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SWR1 3vor8

So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Rö 9, 16)

Gerade Jugendliche können sich mit Schimpfworten ganz schön fertig machen. Vor ein paar Tagen habe ich was gehört, das scheint mir noch schlimmer als die übelsten Kraftausdrücke. „Du Looser!“ hat da einer hinter dem anderen hergebrüllt, „Du Opfer!“
Schlimmer kann es eigentlich nicht um mich stehen. Ich bin ein Verlierer. Einer, der immer auf der falschen Seite steht, der eigentlich keine Chance hat. Wenn andere das von mir sagen – wenn ich das von mir selber denken muss: dann kann eigentlich nichts aus mir werden. Dann hilft es auch nichts, wenn ich einen Schuldigen dafür suche: meine Eltern sind schuld, oder die Sterne bei meiner Geburt oder sonst was. Was hilft das. Ich bin ein Verlierer. Gewinner sind die anderen. Die mit den reichen Eltern. Die, bei denen die Sterne günstig standen. Die sind die Größten. Die haben es gut.
Paulus, der Apostel, setzt anscheinend noch eins drauf. „Was aus einem Menschen wird – das liegt nicht daran, wo und wie er geboren wurde und wer seine Eltern sind. „Es liegt auch nicht an jemandes Wollen oder an seiner Anstrengung, sondern an Gottes Erbarmen.“ Das klingt zynisch. Ist es Gottes Willkür, die den einen zum Sieger macht und den anderen zum Verlierer?
„Es liegt an Gottes Erbarmen.“ schreibt Paulus in seinem Brief an die Römer. Und ein Kapitel weiter: „Gott will sich aller erbarmen.“ Heißt das nicht: Gott will, dass alle leben können? Gott will nicht, dass irgendjemand ein Looser werden muss oder ein Opfer?
Es liegt an Gottes Erbarmen! Ich finde es gut, dass gerade heute in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert wird. In den letzten Wochen und Tagen wurde ja überall diskutiert, warum denn so viele junge Leute keine Chance haben in unserem Land. Warum so viele von vornherein auf der Seite der Verlierer geboren werden.
Da erinnert Paulus an Gottes Erbarmen für alle. Und mir fällt ein, dass Jesus gesagt hat: „Seid barmherzig, wie Gott, euer Vater, barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Vielleicht also müssten wir mehr dafür tun, dass niemand zum Opfer wird? Vielleicht müssten wir dem entgegen treten, was Menschen zu Loosern macht? Ich finde es gut, dass in unserem Land jetzt endlich darüber nachgedacht wird, was wir dafür tun können. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2956