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SWR1 3vor8

Sie trachteten danach, Jesus zu ergreifen und fürchteten sich doch vor dem Volk, denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte.

Ein Mensch, der unbequem ist, wird misshandelt und eingeschüchtert und wenn er dann immer noch nicht Ruhe gibt, räumt man ihn aus dem Weg. Das wäre vielleicht ein Drehbuch für den Tatort am Sonntagabend.
In den evangelischen Gottesdiensten ist schon heute Vormittag „Mord im Weinberg“ das Thema. Die biblische Geschichte, die zur Sprache kommen soll, handelt von einem Weinbergbesitzer, der sein Anwesen verpachtet hat. Zur Erntezeit schickt er Bevollmächtigte, die sollen an ihn erinnern und ihm die Pacht bringen. Aber die Pächter schlagen die Gesandten, schüchtern sie ein. Als andere kommen, werden sie umgebracht, wie im Krimi eben. Zum Schluss schickt der Weinbergbesitzer seinen Sohn. Den werden sie respektieren, hofft er. Aber da irrt er sich. Auch den Sohn bringen sie um. Dann, so ihr Plan, können sie endlich tun und lassen, was sie wollen.
Jesus hat diese Geschichte erzählt und auch, wie das weiter geht: Allerdings erzählt er nicht von den Ermittlungen im Mordfall, sondern davon, wie es mit den kriminellen Weingärtnern weiter geht: Weil sie nur noch für ihre eigenen Interessen leben, verlieren sie schließlich alles. Wo jeder für sich allein das größte Stück vom Kuchen beansprucht, da muss am Ende jeder Angst haben, dass für ihn nichts mehr übrig bleibt. Weil keiner sehen will, was die anderen brauchen, muss sich jeder erkämpfen, was er kriegen kann. Gutes Leben sieht anders aus.
Als Jesus diese Geschichte erzählt hat, da haben sich die Menschen darin wieder erkannt wie in einem Spiegel, heißt es. Sie haben verstanden: der redet von uns. Kaum einer kümmert sich darum, welche Regeln und Vorbilder Gott uns empfiehlt, damit wir gut miteinander leben können.
Die Leute damals haben sich wiedererkannt in der Geschichte, die Jesus erzählt hat. Aber sie wollten das nicht hören. Und die Bibel erzählt, dass es damals ging, wie in einem Sonntagabendkrimi: „Sie trachteten danach, Jesus zu ergreifen…, denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte.“ Das ist der letzte Satz.
Und manchmal denke ich: so viel hat sich gar nicht geändert, seit damals. Auch wir haben längst unsere eigenen, selbst gemachten Maßstäbe. Die einen stellen ihren eigenen Vorteil, das gute Geschäft, die Rendite in den Mittelpunkt. Sehen zu, dass sie auf nichts verzichten müssen. Und meinen, das sei doch ihr gutes Recht. Wir halten uns Gottes Empfehlungen genauso vom Leib, wie die Leute damals. Wir stellen es bloß geschickter an. Hören einfach nicht zu. Tun so, als ob wir sie nicht brauchen. Aber so was geht selten gut aus. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5561