Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

(zu Exodus 17.3-7)

Ich bin Peter Kottlorz von der katholischen Kirche, einen schönen guten Morgen!

„Mit der Sicherheit stirbt die Freiheit“. Dieser Spruch steht eingerahmt in schöne bunte Graffitis auf dem Tübinger Jugendhaus. Mit der Sicherheit stirbt die Freiheit. O ja, da haben sie recht die jungen Leute. Wenn ich mich immer absichere, alles vorrau bedenke, berechne, plane, dann beschränke ich mich auch. Da nehme ich mir die Freiheit, mich auf unvorhergesehenes einzulassen. Oder wenn alles stimmt in meinem Leben, scheinbar stimmt, oder auch tatsächlich, dann kann es sein, dass ich unfrei werde, durch Bequemlichkeit. Dann werde ich gebunden, unfrei durch die Stricke, die mich an meine Sicherheit binden.
Genau darum geht es in einem der Texte, die heute in der katholischen Kirche gelesen werden. Um das archaische Thema Freiheit und Sicherheit.
Das Volk Israel war geknechtet, Sklaven im Land Ägypten. Davon hatten sie sich befreit und zogen nun unter Führung von Moses ins gelobte Land. Exodus, der große Auszug. Dieser Auszug aus Ägypten führt sie auch durch die Wüste und dort gibt es Durststrecken im im wörtlichen und im übertragenen Sinn. So wie man die ganze Exodus-Geschichte auch wörtlich und im übertragenen Sinn lesen kann. Als historische Geschichte der politischen Befreiung eines Volkes mit Gottes Hilfe. Oder als Urbild des urmenschlichen Konflikts zwischen Freiheit und Sicherheit. Besonders deutlich wird dieser Konflikt als das Volk Israel in der Wüste unter großem Durst leidet. Moses, der Anführer mit gutem Draht zu Gott bekommt Druck, massiven Druck durch seine Leute weil sie Durst haben, ja er hat sogar Angst, dass sie ihn steinigen. Und Gott sagt zu Moses, er solle am Volk vorbei gehen, seinen Wanderstab nehmen und auf einen Felsen schlagen. Dort werde Wasser rauskommen und das Volk könne trinken. Und so geschieht es. Auch das kann ich wörtlich nehmen als Zufall oder als Wunder. Und auch wieder im übertragenen Sinn. Wenn ich mich aus meiner Sicherheit gelöst habe und mich ins neue, offene gewagt habe, dann kann es Durststrecken und auch schwere Konflikte geben. Und diese Konflikte kann ich lösen (wie Moses), wenn ich mein Gottvertrauen nicht verliere. Aber auch inmitten meiner Freiheit, die auch Wüste heißen kann, handle. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3058