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SWR1 3vor8

Im Anfang war die Arbeit. Das kann man denken, wenn man die Bibel aufschlägt. Der Erste, der dort arbeitet, ist Gott. Er schafft und ordnet. Trennt Licht und Dunkel, Land und Wasser, setzt Sonne, Mond und Sterne an den Himmel und lässt Pflanzen und Tiere entstehen. Und dann bildet er den Menschen und lässt den arbeiten. Er setzt ihn in den Garten von Eden, damit er diesen Garten bebaut und hütet. Der Mensch soll jetzt an dem weitermachen, was Gott angefangen hat: sich ins Zeug legen, damit aus der Schöpfung etwas wird. Die Arbeit ist anfangs nichts Schlimmes, nichts besonders Schweres, sondern Teamwork mit Gott. Theologisch gesprochen: der Mensch hat Teil am schöpferischen Handeln Gottes und kann darauf stolz sein.
Als dann die Menschen aus dem Paradies vertrieben werden, wird auch die Arbeit mühevoll. Plötzlich ist es heiß, der Ackerboden schwer, und Dornen und Disteln sind auch da. Nicht die Arbeit als solche wird schlimm, die bleibt etwas selbstverständliches, menschliches, aber die Begleitumstände werden härter. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen“ (Genesis 3,19), sagt Gott dem Adam. Das bedeutet nicht, dass Adam essen soll, bis er schwitzt, wie mal ein Schüler gesagt hat, sondern dass er nur mit Mühe zu seinem täglichen Brot kommt. Die Früchte wachsen nicht in den Mund.
Im Neuen Testament ist die Arbeit auch ein Thema. Denn einige unter den ersten Christen haben offenbar aufgehört zu arbeiten. Nur Gott ist jetzt noch wichtig und die Vorbereitung auf den Himmel, sagen sie. Und lassen die andern für sich arbeiten. In seinem 2. Brief an die Gemeinde von Saloniki knöpft sich der Apostel Paulus diese Leute vor. „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“, schreibt er( 2 Thess 3,10). Damit will er sicher nicht Menschen diskriminieren, die Arbeit suchen und keine finden. Sondern er hat offensichtlich die im Blick, die aus falscher Frömmigkeit die Hände in den Schoß legen und auf Kosten der andern leben. Dahinter steht der Gedanke: an Gott glauben, auf Gott warten heißt nicht, die Gegenwart vernachlässigen. Gerade wer an Gott glaubt, hat sich den Anforderungen des Lebens zu stellen. Das Jetzige ist schließlich nicht deshalb unwichtig, weil es einmal vergehen wird. Solange die Welt besteht, ist die Arbeit eine Weise mit Gott verbunden zu sein. Wenn auch sicher nicht die einzige.
Ich wünsche ihnen einen gesegneten Sonntag – ob Sie arbeiten oder frei haben. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2591