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SWR1 3vor8

Exodus 32,7-11.13-14 (1. Lesung)
24. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C)

„Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt.“ – Diese vernichtende Drohung äußert Gott gegenüber dem Propheten Mose. So steht es im 2. Buch Mose und wird heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Also gibt es ihn doch noch, den Gott, der straft und rächt. Und den manche fromme Leute in der kirchlichen Verkündigung so sehr vermissen? – So wird berichtet: Gott kündet seinem Volk Israel den Untergang an, den es wegen seines gottlosen Verhaltens selbst verschuldet hat. Was war geschehen? Die Leute waren vom Glauben abgefallen, hatten ein Kalb aus Metall gegossen und es als ihren neuen Gott ausgegeben. Es geht spannend weiter: Wortmächtig versucht Mose alles, damit Gott sich in seinem Zorn mäßigt. Und Mose hat Erfolg. Es heißt: „Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.“ * Das ist heftig. Was für ein Gott ist das? Zweideutig und unberechenbar, maßlos zornig, dann wieder nachsichtig. Und was für ein Mensch ist das, dieser Mose? Menschlich und großherzig. Man ist versucht zu sagen: Mose ist seinem Gott haushoch überlegen! Ich sehe die Sache noch etwas anders. Zumal die blumige und bilderreiche Sprache des Alten Testaments für uns nicht immer sofort zugänglich ist. Da tut jemand etwas Unrechtes. Meine gefühlsmäßig erste Reaktion ist: Der darf nicht ungeschoren davon kommen, der hat seine gerechte Strafe verdient. Ist mir derjenige aber ans Herz gewachsen – wie das Volk Israel dem Mose – dann werde ich schon nachsichtiger. Dann lass ich eher Gnade vor Recht ergehen. Dann ist das gar nicht so einfach mit dem Bestrafen. Ich nehme aus dieser Begegnung des Mose mit seinem Gott das mit: Gott besteht nicht auf dem, was wir für gerecht und für eine angemessene Strafe halten. Er lässt uns die Chance, einsichtig zu werden, anders zu denken und zu urteilen. Und wir sollten diese Chance auch anderen geben. Gott macht uns geradezu vor, wie wir doch noch die Kurve kriegen – hin zum Guten, zur Nachsicht, zur Versöhnung. Mose rechnet damit und täuscht sich nicht. Sein Gott ist kein strafender Gott, sondern ein Gott, der die Menschen liebt. Dieses typisch Göttliche steht für mich beim Propheten Hosea – auch hier plastisch und bildreich: „Mein Herz wendet sich gegen mich. Mein Mitleid lodert auf. Ich komme nicht in der Hitze des Zorns. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte.“ (11, 1-11) ** – Wer ein solches Herz hat, auch noch ein göttliches, der wird irgendwann inkonsequent – aus Liebe. * vgl. Genesis 18,16-33: hier ist Abraham der unerschrocken mit Gott rechtende Mittler. ** Dieses typisch Göttliche, wie es der Prophet Hosea sieht, ist für mich ein Vorgeschmack dafür, wie Jesus seinen Gott sieht: Gott ist eindeutig, bedingungslos und vorbehaltlos – Liebe! https://www.kirche-im-swr.de/?m=2165