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SWR1 3vor8

Nach Ostern in Galiläa. Die Jünger Jesu fischen. Aber sie fangen nichts. Ein Mann am Ufer sagt: Versuchts nochmal. Und jetzt kommen sie mit vollen Netzen zurück. Der Mann am Ufer hat inzwischen Feuer gemacht. Und lädt sie zum Essen ein. Petrus spricht aus, was alle spüren: Es ist Jesus. Er lebt. Er ist bei uns.
Der Evangelist Johannes erzählt diese Geschichte. Eine Geschichte, um das Unbegreifliche auszudrücken. Jesus ist nicht tot geblieben – davon waren die Jünger Jesu mehr und mehr überzeugt, das war ihre Erfahrung schon bald nach seinem Tod. Wie genau sie diese Erfahrung gemacht haben, können wir nur ahnen. Offensichtlich hat die Gemeinschaft dabei eine Rolle gespielt, ihre tägliche Arbeit, der Kampf um den Lebensunterhalt und das Essen.
Wie entsteht bei uns Glaube, bei Ihnen, bei mir,? Doch auch in den verschiedenen Situationen des Lebens. „Da, als ich ganz verzweifelt war, da habe ich mich trotzdem getragen gefühlt.“ „Mein Leben war so schwer, ich weiß selbst nicht, wo ich immer wieder die Kraft hergenommen habe.“ Oder: „Ich habe soviel Schönes erlebt, ich bin einfach dankbar dafür.“ Und auch: da habe ich mich richtig von Gott verlassen gefühlt; ich hab gebetet, aber keine Antwort bekommen, und trotzdem ist es irgendwie weitergegangen.“ „Wir habens nicht immer leicht gehabt miteinander, aber mein Mann hält zu mir.“
Vielleicht sagen Sie jetzt: Ja, das hab ich auch schon so ähnlich erlebt und gesagt, aber das ist doch nichts Besonderes, nichts Religiöses, das ist ganz einfach das Leben.
Das Leben. Wo sonst sollte Gott sich zeigen? Die ganze Bibel ist voll von Geschichten vom Leben. Von Liebe, Haß, Treue, Verrat, Kriegen und Festen. Lauter Geschichten aus dem richtigen Leben. Und das ist kein Beiwerk. Es ist der Stoff, aus dem die Anwesenheit Gottes gemacht ist.
Die Erfahrung: „Jesus lebt“ ist auch aus diesem Stoff gemacht. Die Jünger erfahren in ihrem Leben: Er ist weiterhin bei uns. Er ist da als die Kraft, die uns leben lässt, z.B. durch Brote und Fische, und vor allem dadurch, dass wir Feste feiern, zusammen sind.
Solche Ostererfahrungen wünsche ich mir für Sie, für mich: hoffen können, ahnen können, vielleicht auch spüren können: Gott ist Lebenskraft für mich in jedem Augenblick.
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