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SWR1 3vor8

Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. (Johannes 15,26f)

Wenn man als Zeuge eine Aussage macht, vor Gericht, dann redet man anders als normal. Im Alltag sagt man gern mal was leichthin. Ungeschützt. Manchmal auch vorschnell. Als Zeuge bekommt jedes Wort Gewicht. Als Zeuge muss ich für jedes Wort stehen, was ich sage. Dass es wahr ist. Ein Zeuge hat Verantwortung für die Wahrheit, weil das Wort eines Zeugen bewirkt was.
Eine Zeugenaussage kann einen Verdächtigen als Täter überführen. Oder aus einem Beschuldigten einen der frei gesprochen wird.
Es tut gut, wenn Worte etwas bedeuten und Gewicht haben. Ich glaube, im Alltag machen wir zu viele Worte, die nicht viel mehr sind als bewegte Luft oder Geschwätz. Sie sind oft zu oberflächlich, um dem anderen etwas zu geben. Es wäre gut, wenn wir auch im Alltag öfter reden würden wie ein Zeuge und gerade stehen für das, was wir sagen.
Jesus hat übrigens gemeint, Zeuge sein, ist nicht nur etwas fürs Reden, vor Gericht und überhaupt. Für Jesus war "Zeuge sein" ein Konzept dafür, wie man insgesamt sinnvoll leben kann als Mensch. Er selber hat das vor gelebt. Er hat Gott bezeugt: Als liebevollen Vater, der will, dass allen Menschen geholfen wird. Und ich finde, Jesus hat das sehr überzeugend gemacht als Gottes Zeuge. Er hat es geschafft, dass Menschen wieder gesund und echt leben konnten.
Zum Abschied hat Jesus dieses Lebenskonzept auch den Christen mit auf den Weg gegeben. "Ihr seid meine Zeugen," hat er gesagt. An diese Worte wird heute in den evangelischen Kirchen erinnert. "Ihr seid meine Zeugen."
Jetzt fragen Sie vielleicht: Aber ist so ein christliches Lebenskonzept noch zeitgemäß? "Zeuge sein für einen anderen.“ Kann ich da noch ich selbst sein?
Ja, ich glaube, man kann als Zeuge sehr gut ich sein. Das macht einen Zeugen sogar aus. Dass er wirklich ein aufrechtes "ich" ist. Verantwortung übernimmt, für das was er tut. Als Zeuge kann ich mich nicht verstecken. Da bin "ich" gefordert. Aber es geht nicht nur um mich. Als Zeuge stehe ich für die Wahrheit ein. Darum finde ich diesen Auftrag Jesu, "Zeuge zu sein" ein prima Lebenskonzept. Jesus weiß: Wenn man als Mensch sinnvoll leben will, braucht man etwas, wofür man stehen kann. Wenn man wirklich für etwas einsteht, dann kann man auch etwas bewirken. Gut tun. Anderen Menschen oder der Umwelt. Und gut tun, tut einem selber gut. Wenn man für etwas einstehen kann, was wahrhaftig ist, dann bekommt das Leben Sinn und Bedeutung. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6051