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SWR1 3vor8

Mit Vertrauen lebt man leichter und am Ende kommt man auch weiter. Das gilt vom Vertrauen auf andere Menschen und das gilt vom Vertrauen auf Gott. Daran erinnert der Bibelabschnitt, über den heute in den evangelischen Kirchen gepredigt wird. Da schreibt einer der Lehrer der ersten Christen: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“ (Hebr 10, 35)
Mir leuchtet das sofort ein: Wenn ich Menschen habe, denen ich vertrauen kann, dann kann ich um Rat fragen. Dann kann ich um Hilfe bitten. Dann kann ich darauf rechnen, dass sie mich im Zweifelsfall unterstützen und deshalb gelassener und zuversichtlicher leben. Und dasselbe gilt, wenn ich auf Gott vertrauen kann. Wenn ich glauben kann, er wird mich nicht im Stich lassen – dann wird das Leben leichter. Dann muss ich keine Angst haben, dass ich dem nicht gewachsen bin, was kommt.
Im Alltag ist es aber nicht so leicht mit dem Vertrauen. Wie leicht wird man enttäuscht, wo man etwas erwartet hatte. Und manchmal bin ich einfach zu ängstlich, um vertrauen zu können. Was, wenn die anderen mich dann doch hängen lassen? Oder eben nicht das tun, was ich von ihnen erwarte? Ich verlasse mich nur noch auf mich selber, sagen deshalb viele – ich manchmal auch. Aber das ist unglaublich anstrengend, wenn man sich für alles immer nur selbst verantwortlich fühlt. Wer sich nur auf sich selbst verlässt, der geht den Herausforderungen gern aus dem Weg. Das kenne ich von mir selber.
Deshalb ist es gut, Menschen zu haben, denen man vertrauen kann. Und vor allem: deshalb ist es gut, wenn man auf Gott vertrauen kann. Sicher, auch der wird mir nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Aber er hat versprochen, mir die Kraft zu geben, die ich brauche. Darauf möchte ich mich verlassen – damit ich gelassen angehen kann, was auf mich zukommt.
Wie aber kann ich solches Vertrauen entwickeln? Der biblische Briefschreiber gibt zwei Hinweise: Erstens, sagt er: Vertrauen kommt aus dem Rückblick auf gute Erfahrungen. Nach den positiven Erfahrungen ausdrücklich suchen, damit die anderen, die es auch gibt, in den Hintergrund treten können – das nährt das Vertrauen. Ganz bewusst zurück schauen und wahrnehmen: Ich hatte so große Sorgen – und nun ist es besser gegangen als erwartet – und so viele haben mir geholfen. So wächst Vertrauen. Und das andere: Geduld. Manchmal muss man abwarten können. Nicht gleich alles hinschmeißen. Nicht bei der ersten Enttäuschung sagen: jetzt vertraue ich niemandem mehr.
Man lebt leichter, wenn man Vertrauen hat. Lassen Sie sich von dem biblischen Briefschreiber raten: Werfen Sie es nicht weg! https://www.kirche-im-swr.de/?m=4422