Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

12. Sonntag im Jahreskreis A

Diesen Satz glaub ich Jesus nicht: „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“ Das hat er aber gesagt. Im Matthäus Evangelium und es ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Aber ich will ihm diesen Satz einfach nicht abnehmen. Ich glaube nicht, dass er irgend jemanden verleugnet. Ich glaube das deshalb nicht, weil es in krassem Widerspruch steht zu dem, was Jesus sonst gesagt und getan hat. Menschen, die schuldig geworden waren, hat er vergeben. Wer im Glauben schwach geworden ist, den hat er nicht ermahnt, sondern Mut gemacht. Arme und Kranke hatten oft gar keine Kraft zu bekennen oder zu verleugnen. Sie kämpften ums Überleben. Ihnen hat Jesus geholfen, er hat sie geheilt, sie aufgerichtet und neue Lebensperspektiven gegeben. Jesus hat seinen jüdischen Zeitgenossen immer wieder heidnische Frauen und Männer als gläubige Vorbilder vor Augen gestellt. Und Heiden waren Nichtjuden, die einer anderen Religion angehörten. Auch die haben sich nicht zu Jesus bekannt, allerdings haben sie ihn auch nicht verleugnet. Seine Verwandten haben Jesus abgelehnt, sie hielten ihn für einen Spinner. Er hat viel Widerstand gespürt, sogar Feindschaft. Und der religiösen und politischen Elite war er schon lange ein Dorn im Auge. Ich kann mir vorstellen, dass das Jesus alles sehr enttäuscht hat. Das ist herauszuhören, wenn er sich fragt, ob er am Ende „auf der Erde (überhaupt) noch Glauben vorfinden wird.“ (Lukas 18,8) Hätte er da nicht rundum alle vor seinem Vater im Himmel verleugnen müssen – ausgenommen ein paar wenige Getreue? Doch selbst die verstanden ihn nicht mehr. Am Ende, das Kreuz vor Augen, hatten ihn außer einigen Frauen alle seine Begleiter verleugnet und verlassen. Aber Jesus macht seine Ankündigung dann doch nicht wahr. Er verleugnet seine Gefährten nicht. Er gibt ihnen, was sie in ihrer Situation brauchen: Güte und Mitgefühl. Und er gibt ihnen eine unglaubliche Chance. Er betraut sie mit wichtigen Aufgaben in der jungen Christengemeinde. Jesus korrigiert sich selbst. Er übt Nachsicht. Mehr noch: Er ist inkonsequent – aus Liebe! https://www.kirche-im-swr.de/?m=3936