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SWR1 3vor8

„Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.“ (Hiob 14,1)
Wie findet man Trost, wenn es einen schlimm getroffen hat? Die Bibel erzählt, wie schwer das ist. Sie erzählt von Hiob, dem alles genommen wurde: Seine Kinder sind umgekommen, Hab und Gut hat er verloren, und dann kommt auch noch eine schwere Krankheit. Wie soll so ein Mensch Trost finden? Freunde kommen und versuchen es. Da kann er wenigstens sagen, wie ihm ums Herz ist. Immerhin, das ist schon viel. Es gibt auch Freunde, die gehen dem Leid aus dem Weg, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen.
Hiobs Leid sitzt tief. Er lässt sich von den frommen Sprüchen seiner Freunde nicht trösten. Sie suchen Erklärungen, aber Hiob beharrt darauf: Das kann man nicht erklären. Das ist einfach ungerecht und gnadenlos. Und wenn es einen Gott gibt, der einem das zumutet, dann ist er ein grausamer, unbarmherziger Götze. Es gibt nichts, woran man sich halten kann, es gibt keinen Sinn, sagt Hiob. „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht.“ So ein Leben ist eigentlich eine Zumutung, findet Hiob. Man kann nur hoffen, dass es bald zu Ende ist. So steht das in der Bibel, 30 Seiten lang, 40 endlose Kapitel – ich habe extra nachgezählt. Sie will einfach nicht aufhören, die Verzweiflung dieses armen Mannes. Er findet keinen Trost.
Und dann am Ende, eigentlich ganz unerwartet, geht es für ihn doch weiter, das Leben. Hiob findet zwar keine Antwort – aber er hält an Gott fest und er findet ins Leben zurück. Auch wenn ich keine Antwort finde, ich weiß, dass Gott mich nicht allein lässt, sagt er. Und er kann schließlich, zusammen mit seiner Frau, noch einmal beginnen.
Ich habe lange nicht begriffen, wieso eigentlich und was ihn denn eigentlich getröstet hat. Dann habe ich, vor kurzem erst, den Bericht eines Mannes gelesen, der auch trostlose Zeiten hinter sich hat. Der schreibt: „Der Trost der Freunde war ihre Anwesenheit, keine klugen Worte und kein Versuch, mich aus meinem Abgrund zu retten. Sie waren… da…mit ihrer Arbeit, von der sie erzählten, mit ihren eigenen Sorgen und mit ihrem Glück“ So haben sie „mir gezeigt, dass es noch etwas anderes gibt als mein eigenes Unglück. Sie haben mich langsam in die Welt zurückgeführt, in die ich eigentlich nicht mehr wollte.“ (Fulbert Steffensky, Chrismon 11/2006; S. 74)
So ähnlich habe ich das auch schon erlebt. Und mir scheint jetzt: Wenn Menschen, die es schwer haben wie Hiob nicht allein bleiben mit ihrem Kummer, dann können sie Gottes Nähe spüren. Und das tröstet. https://www.kirche-im-swr.de/?m=60