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SWR1 3vor8

Das ist schon eine unglaubliche Geschichte, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Ein Synagogenvorsteher bittet Jesus seine sterbenskranke Tochter zu retten. Jesus geht mit ihm, wird aber von einer Menschenmenge aufgehalten. Unter diesen Menschen ist eine Frau die seit Jahren an schwersten Blutungen leidet. Was sie nicht nur körperlich schwächt und seelisch erschöpft, sondern auch sozial ächtet, weil Blutfluss als unrein gilt. Diese Frau tritt von hinten an Jesus heran und berührt sein Gewand. Weil sie sich allein aus dieser Berührung Heilung erhofft. Und so geschieht es. Sie spürt die heilsame Veränderung und Jesus spürt die Kraft, die von ihm ausströmt. Darum dreht er sich um, spricht sie an, stellt sie in den Mittelpunkt, nennt sie „meine Tochter“ und preist ihren Glauben der ihr geholfen hat heil zu werden. Da kommen Leute und sagen, dass die Tochter des Synagogenvorstehers gestorben sei. Jesus lässt sich davon nicht aufhalten und geht an der aufgebrachten Menge und an den Klageweibern vorbei zum Haus des Synagogenvorstehers. In das Zimmer des Mädchens lässt er nur die Eltern und drei seiner vertrautesten Jünger. Er nimmt die Hand des gerade verstorbenen Mädchens und sagt zu ihm: „Talita kum“, das heißt, „Ich sage Dir steh auf!“ Er befiehlt ihr geradezu vom Tod ins Leben zurück zu kommen. Und das Mädchen steht auf und lebt!
Eine wahrlich unglaubliche Geschichte. Mit der Spontanheilung eines jahrzehntelangen Menstruationsleidens und der Erweckung eines gerade gestorbenen Mädchens vom Tod!
Was sagt man da als moderner, aufgeklärter Mensch?
Man kann diese Geschichte auf verschiedenen Ebenen hören. Als rationaler Skeptiker könnte man sagen: alles Humbug. Aus dem Tod ist noch keiner zurückgekommen. Als Bibelwissenschaftler könnte man sagen diese Geschichte aus dem Markusevangelium soll zeigen, dass Jesus mehr als ein Prophet war, dass er der Sohn Gottes war, der heilen konnte und Herr war über Leben und Tod. Von einer symbolischen Ebene her könnte man die beiden Frauen als Bilder nachlassender und erloschener Lebenskraft sehen, die durch den Glauben wiederbelebt wird.
Die letzte Ebene – und das ist meine – vereint all diese Ebenen. Weil sie glaubt, dass es unglaubliche, heilsame und lebensspendende Kräfte gibt. In dieser Welt und über diese hinaus. Die aber nie getrennt von der Liebe und vom Glauben wirksam sind…
Einen schönen Sonntag wünsch‘ ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=6258