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SWR1 3vor8

Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen, denn ich muss es tun. …
Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.


Der Glaube kann Berge versetzen, heißt es. Ich kann die Dinge gelassener angehen, weil ich mich auf Gottes Beistand verlassen kann. Und auf einmal bin ich über den Berg. Manchmal habe ich das schon erlebt. Sie vielleicht auch. Und ich kenne andere, die stehen vor so einem Berg: junge Leute, die an ihre Zukunft denken. Die Frau im Altenheim, die nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Können Sie und ich etwas tun, damit sie dieses Gottvertrauen finden, das über den Berg hinüber hilft?
Paulus antwortet in seinem Brief an die Korinther: Man sollte von dem reden, was man selber glaubt, das kann auch anderen helfen. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert.
Das scheint selbstverständlich, denn wie sonst sollen Menschen von diesem Glauben erfahren, wenn andere ihnen nicht erzählen, was ihnen Hoffnung gibt und Kraft für den Alltag? Vielleicht würde ich bis heute nicht wissen, wie man beten kann und wie einen das tröstet, wenn meine Mutter nicht mit mir gebetet hätte. Und wie viele Trauernde hat es schon getröstet, dass ein anderer sie in die Arme genommen hat und ihnen gesagt: „Ich glaube, dass auch die Toten in Gottes Hand geborgen sind.“ Gerade in schlimmen Situationen kann man ja oft selber nicht glauben und nicht vertrauen und sieht keinen Weg mehr. Dann ist es gut, wenn andere mir von ihrem Glauben erzählen und ich mich da wenigstens anlehnen kann.
Man sollte von dem reden, was man glaubt, damit andere Glauben finden können. Klingt gut. Ist aber nicht so einfach. Denn man redet leicht am anderen vorbei. So, dass er nicht verstehen kann, was man ihm sagen möchte.
Deshalb gibt Paulus noch einen Rat: Man muss darauf schauen, mit wem man redet, sagt er. Nur dann kann man die richtige Sprache finden. Die Sprache, die der andere verstehen kann, damit ihn auch erreicht und anspricht, was ich sage.. Jesus zum Beispiel hat mit Fischern am See Genezareth geredet und ihnen gezeigt, wie ihr Alltag aussehen kann, wenn sie auf Gott vertrauen. Er hat mit Bauern geredet und ihnen von Saat und Ernte erzählt und dass die Welt Gottes aus einem unscheinbaren Samenkorn wächst und am Ende doch ein großer Baum wird. Da haben sie ihn verstanden und gelernt, mit den kleinen Dingen anzufangen und geduldig zu warten, was daraus wird.
Und heute? Wie redet man mit den Kindern im Kindergarten oder mit den eigenen von dem, was man glaubt? Wie mit dem eigenen Mann, wie mit der kranken Nachbarin, wie auf dem Elternabend, was schreibe ich auf eine Geburtstagskarte? Ich glaube: wenn man überlegt, zu wem man redet, dann findet man auch die richtigen Worte. Und dann kann der Glaube seine Kraft entfalten und Berge versetzen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3779