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SWR1 3vor8

Christi Himmelfahrt

„Warum sollte ich auch nur einen Gedanken an ein Danach im Himmel verschwenden?“ – das hat mir ein älterer Kollege gesagt. Auf meine Frage, warum er das nicht tue, hat er mit einem leichten Augenzwinkern geantwortet: „Weil ich hier und jetzt im Himmel bin.“ „A, ja“ hab ich gedacht. Doch die Antwort des Kollegen verrät Gelassenheit und ein gutes Stück Humor. Mir hat das irgendwie gefallen. Und es erinnert mich heute, an Christi Himmelfahrt, an die fast liebevoll-ironische Frage, die Jesus an seine sprachlosen Jünger gerichtet hat. Als er endgültig zu seinem Vater gegangen war, fragte er sie: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ – so berichtet es die Bibel. Ihnen sollte die Zusage Jesu genügen: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,20) Das konnte den verängstigten Freundinnen und Freunden Jesu Mut machen: „Schwestern und Brüder, bleibt der Erde treu! Seid hier auf Erden beständig und zuverlässig! Ihr seid keinem ungewissen, blinden Schicksal ausgeliefert.“ Ich wünsche mir auch immer wieder die gläubige Gelassenheit, nicht in den Himmel starren zu müssen. Ich möchte der Zusage Jesu vertrauen, dass er immer bei uns ist. Hier und jetzt, schon in dieser Welt, in den schönen und in den schweren Stunden. Dann brauche ich mir auch keine Vorstellungen vom Himmel und von der Ewigkeit machen und was danach kommt. Dann brauche ich mir auch keine Bilder vom Paradies ausmalen. Es wären ohnehin nur Spekulationen. Ich möchte der Zusage Jesu vertrauen, dass er immer bei uns ist. Und wenn wir einmal die Augen schließen und diese Erde verlassen, dass wir dann Jesus begegnen, auf unvorstellbar herrliche Weise. Und das ist für mich Grund zum Fest. Zum Fest heute, das Christi Himmelfahrt genannt wird. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6024
Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.

Da hilft nur noch beten! Wenn das einer sagt, dann heißt das meistens: Die Sache ist aussichtslos. Da ist nun wirklich nichts mehr zu machen.
Da hilft nur noch beten! Wer so redet, glaubt gerade nicht, dass noch irgendwas helfen kann. Schon gar nicht eine so kindische Sache wie das Beten. Vielleicht hat er nie geglaubt, dass das helfen könnte. Vielleicht ist er auch enttäuscht. Hat irgendwann erlebt – es hilft ja doch nicht, das Beten. Und meint seitdem: Wenn nur noch beten helfen kann – dann ist schon alles verloren.
Ich kann das verstehen. Ich glaube auch längst nicht mehr, dass Gott alle meine Wünsche erfüllt. Wie oft haben wir für den Frieden gebetet und Kerzen angezündet – und dann kam er doch, der Krieg und zehntausende mussten sterben. Die Mutter von 4 Kindern ist doch gestorben, obwohl so viele für sie gebetet haben. Das Beten hat anscheinend nichts genützt.
Oder doch? Jene Mutter ist ganz zuversichtlich gestorben und wie es schien ohne Angst – weil sie miteinander gebetet hatten: „So nimm denn meine Hände und führe mich…“ Da hat sie sich nicht mehr gefürchtet, weil sie wusste: Gott lässt mich nicht los. Er hält meine Hand, so wie mein Mann jetzt meine Hand hält und meine Kinder bei mir sind. Und sie hat gespürt: Sie werden zusammen halten. So wie sie jetzt miteinander weinen, so werden sie auch wieder fröhlich sein miteinander. Da ist sie ganz ruhig eingeschlafen.
Anscheinend hat das Beten nichts geholfen. Und doch ist mit der Zeit die Zuversicht und die Kraft gewachsen. Sie konnten sich dem Leben wieder zuwenden. Gott hat sie nicht im Stich gelassen – auch wenn das zuerst so aussah, weil das Beten doch scheinbar nicht geholfen hatte.
Vielleicht hat Jesus das gemeint, als er seinen Anhängern versprochen hat: Wenn ihr Gott etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er’s euch geben. (Joh 16, 23) Im Namen Jesu beten: Jesus hat ja selber auch gebetet und nichts blieb ihm erspart, nicht mal das Gefühl, ganz und gar von Gott verlassen zu sein. Aber wir Christen glauben, dass Gott ihn eben doch nicht allein gelassen hat. Und dass er ihn auferweckt hat und ihm und seinen Anhängern neues Leben möglich gemacht.
Lange Zeit mochte ich dieses alte Lied nicht leiden:„So nimm denn meine Hände“. Das war mir nun wirklich zu kindlich. Aber weil ich inzwischen erwachsen geworden bin, weiß ich: Manche Dinge lassen sich einfach nicht ändern. Die muss man aushalten. Und dann ist es gut, wenn einer da ist, der einem die Hand hält. Dann kann man aushalten. Und durchhalten. Und irgendwann aufstehen und neu anfangen. So gesehen hilft das Beten eben doch. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6002