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SWR1 3vor8

Wenn ein Mensch, den Sie lieben, irgendwann eigene Wege geht – nach langer Ehe oder nach kurzer,
wunderbarer Zeit, oder die Kinder, wenn es für sie an der Zeit ist. Wie reagieren Sie dann? Wenn Sie merken:
es hat sich viel verändert, ich habe mir Mühe gegeben, aber ich kann den anderen nicht festhalten, was dann? Sagen Sie: dem werde ich es zeigen, der wird schon sehen, was er davon hat? Sagen Sie: mit dem bin ich fertig, der hat von mir nichts mehr zu erwarten, der soll sehen, wie er fertig wird?
Nach meiner Erfahrung macht man damit dann alles kaputt: für sich selbst und für die anderen auch. Es tut umso mehr weh, wenn man am Ende so lieblos miteinander umgeht, und von dem Guten, was vorher war, bleibt nichts mehr übrig. Aber manchmal ist die Wut zu groß oder die Enttäuschung. Dann kann man nicht anders, ich weiß. Schade eigentlich.
Gut, dass Gott anders ist. Stärker, großherziger als Menschen es sein können. „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“, schreibt der Apostel Paulus von ihm. In den evangelischen Gottesdiensten kommt das heute zur Sprache: Gott nimmt das nicht zurück, was doch gut war. Er steht zu den Menschen, die er geliebt hat. Er will, dass sie leben können. Das ist ihm wichtig. Seine Liebe hört nicht auf.
Paulus zeigt das am Beispiel der Juden, seiner Landsleute, die doch von Anfang an Gottes Volk waren. Die sind
den Weg Gottes nicht mitgegangen, die konnten und wollten nicht glauben, dass Gott sich in Jesus Christus
selbst gezeigt hat. Die haben sich abgewandt von Gott, sagt Paulus und ist traurig darüber.
Aber Gott, sagt er dann: Gott wendet sich nicht ab. Genauso wenig, wie er sich von anderen Menschen abwendet, die andere, eigene Wege gehen. Ich verstehe: Gott lässt die gehen, die ihren eigenen Weg finden wollen. Er sieht ihnen nach, traurig vielleicht und sorgenvoll. Aber er wendet sich nicht ab. Und wenn man ihn braucht – dann ist
er da. Unwiderruflich ist Gottes Gnade.
Eigentlich wäre es schön, wenn wir Menschen das auch könnten, finde ich: an der Liebe festhalten. Die gehen lassen, die ihre eigenen Wege probieren wollen. Ihnen nicht das Leben schwer machen mit Vorwürfen und Drohungen. Sie nicht unter Druck setzen: wenn du nicht bleibst, dann wirst du schon sehen, was passiert. Aber
da sein, wenn sie einen brauchen. Gott macht das so. Vielleicht kann er uns dabei helfen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4184