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SWR1 3vor8

An Gott glauben macht nicht immer glücklich. Glaube kann den Menschen in Höhen und in Tiefen führen. Der Prophet Jeremia hat das sehr stark erfahren. Er wirkte im Volk Israel um 600 v. Chr., in einer politisch äußerst bewegten Zeit, und er muss in Gottes Auftrag vom Unheil sprechen, das seinem Volk droht. Dabei ist Jeremia selber von Natur aus weich, verwundbar, harmoniebedürftig. Ausgerechnet er muss Krieg ankündigen und von Gewalt sprechen. Das macht ihn einsam und schafft ihm sogar Feinde. Kein Wunder, dass Jeremia sich von Gott betrogen sieht. So hatte er sich das nicht vorgestellt, Prophet zu sein. Er erntet ja nur Spott und Hohn, wenn er im Namen Gottes spricht. Trotzdem kommt er nicht los von Gott und kann sogar zu ihm sagen: „Waren Worte von dir, so verschlang ich sie, dein Wort war mir Glück und Herzensfreude" (15,16). Da ist also die Freude an Gott; tiefe, glückliche Freude. Und denselben Menschen hören wir an anderer Stelle seine Geburt verfluchen. "Wäre doch schon der Schoß meiner Mutter mein Grab gewesen!" Jetzt hält Jeremia es nicht mehr aus. Er zweifelt daran, dass Gott treu ist, und vergleicht ihn mit einem Trugbach, einem der vielen Wadis in Palästina, die im Sommer vertrocknen und den durstigen Wanderer zum Narren halten. "Wie ein versiegender Bach bist du mir geworden", wirft er Gott vor, "wie ein unzuverlässiges Wasser" (15,18). Gott weist ihn zurecht, gleichzeitig verspricht ihm auch neu seine Treue: "Mögen sie (die Menschen) dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu retten"(15,20).
Jeremia und Gott: alles findet sich in dieser Beziehung, vom Glück bis zur Verzweiflung. Und noch etwas fällt mir auf: dem Propheten Jeremia macht der Glaube das Leben schwer. Er muss im Auftrag Gottes hinsehen, wo er lieber die Augen verschließen würde, und er muss sprechen, wo er lieber schweigen würde. Was er in seinem Volk erlebt und was er persönlich durchmacht, wird ihm zur bohrenden Frage nach Gott.
Das geht auch heute vielen Menschen so. An Gott glauben kann trösten, es kann auch manche Fragen verschärfen. Gott, wo bist Du? Warum ist das alles so? Da tut es gut, in der Bibel Menschen zu begegnen, denen es ähnlich geht. Und es tut gut, dass ich da Sätze lesen kann wie diesen: „Ich, Gott, bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu retten." https://www.kirche-im-swr.de/?m=4381