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SWR1 3vor8

6. Sonntag im Jahreskreis C

„Selig, ihr Armen . . . „ – das sagt Jesus im Lukas Evangelium zu seinen Jüngern. Klingt irgendwie „armselig“, diese Verbindung von „arm“ und „selig“. Das ist ja wohl nicht erstrebenswert. „Selig, ihr Armen . . . „ – das klingt auch zynisch. In einer Welt, in der die Armen immer mehr und immer ärmer werden, die Reichen dagegen noch reicher. Auch in Deutschland, wo immer mehr Kinder unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Geld regiert doch seit jeher die Welt. Sollen also die Armen arm bleiben? Das kann es doch wohl nicht sein. Das kann Jesus doch nicht im Ernst gemeint haben. Armut ist kein Wert an sich. Niemand hat es erdient, in Armut zu leben. Nein, Jesus preist hier nicht die Armut selig, er preist die Armen selig. Und das ist ein großer Unterschied. Ich glaube, man muss sich einmal in die Situation der Menschen zur Zeit Jesu hineinversetzen. Viele waren arm und krank, sozial und gesellschaftlich verelendet. Religiös waren sie verunsichert und voller Angst. Dass sie etwas wert sein sollen, das hatten sie zuvor noch nicht gehört. „Selig, ihr Armen.. . . „ – wie Fanfarenstösse muss das in den Ohren und in den Herzen der Menschen geklungen haben. Und Jesus fügt dieser Seligpreisung noch etwas hinzu: „Euch gehört das Reich Gottes!“ Gewaltig, was Jesus da verspricht. Und das war keine Vertröstung auf ein besseres Jenseits. Wenn wir den Evangelien Glauben schenken, dann ist es gerade Jesus gewesen, der den Menschen in ihren inneren und äußeren Nöten konkret geholfen hat. Ihnen neue Hoffnung geschenkt hat, wenn sie bereits aufgegeben hatten. Jesus will mit seinem Wort ins Herz seiner Zuhörer treffen: „Ihr seid bei Gott nicht abgeschrieben!“ Die Nähe zu Gott, die er selbst erfährt, möchte er weiter geben. So fühle auch ich mich angesprochen: Jesus möchte, dass ich den „Mehrwert“ entdecke, den seine Botschaft enthält. Und die will mich nicht nur informieren, auch nicht belehren, sondern mich verwandeln, mich umtreiben. Jesus – so verstehe ich ihn – möchte mir den Reichtum erschließen, der in ihm und seiner Frohen Botschaft auf mich wartet. Er möchte - wie mit einem Pflug - mein enttäuschtes, manchmal auch hart gewordenes Herz aufbrechen, wieder weich machen, mich öffnen und innen drin froh machen. Mich dazu bewegen, Gott zu vertrauen. Und dadurch befähigen, dass ich auch anderen vertraue, ihnen gut will, ihnen Gutes tue und ein Herz für die Armen habe. https://www.kirche-im-swr.de/?m=719