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SWR1 3vor8

Die Frau spricht zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.
Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, ….es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit….
Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt..
Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet...


Viele Menschen wissen gar nicht mehr, was an Pfingsten gefeiert wird. Ich finde das schade. Denn Pfingsten erinnert daran: Unmögliches kann möglich werden. Pfingsten erinnern, dass dort wo nur noch Stillstand ist zwischen Menschen oder Eiszeit herrscht oder noch Schlimmeres, dass da wieder etwas in Bewegung kommen kann. Wenn die Menschen nicht immer auf den alten Positionen beharren, sondern wenn auf einmal ein neuer Geist die verhärteten Fronten aufweicht und neues Leben möglich wird. Wenn Unmögliches möglich wird, da ist Pfingsten. In der Geschichte, an die heute in den evangelischen Kirchen erinnert wird, geschieht doppelt Unmögliches.
Das erste: Ein Mann redet mit einer Frau - auf Augenhöhe. Das war in biblischer Zeit unmöglich. „Was ist denn in den gefahren“, denken seine Jünger, als sie Jesus am Brunnen sitzen sehen. Er redet über Gott, woran man glauben kann und woran nicht - mit einer Frau. Und sie lernen womöglich beide dazu. ’Das gab es ja noch nie.’ Das ist Pfingsten, wenn auf einmal etwas möglich ist, was es noch nie gab. Jesus bringt einen neuen Geist ins Spiel zwischen Menschen und sie spüren: Unmöglich gibt es nicht.
Und das zweite Unmögliche, was diese Pfingstgeschichte erzählt: Die Frau und Jesus gehören zu zwei verschiedenen Stämmen und Konfessionen. Seit Jahrhunderten haben sie sich gegenseitig verachtet, manchmal sind sie übereinander hergefallen, wie bei uns früher Katholiken und Evangelische. Wie Sunniten und Schiiten heute. In Frieden leben und glauben war unmöglich. Und auf einmal redet Jesus, der Mann aus dem einen Stamm mit der Frau aus dem anderen. Und Jesus und die Frau spüren, es ist möglich. Und er sagt: Glaube mir, Frau, ….es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der wir den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit….Miteinander. Es weht ein neuer Geist, der die altbekannte Feindschaft wegtaut. Und auf einmal ist Aussicht auf eine bessere Zeit, auf Versöhnung und Frieden zwischen verfeindeten Menschen.
Deshalb ist Pfingsten lebenswichtig. Seit dem ersten Pfingsten weht Gottes Geist unter uns, glauben wir Christen. Wir sollten uns inspirieren lassen von Jesus. Gottes Geist macht Unmögliches möglich. Wir können uns trauen, Unmögliches zu leben, zumindest damit anzufangen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1388
Pfingsten? Da hat doch Jesus geheiratet! Diese Antwort gibt es öfter mal bei Umfragen. Der Heilige Geist, um den es heute tatsächlich geht, ist vielen nicht bekannt. Was soll man sich darunter auch vorstellen? Die Bibel hat Bilder dafür: Wind, Sturm, Atem, Feuer sind die wichtigsten. Er wird auch Beistand genannt. Also muß er kräftig sein, unscheinbar, hilfreich.

Die Erfahrung kennen Sie vielleicht auch: Sie sind gut vorbereitet für eine Arbeit, ein Gespräch oder auch für ein Fest, haben an alles gedacht – und trotzdem ist da immer etwas, das Sie nicht in der Hand haben, das von irgendwoher dazukommen muß. Damit der Funke überspringt, damit aus Teilen ein Ganzes wird, eine runde Sache; damit Leute sich verstehen; damit ich in einem Problem, bei einem Gespräch plötzlich einen Ausweg sehe, wie’s weitergehen kann. So etwas lässt sich vorbereiten, dafür kann ich eine Menge tun, aber ich habe es nie so ganz in der Hand. Da muß irgendetwas dazukommen, von außen, vielleicht auch von innen, das keiner der Beteiligten erzwingen kann.
Diese Erfahrung ist für mich eine Brücke zum Heiligen Geist, so wie die Bibel ihn vorstellt. Könnte es nicht sein, daß der Heilige Geist wie dieses gewisse Etwas ist?
Im Johannesevangelium steht: Der Geist ... wird euch in die ganze Wahrheit führen (16,13).Vielleicht passiert das ja gar nicht so feierlich und großartig, sondern indem der Geist genau jenen entscheidenden Funken springen lässt, mit dessen Hilfe ich plötzlich vieles verstehe. Die Bruchstücke fügen sich zusammen – jetzt sehe ich, was wirklich ist.
Und was ist die Wahrheit des Heiligen Geistes? Daß wir die Welt erst dann richtig sehen, wenn wir Gott in ihr sehen oder wenigstens ahnen. Manchmal vielleicht nur, daß der Geist uns merken lässt: Ohne Gott hängt die Welt in der Luft, und daß er uns Sehnsucht ins Herz streut. Sehnsucht ist ein Anfang für die Wahrheit unserer Welt und unseres Lebens. Ein erster, kräftig glühender Funke des Heiligen Geistes.
Ich wünsche mir, ich wünsche Ihnen, daß wir diesen Funken immer merken, wenn er kommt, und daß wir dann kräftig draufblasen, damit er ordentlich glüht.
In diesem Sinne: gesegnete Pfingsten. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1348