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SWR1 3vor8

5. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A

„Wer mich sieht, sieht den Vater“ – ein Wort von Jesus. Es wird heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Wie meint Jesus das? Mit dem Vater meint er Gott. Ich kann aber Gott nicht sehen. Und Jesus kann ich auch nicht sehen. Aber ich kann in den Evangelien nachschauen, was Jesus gesagt und getan hat. Und da entdecke ich nur Gutes. Kinder, zum Beispiel, standen damals im Abseits, am Rande der Gesellschaft. – Jesus hat Kinder um sich versammelt. Er hat sie gesegnet. Und er hat die Erwachsenen daran erinnert, wie offen, wie aufgeschlossen Kinder sind, und dass sie von ihnen lernen können. Frauen hatten in der Männer-Gesellschaft von damals nichts zu melden. – Frauen haben Jesus begleitet und ihn als einen besonderen Mann erlebt: einfühlsam, liebevoll, zärtlich. Kranke galten als von Gott gestraft – für was auch immer. Sie waren ausgeschlossen aus der Gesellschaft. – Jesus hat Kranke geheilt und so ihr Leben verändert. Es hatte wieder Sinn und Zukunft. Arme waren selber schuld an ihrem Schicksal. So sah man das. – Jesus hat eine Vorliebe für Arme. An sie hat er immer wieder Brot ausgeteilt. Und die Seinen fordert er bis heute auf: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lukas 9,13) Jesus zeigt den Menschen Umrisse eines ganz anderen Lebens, eines Lebens, nach dem sie sich zutiefst sehnen. Und Jesus tut das im persönlichen und direkten Umgang mit ihnen. Er lebt vor und erzählt, dass Gott sie liebt, vorbehaltlos liebt. Wer schuldig wurde, dem hat Jesus verziehen. Wer am Boden war, dem hat er Mut gemacht, wieder aufrecht zu gehen. Wer abgeschrieben war, dem hat er seine Würde zurückgegeben. Wer gescheitert war, dem eröffnete Jesus neue Lebensperspektiven. Von Jesus geht seither eine unglaubliche Faszination aus. Und die hält ungebrochen an – bis heute. So sehe ich Jesus. Und wie ist zu verstehen, dass ich dann auch Gott sehe? Ich glaube: Jesus ist durchlässig auf Gott hin. Durch Jesus hindurch kann man Gott sehen. So sehr, als wenn Gott sagen wollte: Das, was ihr von Jesus hört, was ihr bei ihm seht – das bin ich selbst. Dass das so ist, davon ist Jesus zutiefst überzeugt. Und davon will er auch mich überzeugen: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ In Jesus leuchtet Gott selbst auf. Und so möchte ich Gott auch sehen – in mir drin, im Herzen, in der Seele. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3544