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SWR1 3vor8

Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen

Gott ist anscheinend kein Schnäppchenjäger. Im Gegenteil.
Schnäppchenjäger suchen die günstigen Gelegenheiten. Manche kommen anders nicht über die Runden, ich weiß. Aber viele Schnäppchenjäger könnten sich eine Menge leisten und kaufen doch die billigen T-Shirts aus China und fragen nicht, ob die Näherinnen von ihrem Hungerlohn die Familie ernähren können. Und auch nicht, dass die Textilunternehmen in unserem Land eingehen, weil anderswo billiger gearbeitet wird.
Gott ist da anders. Gott sei Dank. Jedenfalls erzählt Jesus das in einer Geschichte, die so anfängt: „Das Himmelreich gleicht einem Unternehmer, der morgens losgeht, um Arbeiter einzustellen“. Der Mann, erzählt Jesus dann weiter, geht aber nicht nur einmal zur Arbeitsagentur. Ein paar Mal geht er im Laufe des Tages. Das tut er nicht, weil er am Anfang nicht übersehen hat, wie viel Leute er braucht. Er tut es, damit niemand ohne Arbeit und also ohne Auskommen bleiben muss. Er fühlt sich verantwortlich für die Menschen und ihre Familien. Und am Ende kriegen alle denselben vereinbarten Lohn. Die ersten wie die letzten. Alle soviel, dass sie leben können. Dafür wird die Rendite des Unternehmers wahrscheinlich kleiner ausfallen.
So geht es bei Gott zu, sagt Jesus. Er belohnt am Ende nicht nur die Guten, die sich ein Leben lang für ihn engagiert haben. Er macht sich Mühe. Er kümmert sich um alle. Er will, dass jeder seinen Platz findet und sein Auskommen. Am Ende sollen alle leben können.
Ja, sagen sie jetzt vielleicht, so ist Gott. So ist es vielleicht im Himmel. Und wer weiß, ob das gut ist. Wer gibt sich denn noch Mühe, anständig und als Christ zu leben, wenn es darauf gar nicht ankommt? Mag sein, dass Gott so ist. Vielleicht bin ich selbst ja eines Tages froh, dass er nicht so genau hinschaut, was ich verdient habe. Und dass er nicht so genau hinschaut, was ich mir so alles geleistet habe. Mag ja sein, dass Gott so ist und dass ich darüber froh sein kann.
Aber das kann man doch nicht mit unserer Welt vergleichen! Da hat keiner was zu verschenken. Da muss man nach der Rendite schauen. Da muss ordentlich was rauskommen, wenn man irgendwo investiert.
Ich verstehe das. Ich freue mich auch über einen günstigen Einkauf. Aber diese Geschichte erinnert mich, dass wir Christen beten: dein Reich komme – wie im Himmel so auf Erden. Und ich frage mich: Wenn uns das ernst ist – müssten wir dann nicht doch Schluss machen mit der Schnäppchenmentalität? Und statt dessen Verantwortung für andere übernehmen, auch wenn es Geld kostet?
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