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SWR1 3vor8

18. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C)

„Mit Buddha den Kapitalismus bremsen“ – so fand ich einen Artikel überschrieben. (Publik –Forum, Nr. 12 2007, S. 53) In ihm geht es um die Vorstellungen von Karl-Heinz Brodbeck, Prof. für Volkswirtschaftslehre und praktizierender Buddhist. Seine These: Nicht Sachzwänge seien der Motor der Wirtschaft, sondern nackte Geldgier. Und die hätte das weltumspannende System eines radikalen Kapitalismus geschaffen. Dieser sei Schuld daran dass 600 Millionen Menschen hungern und ein Drittel der Menschheit arbeitslos ist. Dem setzt er den Buddhismus entgegen. Auch in der Wirtschaft. Der Buddhismus sei eine sanfte Religion. Er lehre das Mitgefühl zu allen Lebewesen: zu den Mitmenschen wie zu den Tieren und Pflanzen, die den Menschen nähren und kleiden. Eine neue Solidarität sei angesagt, auch in der Wirtschaft, um die Welt ein bisschen leidfreier zu machen. Also: Mitgefühl statt Geldgier. Nein. Sie hören keine buddhistische Sendung, sondern eine christliche. Denn genau darum geht es auch in einem Abschnitt aus dem Lukas Evangelium, der heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird. Darin sagt Jesus: „Hütet euch vor jeder Art von Habgier: Denn der Sinn des Lebens besteht nicht in einem großen Vermögen, auch nicht darin, im Überfluss flott zu leben.“ Und Jesus erinnert an die Möglichkeit: „Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?“ Für Jesus ist – so verstehe ich ihn – die Gier nach Reichtum menschlich und geistlich gefährlich. Warum? – Die Gier nach Reichtum macht geizig: Wer mit Geld geizt, der geht gefühlskalt an den Armen vorbei. Wer mit Vertrauen geizt, der tötet allmählich Freundschaften und Beziehungen. Wer mit Verzeihen geizt, der geht erbarmungslos über die Gefühle seiner Mitmenschen. Die Gier nach Reichtum macht auch neidisch: Der andere hat etwas, was ich auch gerne hätte. Der andere kann etwas, was ich selber gerne können würde. Das tut weh. Und so wächst unaufhaltsam dieses „Das will ich auch!“ – dein Auto, dein Geld, deine Frau. Der Neid ist so grenzenlos, so uferlos und kommt an kein Ziel. Und das zerfrisst Leib und Seele. Was kann ich dagegen tun? Ich möchte kein Geizhals sein und die Armen im Blick behalten. Mich fragen: Wo kann ich helfen? Ich möchte meine Ansprüche zurückschrauben, bescheidener und einfacher werden. Buddhismus und Christentum. Zwei Religionen und eine ethische Einsicht, die dem entfesselten Kapitalismus zumindest geistig die Stirn bieten könnte. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1897