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SWR1 3vor8

“Du sollst nicht morden!” – Exodus 20,1-17
3. Fastensonntag (Lesejahr B)

Eltern wurden ihre Kinder genommen, Freunden die Freundin, der Freund. Vor vier Tagen in Winnenden. Das Vertrauen in die Sicherheit des Alltags wurde erheblich beschädigt. Nach den ersten Tagen des Schocks, der Trauer, der Ohnmacht und des Mitgefühls beginnen sich viele zu besinnen und nach Erklärungen zu suchen für diese kaum fassbare Tat. Und genau an diesem Sonntag geht es in den katholischen Gottesdiensten um die „Zehn Gebote“ – und darin: „Du sollst nicht morden!“ Weil morden dem Schöpfungsplan Gottes widerspricht. Gott will, dass wir leben. Der Gott der Bibel ist ein Gott des Lebens, des Positiven, der Liebe. Und morden ist das Schrecklichste, das Negative. Der Mord ist die Gegenposition zu allem, was Gott will. Und nach der Bibel will er von uns nichts für sich. Er will, dass unser Leben gelingt, menschlich gelingt. Deshalb dieses Gebot. Und nun stehen wir fassungslos vor dem Ausmaß an Gewalt, das sich schon bei jungen Menschen aufbauen und entladen kann. Was geht in einem 17-jährigen vor, bevor er eine solch grausame Tat begeht? Was ist da kaputt, dass er keine Lebensmöglichkeit mehr sieht und nur noch das unabwendbare Bedürfnis hat, andere und sich selbst zu vernichten? – Viele Fragen, wenige Antworten, schon gar keine vorschnellen und vordergründigen. Da wird noch viel zu überlegen und zu bedenken sein. Jedenfalls wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Was seither getragen hat, trägt auf einmal nicht mehr. Für die Angehörigen und Schüler, die Lehrer und Hilfskräfte bete und hoffe ich, dass sie, wann immer möglich, neu in ihr Leben und in ihren Alltag finden.Bei allem gilt es, nach vorne zu schauen. Wie soll das gehen? Ich meine, folgendes sollten, müssen wir tun: Mit den Kindern sprechen, über deren Ängste und über die eigenen.Und darüber sprechen, wohin Gewalt, wohin Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt und wohin Verherrlichung von Gewalt führen kann. Dann gerade jetzt dafür werben, das Vertrauen in das soziale Umfeld zurückzugewinnen. Weil Kinder und Erwachsene ohne ein solches Grundgefühl nur schwer leben und glücklich sein können. Schließlich das Positive, die Liebe in die Herzen junger Menschen hineinsprechen, hineinlegen, hineinstiften. Da sind wir Erwachsenen in die Verantwortung und in die Pflicht genommen. Es geht um unsere Glaubwürdigkeit jungen Menschen gegenüber und um ihre gute Zukunft. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5630