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SWR1 3vor8

Wenn man gute Aussichten hat, dann lebt man leichter. Wer in der Nacht wach liegt und sich auf einen guten Tag freuen kann, dem macht die Dunkelheit nichts aus. Wenn ich weiß, dass ich gesund werden kann, dann arbeite ich mit Geduld für meine Genesung – auch wenn zuerst noch jede Bewegung weh tut.
Aber wer nicht gut schlafen kann, der weiß auch: Manchmal werden in der Nacht die Sorgen riesengroß und ich fühle mich ganz allein. Die Dunkelheit kann alle Aussichten zunichte machen. Dann braucht man jemanden, der einen erinnert: morgen früh ist die Nacht vorbei. Es wird wieder hell.
Jesaja war so einer, der Menschen Aussichten gemacht hat, die nur noch schwarz sehen konnten. Er war ein Prophet. Er redete im Auftrag Gottes. Mitten im Dunkeln machte er Licht. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten an seine Worte erinnert.
Auch zur Zeit Jesajas meinten die Leute, dass sie keine Aussichten hätten: Zwar hatte es einen Umbruch gegeben in ihrem Land. Aber nach kurzer Zeit war die Enttäuschung groß. Jahrelang nur zäher Wiederaufbau und harte Arbeit. Und immer wieder Schwierigkeiten und Rückschläge. Da wird man in schlaflosen Nächten und an trüben Tagen leicht von der Dunkelheit überwältigt. Deshalb erinnert Jesaja sein Land: „Mach dich auf – werde licht. Denn dein Licht kommt!“ Und dann redet er von Gott, der selbst kommen wird und neue Verhältnisse schaffen, damit es anders und besser wird und besser geht. Deshalb, sagt Jesaja, deshalb braucht ihr euch nicht aufzugeben. Ihr könnt aufstehen und weitermachen: Gott kommt. Das Licht kommt. Da hatten die Leute Aussichten und alles erschien ihnen in einem anderen Licht.
Gott macht den Menschen Aussichten, die im Dunkeln sitzen. Denken Sie an die Weisen aus dem Morgenland, die wir heute feiern. Die hatten den Stern, der ihnen gezeigt hat: da ist Gott. Die Welt kann anders werden. Oder die Hirten, von denen die Weihnachtsgeschichte erzählt. Die hörten die Engel singen und sahen das Kind in der Krippe und begriffen: Gott lässt uns nicht allein.
Ich denke an die Freundin, die sehr krank ist und sagt: Ich sehe meine Familie, die zu mir hält wie nie vorher – ich spüre, wie lieb sie mich haben. Gott meint es gut mit mir. Er wird mich nicht im Stich lassen. Das ist mein Licht, auf das ich mich verlasse. Es kommt immer wieder. So kann ich auch die schlaflosen Nächte aushalten. https://www.kirche-im-swr.de/?m=473
„Heile, heile Segen, drei Tage Regen, drei Tage Schnee und bald tut’s nicht mehr weh“ – so der bekannte Reim für Kinder, die sich das Knie verletzt oder den Kopf angehauen haben. „Heile, heile Segen“ ...Segen, der kann nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen gut tun. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir wieder bewusst, wie wichtig eine meiner Diensthandlungen als Pfarrer ist: segnen. Am Schluss des Gottesdienstes, wenn ich ein Kind taufe, ein junges Paar traue, jemand beerdige, dann segne ich die Anwesenden. Segnen kommt vom lateinischen „signare“ – bezeichnen, versiegeln: Ich mache mit der Hand das Kreuz-Zeichen und segne die Gemeinde. Dem sehr nahe kommt ein anderes lateinisches Wort: „benedicere“ – Gutes sagen, ein freundliches Wort finden. Zum Segnen gehört beides: das Kreuz-Zeichen und das gute Wort. Dem andern von Gott her Gutes zusprechen, ihm Gutes wünschen. Und ich frage mich: Warum segnet nur der Pfarrer, und dies fast nur bei offiziellen, dienstlichen Handlungen? Warum wünschen wir Gottes Segen nur bei feierlichen Anlässen? – Es ist selten geworden, dass die Mutter ihre Kinder mit einem Kreuz-Zeichen auf die Stirn segnet, wenn sie das Haus verlassen und bevor sie einschlafen. Ich weiß nicht, ob es in ländlichen Gegenden noch Brauch ist, dass der Vater oder die Mutter das Brot segnet, bevor es aufgeschnitten wird. Wenn jemandem Gutes geschieht, sagte man früher vielerorts „Vergelt’s Gott“ und bekam zur Antwort „Segne’s Gott“, Gott möge es segnen. Könnte nicht auch so manche Beziehung weniger kompliziert sein, wenn Probleme nicht bis zur Erschöpfung behandelt würden? Wenn – ab einem bestimmten Punkt – jeder mal in sich gehen würde? Wenn man um Gottes Segen, um seine Hilfe bitten würde? Wenn die Last vor ihn und nicht nur auf des andern oder die eigene Schulter gelegt würde? So manches im Zwischenmenschlichen, in Gesellschaft und Kirche könnte sich neu und positiv bewegen, wenn wir es fertig brächten, Gott ins Spiel zu bringen. Auch und gerade in Situationen, die schwierig sind. Auch und gerade bei Leuten, mit denen man es nicht so leicht hat. Wenn wir von ihm her einander Gutes wünschen und ihn auch darum bitten könnten: „Gott, ich bitte dich um deinen Segen für die, die mich nicht mögen. Ich bitte dich auch um deinen Segen für die, die ich nicht mag.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Jahresschluss und ein gesegnetes 2007 https://www.kirche-im-swr.de/?m=466