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SWR1 3vor8

Die große Party als Ziel der Welt. Und zwar Multi-Kulti. Gott lädt alle Menschen zu einem Fest ein. Da stimmt alles, ganz besonders Essen und Trinken. Gott bewirtet im Überfluß. Ein Festmahl gibt es mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen. So beschreibt es der Prophet Jesaja in der Bibel um 700 vor Christus. Auch der Ort ist was besonderes: Oben auf einem Berg wird gefeiert. Berge gelten ja in vielen Religionen als Orte, wo man Gott begegnet. Und es passiert auch einiges bei dieser Party: Gott zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt. So schreibt es Jesaja. Und das heißt wohl: die Leute, die da feiern, können klar sehen, da ist kein Nebel, kein Dunst, keine Schleier. Man sieht sich gegenseitig, eben auch die verschiedenen Völker, man sieht wohl auch Gott; kurz: die Rätsel der Welt sind jetzt gelöst. Aber das ist noch nicht alles: Gott vernichtet den Tod für immer, heißt es, er wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Welch eine Aussicht: Kein Tod mehr, der drohend über unserm Leben hängt, der drohend auch über jedem Fest hängt: Wer weiß, ob wir noch mal so zusammenkommen? Wer weiß, wer beim nächsten Mal fehlt? Freude und Gemeinschaft sind nicht gefährdet, sind nicht vergänglich. Keiner wird mehr traurig sein. Und Gott nimmt auch die Schande weg auf der ganzen Erde, heißt es noch. Keiner muß sich mehr schämen, aus welchem Grund auch immer.
So faszinierend stellt sich vor bald 3000 Jahren der Prophet Jesaja das Ziel der Welt vor. Vor allem wichtig: da fehlt keiner, da fällt keiner raus. Und es gibt reichlich leibliche Genüsse. Geist und Verstand werden auch bedient, mit neuen Erkenntnissen und Entdeckungen. Wer bedrückt ist, wird rundum getröstet. Und vor allem: Gott ist da, in unserer Mitte.
Was für ein Text! Dichtung oder Wahrheit? frage ich mich. Wunsch oder mögliche Realität? So nüchtern ich diese Fragen stelle: mich beeindruckt die Kraft der Sehnsucht, die Kraft der Hoffnung. Natürlich ist es ein von Menschen geschriebener und durch und durch menschlicher Text. Aber kann nicht Gott in diesen menschlichen Worten zu uns sprechen?
Ich finde es gut, solche Texte aufmerksam zu hören. Sie haben ihre Wahrheit. Wir können uns daran trösten, und daran stärken – und warum sollte uns nicht jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen? https://www.kirche-im-swr.de/?m=4625