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SWR1 3vor8

(Erster Fastensonntag im Lesejahr A)

„. . . und führe uns nicht in Versuchung“ – das steht im Vater unser. Ich glaube allerdings nicht, dass Gott uns in Versuchung führt. Versucht werden, das scheint zu unserem Menschsein zu gehören. Die Versuchung, eitel zu sein, faul und bequem zu werden. Die Versuchung, Macht über andere auszuüben. Aber auch die Angst, etwas zu verpassen. Nichts auslassen, was sich an Gelegenheiten bietet. Soll ich mich auf eine zweifelhafte Sache einlassen oder nicht? Auch Jesus war von Versuchungen nicht ausgenommen. Das steht im Matthäus Evangelium und wird heute, am 1. Fastensonntag, in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Und wie wird Jesus versucht? – Er könnte es sich einfach machen. Er könnte seine Bedürfnisse und die der Leute mit spektakulären Events stillen. Etwa so, dass er aus Steinen Brot zaubert. Müsste für ihn doch einfach sein, wenn er Gottes Sohn ist. Und das kann er gleich unter Beweis stellen – so die nächste Versuchung – wenn er sich, von Engeln getragen, vom Tempel in Jerusalem fallen lässt. Und schließlich könnte er nicht nur vom Reich Gottes predigen, sondern es gleich errichten, indem er sich alle Reiche der Welt unterwirft und zu Gottesstaaten macht. Verlockende Versuchungen für den Sohn Gottes - ohne große Anstrengung, ohne Widerstände und vor allem ohne Leiden. Und wie ging Jesus damit um? Er wollte Gott nicht herausfordern und hat allen Versuchungen widerstanden. Schön für ihn. Er hat es einfach, als Sohn Gottes den Versuchungen zu widerstehen. Aber was habe ich davon, ich anfälliger, schwacher Mensch? Die Bibel widerspricht dieser Ansicht mit Nachdruck: „Jesus ist in allem wie wir in Versuchung geführt worden“ heißt es – man beachte dieses „in allem!“ – Und es heißt weiter: „Aber er hat sich nicht von Gott getrennt und die Menschen nicht fallen lassen.“ (Hebräer 4,15) Diesem Jesus möchte ich vertrauen, mich ihm anvertrauen. Und ich bitte ihn, mir beizustehen in den Versuchungen, deren Folgen mir nicht gut tun. Denn er möchte mich aus dem befreien, was mich ängstigt und im Innern gefangen hält. Er möchte mich in Liebe bewahren in den Versuchungen, Zweifeln und Nöten, aber auch in den Freuden des Lebens. Und wie ich Jesus verstehe heißt das auch, dass ich bei Gott Halt finde und Vergebung, wenn Nacht mich umgibt, wenn ich abzustürzen drohe, wenn ich schuldig werde. Und ich hoffe, dass ich in den Versuchungen als Mensch bestehe und die, die mitbetroffen sind, auch. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3026