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SWR1 3vor8

Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern:
Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?
Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6):
»Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.«
(Mt 9, 11-13)


Sind Sie auch so ein Mann, der es mit der Angst kriegt, wenn ihm das Herz weich wird? Letzte Woche ist mir das wieder deutlich geworden, wie wir Männer oft so ticken: Nach dem plötzlichen Tod von Werner Hackmann, dem Bundesligamanager, sind einige von seinen Kollegen gefragt worden, was sie empfinden. Einer hat gesagt: "Ich kann irgendwie gar nichts sagen, ich bin noch gar nicht ‚fertig’ damit." Merkwürdig, hab ich gedacht. Warum sagt er das? Erwartet er das von sich? Das wäre doch schlimm, wenn er so schnell mit dem Tod eines Freundes "fertig" wäre. Aber ich hatte das Gefühl, ihm wäre das lieber. Wenn er schon wieder klar wäre, kopfgesteuert. Und Abstand hätte. Dass sein Herz so weich ist und weh tut, das hat ihn sichtbar erschüttert. Aber sagen mochte er das nicht. Ich glaube, er denkt, für einen Mann wie ihn ist ein weiches Herz nicht gut. Ich glaube viele denken so: Mann hat das Leben besser im Griff, im Beruf vor allem, wenn der Kopf das Sagen hat und nicht das Herz, schon gar eins, das mit leidet.

Ich glaube, dem lieben Gott hat es gefallen, dass diesem Mann das Herz weich geworden ist. In der Geschichte, an die heute in den evangelischen Kirchen erinnert wird, sagt Jesus:
"Gott hat Wohlgefallen an Barmherzigkeit."
An Menschen, die barm-herzig sind. Die sich erweichen lassen vom Leid anderer. Die keine Angst davor haben, wenn ihnen das Herz weich wird. Und die sich dann auch kümmern.
Jesus hat das einer Gruppe von Männern gesagt, die ziemlich verhärtet waren. Sie haben ihn angegriffen, weil er sich mit Bedürftigen und Sündern an einen Tisch gesetzt hatte. Jesus nahm Anteil an deren Leben und wollte herausfinden, was für die gut ist. "Ich bin für die Sünder und die Schwachen da. Die brauchen mich. Gesunde brauchen keinen Arzt, aber die Kranken." Sagt er seinen Kritikern.
Jesus erinnert sie daran, dass Gott Barmherzigkeit gefällt und er fordert sie heraus: "Lernt Barmherzigkeit, wenn ihr sie unter eurer harten Schale vergraben habt." Der Mann Jesus sieht die Not von Menschen mit dem Herzen und dann setzt er sich ein, mit beherztem Verstand. Und ist sich sicher. Das gefällt Gott.
Im harten Berufsleben heute sieht es so aus als wäre ein Herz für die Sorgen und das Leid von anderen ein Erfolgshindernis. Ich glaube, Jesus würde sagen, ohne Herz geht es nicht. Man muss sich trauen. Und intelligent herzlich sein. Die Sorgen und Nöte von Menschen sehen und sie zB. in das Leitbild eines Unternehmens oder einer Institution einfügen. Barmherzigkeit ist menschlich, dann kann sie doch nicht unmännlich sein, oder? Wie erleben Sie das? https://www.kirche-im-swr.de/?m=680