Weile. Dann kann ich mich erinnern wie es war – und dass es auch wieder werden kann.
So ist das mit der Taufe: Sie ist ein Zeichen für Gottes Nähe. Zugegeben: wenn das Wasser getrocknet ist, dann ist nichts mehr davon zu sehen. Es gibt bloß noch den Eintrag im Familienbuch, und den Taufspruch der daran erinnert. Vielleicht wäre es gut, wenn die Täuflinge etwas Sichtbares dazu kriegen würden. Eine Kerze ist schon in vielen Gegenden Gemeinden üblich. Oder vielleicht sogar eine Kette mit Kreuz, als Geschenk von den Eltern oder den Paten. So ein Erinnerungsstück an die Taufe würde vielleicht sogar Männern gut tun, die unerschütterlich scheinen wie ein Baum. Damit sie immer mal wieder daran erinnert werden: „Ich bin bei euch, bis an das Ende der Welt“:https://www.kirche-im-swr.de/?m=6401