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SWR1 3vor8

Reisen ohne Gepäck – das erwartet Jesus von seinen Jüngern. Im Markusevangelium steht, wie Jesus 12 Jünger ausschickt, damit sie Kranke heilen und den Menschen sagen, daß Gott ihnen nahe ist. „Nehmt kein Geld mit, keine Vorräte und kein zweites Hemd!“ heißt es bei Markus. Heute hätte er wahrscheinlich noch hinzufügt: Laßt auch die Kreditkarte und das Handy zu Hause!
Freunde von mir haben vor einigen Jahren diesen Abschnitt als ihren Hochzeitstext gewählt. Ausgerechnet als Hochzeitstext. Zunächst hat es uns alle ziemlich irritiert: wir sitzen in der Kirche, und das Brautpaar lässt sich vorlesen: „Nehmt außer einem Wanderstab nichts mit: Kein Brot, kein Geld im Gürtel, an den Füßen nur Sandalen“. Die Verblüffung war groß.Und dann wurde langsam klar, was die beiden gemeint haben. Sie wollten ausdrücken: Wir können gar nicht all das mitnehmen, was wir brauchen für unsern gemeinsamen Weg. Wir können nicht am Anfang für alles sorgen, noch nicht mal für das Lebensnotwendige. Selbst wenn wir beide soviel in unsern Rucksack stopfen wie reinpaßt, wir kommen nicht weit damit. Sondern wir sind angewiesen auf das, was uns unterwegs geschenkt wird. Wir sind auf Menschen angewiesen, auf die Gaben der Natur, auf die Überraschungen mit uns selber, was wir bei uns selbst entdecken, was wir aus uns machen; und wir sind angewiesen und gespannt auf neue Erfahrungen mit Gott. Und darauf vertrauen wir auch. Ich fand schließlich dieses Evangelium durchaus passend für eine Hochzeit, realistisch und mutig zugleich.
Jetzt soll aber wohl keiner von uns heute hingehen und die Vorsorge vernachlässigen, für Alter, Krankheit, Notfälle, das wäre naiv. Oder sich einfach auf das soziale Netz verlassen. Das ist sicher auch nicht gemeint. Also kein Text für Asketen und keiner für Schmarotzer. Aber für Leute, die Vertrauen riskieren, die sich etwas weniger von der Vorsorge beschweren lassen. Und wohl auch für die, die nicht viel haben zum Zurücklegen für später.
Ohne Gepäck reisen, das hat Chancen, wenn ich es schaffe. Oder zumindest mit leichtem Gepäck. Vorsorgen ja, und noch mehr vertrauen, etwas erwarten. Dann bin ich weniger belastet, heißt das nämlich auch. Es spart Energie. Ich kann mich konzentrieren auf das, was geschieht. Zum Beispiel auf Begegnungen. Auf das, was der Weg bringt. Auf den Glauben und die Hoffnungen, die ich entdecke bei mir und bei andern. Und ich kann mich unterwegs immer wieder beschenken lassen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6375