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SWR1 3vor8

Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen.
Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber ... sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. (Mk 8,31-33)


Eigentlich war Petrus einfach ein normaler Mann, wie Sie und ich. Ich kenne das von mir und von anderen Männern auch, wie Petrus denkt, wie er reagiert und sich verhält. Und genau damit soll der Mann Petrus auf dem Holzweg sein. Sagt Jesus, in der Geschichte, die heute in den evangelischen Kirchen „dran“ ist.
Der Hauptvorwurf ist: Männer wie Petrus versuchen, schwierigen Wahrheiten auszuweichen.
Aber vielleicht sollte ich Ihnen am besten mal die Geschichte erzählen: Jesus eröffnet seinen Jüngern, wie es mit ihm weiter gehen wird: Er sieht kommen, dass seine radikale Menschenliebe ihm und ihnen erbitterte Feinde einbringen wird. Er hat aber nicht vor, deshalb von seinem Weg abzuweichen. Auch wenn man ihm ans Leben gehen sollte. Er ist sicher, sagt Jesus, dass dies der einzig wahre Weg für ihn ist. Wenn er mit seinem Gott im Einklang bleiben will. Und genau an dem Punkt kommt Petrus ins Spiel. Er nimmt Jesus beiseite und will ihn davon abbringen. 'Gott kann doch nicht wollen, dass Du Dich in Gefahr bringst'. Da wird Jesus heftig, wirft Petrus vor, er wolle ihn in die Irre führen: 'Du denkst einfach allzu menschlich, weist er ihn zurecht.
Ich verstehe das, was Jesus dem Petrus vorhält so:
Er sieht nicht nur einen Fehler oder sagen wir eine männliche Schwäche bei ihm, sondern gleich drei:
Der erste Fehler: Petrus will sich einer Wahrheit nicht stellen, die ihm nicht passt. Darum will er sie schon gar nicht erst hören. Petrus will lieber verschont durchs Leben gehen.
Seine zweite Schwäche: Der Mann macht sich was vor. Er glaubt ja vielleicht ehrlich, dass es ihm bloß um seinen Freund Jesus geht. Dass er sich Sorgen um ihn macht. Ein bisschen stimmt das vielleicht auch. Aber es geht Petrus auch um sich selber. Er hat Angst, dass es auch für ihn unangenehm werden könnte. Verständlich und menschlich. Aber überwinden kann er seine Angst nur, wenn er sie sich eingesteht, nicht wenn er sich belügt.
Und seine dritte Schwäche: Der Mann Petrus möchte gern, dass Jesus ein Held bleibt, nach seinem Geschmack: Beliebt und erfolgreich. Ein Winner. Und da kommt Jesus daher und sagt ihm: 'Ein Held vor Gott werde ich, wenn ich bereit bin zu lieben, zu kämpfen, zu leiden und zu sterben. Es gibt keine Auferstehung ohne Sterben.' Aufstehen kann man nur aus Niederlagen. Keine leichte Lektion für Männer wie Petrus, oder? https://www.kirche-im-swr.de/?m=5485