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SWR1 3vor8

Allerseelen (Lesejahr A)

„Man glaubt für gewöhnlich, es gebe keine Steigerungsform von tot. Die gibt’s aber doch: ausgestorben.“ – Sie haben richtig gehört. Ich habe auch geschluckt, als ich das zum ersten Mal gelesen habe. Der Schriftsteller Martin Kessel (1901-1990) hat das gesagt. Ein außergewöhnliches Wort: Die Steigerungsform von tot: ausgestorben. Ich bringe das in Verbindung mit etwas anderem, das mir auffällt und das ich noch vor einiger Zeit so nicht wahrgenommen habe. Kleine Traueranzeigen in der Tageszeitung. Oben steht: „Unvergessen“. Darunter der Name der verstorbenen Person und das Sterbedatum – doch kein aktuelles, sondern 1997, 2001 oder 2005. Wer nicht vergessen ist, wer im Gedenken seiner Lieben weiter lebt – der ist tot, aber nicht ausgestorben. Im November gibt es verschiedene Gedenktage: Heute Allerseelen, dann Volkstrauertag und Totensonntag. Die Kirchen und die Gesellschaft gedenken der Verstorbenen, auch der vielen Unbekannten, die irgendwo begraben liegen und an die vielleicht sonst keiner mehr denkt. Sie sind tot, aber nicht ausgestorben. Der Toten gedenken ist tief in unserem Leben verwurzelt. Wir verbinden damit Liebe und Dankbarkeit, Versäumnisse, gute und schmerzliche Erinnerungen, Hoffnung und nicht zuletzt bedenke ich vielleicht auch den eigenen Tod. Tot, aber nicht ausgestorben. Und ich glaube, dass auch Gott unser gedenkt, über den Tod hinaus und für immer. Wie das geschieht, das entzieht sich jeder Spekulation. Das kann ich mir nur gesagt sein lassen und als Glauben wagen. Die Hoffnung, dass Gott unser immer gedenkt, diese Hoffnung hat auch der Apostel Paulus. Seine Überzeugung bringt er in den einfachen Satz – er ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören: „Dann werden wir immer beim Herrn sein.“In dieser Hoffnung waren und sind uns schon so viele Menschen über die Zeiten und über den Tod hinaus verbunden. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4768