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SWR1 3vor8

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Meistens fängt es ganz harmlos an. Das vergessen werden, und wir können ja oft auch gar nichts dafür: Da kommt jemand auf mich zu, erkennt mich, will mich begrüßen mit Namen. Und ich seh es ihm an, mein Name fällt ihm einfach nicht ein. Er hat ihn vergessen. Und kann mich nicht richtig ansprechen.
Gesicht und der Name gehören bei uns Menschen untrennbar zusammen. Wenn man einander wirklich begegnen und sich persönlich ansprechen will, muss man beides parat haben. Vergessen werden fängt ganz harmlos und langsam an. Aber irgendwie ist es unaufhaltsam. Und das ist nicht schön. Vergesslich werden, macht Angst und vergessen werden, tut weh.
Ich finde es darum sehr schön und mutig, was der Prophet Jesaja von Gott sagt und glaubt. In den Evangelischen Gottesdiensten wird heute daran erinnert.

So spricht der HERR: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja sagt das zu seinen jüdischen Landsleuten: Gott vergisst euch nicht. Er kennt eure Gesichter und Namen. Sein Gedächtnis lässt nicht nach. In seinem Gedächtnis ist euer Name verewigt.
Ich finde es ganz passend, dass viele Eltern und Paten diesen Vers des Jesaja als Taufspruch für ihre Kinder aussuchen: „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein.“
Der Spruch sagt mir: Gott kennt mich und jeden Menschen, mit Gesicht und Namen. Wir sind einmalige unverwechselbare Personen. Und deshalb wichtig. Menschen behandeln andere oft genug wie Dutzendware oder wie eine Sache. Aus christlicher Überzeugung ist das unmöglich und verkehrt. Und wir sollten dagegen protestieren. Ein Mensch ist keine Massenware, kein namenloses Hervorbringsel der Evolution. Obwohl man sich als einer von 6 Milliarden manchmal so vorkommen könnte. Für Gott bin ich wichtig, und Sie auch. Es kommt auf jeden von uns an. Auch auf den Kleinsten und die Schwächste. Meine Identität hat ihre tiefe Wurzel in Gott, die kann mir niemand nehmen.
Weil in Gottes Gedächtnis haben unsere Namen ihren Platz, auf ewig. Wir sind ihm bekannt, von ihm anerkannt und unvergessen. Auch wenn Menschen meinen Namen vergessen und irgendwann auch mich. Das ist menschlich und nicht schön. Aber zum Glück gibt es ein größeres Gedächtnis, in das mein und ihr Name eingeschrieben sind - unauslöschlich. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1741