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SWR1 3vor8

Menschen bei Maischberger, Dienstag, vor 2 Wochen, Thema der ARD-Talkrunde „ Aufstand der Ungläubigen – Keine Macht für Gott!“
Eine Sendung die ziemlich missglückt ist, weil sie geradewegs am Thema vorbeiging und der Moderatorin völlig aus der Hand geglitten ist.
Mittendrin der Bischof meiner Diözese, Gebhard Fürst.
Als ich den Text gesehen hab, der heute in den Katholischen Kirchen gelesen wird kam mir sofort diese verunglückte Talkrunde in den Sinn.
„Ich sende Euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“, sagt Jesus im Lukas-Evangelium zu den 70 Jüngern, die er aussendet um seine Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Das heißt, Jesus macht seinen Jüngern glasklar, was sie auch zu erwarten haben, wenn sie sich bekennen, wenn sie ihre Umwelt mit etwas ganz anderem, ganz neuen konfrontieren. Da können sie ganz schön in die Bredouille kommen. So wie Bischof Fürst vor 2 Wochen. Ein feinsinniger, gebildeter und höflicher Mann, der sachlich diskutieren möchte, freundlich für seinen Glauben argumentieren möchte,
wird rüde unterbrochen, nicht zu Wort gelassen und niedergebrüllt.
Von einem ehemaligen Pastor, der jetzt den Vorzeige-Atheisten gibt und von einem selbsternannten Philosophen, dem die Arroganz schon ins Gesicht geschrieben steht. Diese beiden Hard-Core-Atheisten haben sich verbal geradezu auf den Bischof gestürzt und sich mit Worten lustvoll in ihn verbissen.
„Ich sende Euch wie Schafe unter die Wölfe.“ Was provoziert eigentlich so am christlichen Glauben? Warum kommt es oft zu dieser unglaublichen Emotionalität bei Glaubensdebatten? Weil die Kirchen immer wieder selbst unter ihren so hochgeschraubten Ansprüchen bleiben? Weil die Christen zu allen Zeiten auch immer Kinder ihrer Zeit gewesen sind und damit so menschlich und auch so brutal wie alle anderen? Oder vielleicht auch weil manche Christen so glücklich und zufrieden, so erlöst durch ihren Glauben wirken, dass sie Neid, ja Aggression erwecken bei denen die das nicht haben?
Bischof Fürst ging in der Debatte bei Maischberger stellenweise unter.
Die anderen, allen voran die beiden Glaubensbekämpfer haben sich dick in Szene gesetzt. Haben ihre Botschaft voll durchgepeitscht. Und nach Box- und Mediengesetzen „gewonnen“.
Und ich saß verstört vor dem Fernseher, weil ich mit dem Bischof gelitten habe und mich geärgert habe, dass er zu oft einfach nicht sagen konnte was ihm wichtig war. Weil er von Anfang bis Schluss sachlich und freundlich geblieben war gegenüber Menschen, denen ich am liebsten den Marsch geblasen hätte. Der Bischof aber hat Ruhe bewahrt und ist friedlich geblieben. Und hat damit vielleicht viel mehr vom christlichen Glauben vermittelt als wenn er sich (auch) durchgesetzt hätte.
Einen schönen Sonntag wünsch’ ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=1685