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SWR1 3vor8

Welch ein Bild für Gott: Mose ist in der Wüste, und plötzlich: Ein Dornbusch, der brennt und dabei nicht verbrennt. Und aus diesem Dornbusch redet Gott mit ihm. Das ist ein ungewohntes Gottes-Symbol. Nichts Liebliches, kein Bart, nicht Mann oder Frau, Vater, Mutter, sondern Feuer. Kraft, Lebendiges, das nicht aufhört, lebendig zu sein. Pure Energie. Und das ausgerechnet in einem Dornbusch, einem Gestrüpp. Welch ein Bild für Gott: brennen und nicht verbrennen. Feuer, das nicht niederbrennt, nicht ausgeht, sich nicht erschöpft. Und: Feuer, das nicht zerstört. Feuer ohne Asche.
Dazu paßt, was Mose und Gott reden im Buch Exodus, dem 2. Buch der Bibel: Ich bin der Gott deines Vaters, sagt Gott, und deines Großvaters und deines Urgroßvaters. Und dann fragt Mose Gott nach seinem Namen. Die Antwort: Ich bin da. Hebräisch: Jahwe. Immer wieder hat man diesen Namen übersetzt: Ich bin, der ich bin. Ich bin, der da sein wird. Ich bin da für euch. Alle Übersetzungen für Jahwe sind richtig. Es paßt zusammen, das Bild vom Busch, der brennt und nicht verbrennt, und der Name von dem, der immer da ist. Trotzdem fürchtet Mose sich auch. Er traut sich nicht, hinzusehen.
Man hat natürliche Erklärungen gesucht für den brennenden Dornbusch. Es gibt zum Beispiel in der Wüste einen Strauch, der über und über mit roten Blüten übersät ist. Wie wenn er brennen würde. Vielleicht ist dieses Naturphänomen den Menschen der Bibel zu einem Bild für Gott geworden. Was für religiöse Erfahrungen mögen da dahinter stehen? Was für Erfahrungen müssen Menschen machen, um zu einem solchen Bild von zu Gott kommen!

Christliche Theologen haben hier dann später ein Bild für das Verhältnis zwischen Mensch und Gott gesehen. Das göttliche Feuer hat sich verbunden mit dem dornigen Gestrüpp unserer menschlichen Natur – ohne uns Menschen zu zerstören. Göttliches Feuer in uns. Das belebt, das fasziniert, und das ängstigt auch. So kann es uns gehen mit dem Gedanken an Gott. So ist es den Menschen der Bibel auch gegangen. Mit diesem Gott haben sie gelebt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

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