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SWR1 3vor8

Jesaja 11,1 – 16 - 1. Advent

„Von nichts kommt nichts“ – mit diesem Spruch bin ich vorsichtig. Seit meine Großmutter einen Besenstiel in die Erde gesteckt hatte, aus dem nach einiger Zeit ein grünes Blatt herausgewachsen ist. Daran erinnere ich mich gerne, wenn in den Gottesdiensten im Advent dieser Text vom Propheten Jesaja im Alten Testament zu hören ist: Aus einem abgestorbenen Baumstumpf wächst ein Reisig hervor. Aus einer alten Wurzel kommt ein junger Trieb, der zu blühen beginnt. Ein schönes Bild, das der Prophet Jesaja vor über zweieinhalbtausend Jahren gezeichnet hat. Und er hat weiter gemalt: Gott entscheidet sich für die Armen und Hilflosen im Land. Man tut nichts Böses und niemand begeht mehr ein Verbrechen. Wolf und Lamm, Panther und Böcklein, Kuh und Bärin wohnen beieinander. Der Löwe frisst Stroh, und der Säugling spielt vor der Höhle der Schlange. Wunderschöne Bilder, aber wann und wo soll das eintreffen? Was Jesaja hier zeichnet, sind Bilder einer heilen Welt, einer geheilten Welt, wie sie Gott im Blick hat: Eine geheilte menschliche Gemeinschaft, in der sich jeder erwünscht und angenommen wissen darf. Eine Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit das Sagen haben. Eine Schöpfung, in der man nicht mehr aufeinander los geht, sondern zueinander findet. – Zu schön, um wahr zu sein? Zu allen Zeiten gibt es Menschen, die an ein solches Wunder glauben. Die Gott zutrauen, dass für ihn Menschenunmögliches möglich ist. Dass er aus dem Nichts Leben erstehen und aus dem Tod neues Leben auferstehen lässt. Ich glaube, die Vision des Propheten Jesaja von Gottes und so auch unserer neuen Welt, dieses wunderbare Friedensbild, kann schon jetzt aufleuchten, spürbar werden, wirklich werden. Ein Wunder biblischen Ausmaßes ist für mich nach wie vor die friedlich und unblutig verlaufene Einheit Deutschlands. Ahnungen vom Reich Gottes spüre ich in der neuen Wertschätzung vieler für Tiere und Natur. Und das hat es so auch nicht immer gegeben: Viele, vor allem auch junge Menschen sind bereit, sich für andere zu engagieren. Stichwort: Ehrenamt und Freiwilliges Soziales Jahr – bei uns und in den Armenhäusern der Welt. Und auch im ganz persönlichen Bereich lassen sich Spuren einer geheilten Welt finden. Zum Beispiel, dass ich mich mit einem mir unliebsamen Zeitgenossen ausgesprochen habe und wir es seither recht gut miteinander können. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4943