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SWR1 3vor8

„Welches ist das schönste deutsche Wort?“ Das hat vor nicht allzu langer Zeit eine große Tageszeitung gefragt. Und welches Wort stand nach rund 20.000 Vorschlägen auf Platz 1? Natürlich: Die Liebe! Die Liebe - dieses kleine große Wort...
In den Texten, die heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen werden steht sie auch im Mittelpunkt, die Liebe. Da wird Jesus mal wieder von einem der Fachleute für Religion getestet und gefragt, welches für ihn das größte Gebot sei. Er antwortet: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden“.
Mit dieser Antwort hat Jesus eine Kurz-Zusammenfassung des christlichen Glaubens gegeben, das Herz dieser Religion beschrieben. Ein Herz mit zwei Kammern, die untrennbar miteinander verbunden sind. Die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen.
Aber, kann man lieben sollen? Kann man aufgefordert werden zur Liebe?
Und ist es nicht zuviel verlangt, mich mit Haut und Haaren auf Gott einzulassen, ihn, den Unbeschreiblichen zu lieben? Und obendrauf auch noch die Anderen zu lieben wie mich selbst? Ist dieses doppelte Liebesgebot Jesu nicht eine Überforderung des Menschen?
Ich denke nicht. Denn es geht um das Wichtigste und Schönste, das es gibt im Leben. Und das ist eigentlich leicht, wenn ich fähig und bereit dazu bin. Und es ist – wie alles Gute – nicht zu erzwingen. Nur zu fördern, nicht zu fordern. Es geht um eine Haltung, eine Erfahrung, ein Gefühl, das gelebt werden will, das helfen soll, dass das Leben gelingt.
Mein eigenes Leben ,wenn ich es als Geschenk betrachte und dem, der es mir geschenkt hat dafür zutiefst dankbar bin. Und wenn ich das, was ich zum Leben habe, nicht nur für mich selbst behalte, sondern auch anderen Menschen ermögliche genauso gut und genauso gern zu leben.
Nichts anderes meint das „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“. Und wenn dieses Selbst Liebe erfahren hat, dann ist es auch fähig, selbst zu lieben. Dann wird dieses kleine große Wort zu einer Wirklichkeit. Einer Wirklichkeit die so schön, so groß und so ansteckend ist, dass ein Wort, selbst ein so großes wie Liebe, viel zu klein dafür ist. https://www.kirche-im-swr.de/?m=205