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SWR1 3vor8

Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: ..Am Morgen sollt ihr von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin. .. Und am Morgen ..da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. ..Mose aber sprach zu ihnen:.. Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht.

Guten Morgen, ich bin Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann aus Ettlingen. Wir Deutschen sind Europameister. Auf dem Fußballplatz zwar nicht, wir sind Europameister in Sachen Pessimismus, hat eine Umfrage in ganz Europa ergeben.
„Viele Deutsche sehen schwarz für die Zukunft“, heißt es da: „Das Leben wird in 20 Jahren schwerer sein als heutzutage“, meinen die meisten von uns. So pessimistisch wie wir ist sonst niemand in Europa.
Ein bisschen ähneln wir Deutschen damit den Juden, wie sie im Alten Testament beschrieben werden: Die schauen auch oft pessimistisch in die Zukunft, jammern und klagen. Und ich finde: Wie die Juden damals mit ihrem Pessimismus umgegangen sind daraus können wir deutschen Europameister heute lernen.
Sie waren Fremdarbeiter in Ägypten. Mose hat sie mit Gottes Hilfe befreit. Nun waren sie frei, aber immer noch nicht glücklich. Im Gegenteil: Freies Leben ist anstrengend, es ging lange durch die Wüste, die Vorräte wurden knapp, Zukunftsangst. Sie wollten zurück nach Ägypten. „Lieber was zu essen, als diese unsichere Freiheit“. Die Zukunft bringt bestimmt nichts Gutes, murrten die Juden; gegen Mose und gegen Gott. Was kann man davon lernen?
Das Erste: Dass die Menschen murren, wird in der Bibel nicht kritisiert. Murren ist nicht verkehrt. Wenn es Menschen in einem Volk schlecht geht, dann muss das ans Licht. Die Juden klagen Gott ihren Hunger. Und er hört es. Nur Diktatoren hören weg oder lassen Kritik nieder prügeln. Wenn wir Deutschen pessimistisch sind, weil es Missstände gibt, dann müssen die ans Licht. Das ist besser als wegzuschauen oder depressiv zu werden.
Zweiter Punkt: Man kann niemanden zum Optimismus überreden. Wir Deutschen sind nicht so optimistisch wie Amerikaner. Man kann pessimistisch in die Zukunft blicken. Aber dabei muss einem klar sein, auch Pessimisten können nur in die Zukunft leben. Rückwärts gewandt leben geht nicht.
Das Dritte: Wenn das Zukunftsvertrauen weniger wird, dann ist Gottvertrauen umso wichtiger. Die Geschichte der murrenden Juden aus der Bibel zeigt: Gott hält die Zukunft offen, da gibt es oft ungeahnte Möglichkeiten. Die entdeckt man erst, wenn man vertrauensvoll aufbricht. Gott verspricht nicht, dass das Leben immer leichter wird. Aber er verspricht, dass er mit geht und dass seine Erde genug gibt, wenn es gerecht auf ihr zugeht.
Und noch etwas: Auch wir Pessimisten sollten das Kämpfen nicht aufgeben. Keiner weiß doch, wie es in 20 Jahren wirklich ist. Vielleicht hängt das ja auch davon ab, ob und wie wir kämpfen, in welche Richtung. Welche Schritte wir uns trauen, ob wir gegeneinander kämpfen oder für- und miteinander. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4081