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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In dieser Woche herrscht Hochbetrieb auf den Friedhöfen und überall, selbst bei den Discountern, werden Grabgestecke und Grablichter angeboten. Es ist die letzte, düstere Woche vor der Adventszeit. Die Woche zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag.
Ausgerechnet in dieser Woche läuft in der ARD auf allen Kanälen eine Themenreihe unter dem Motto „zum Glück“. Was bedeutet denn „Glück“? Wie passen Leiden und Sterben auf der einen und unsere Sehnsucht nach Glück auf der anderen Seite zusammen?
Vor etwa eineinviertel Jahr haben wir unseren Sohn im Alter von 28 Jahren verloren. Obwohl er eigentlich kein religiöser Mensch war, hat er sich von uns mit den Worten verabschiedet: „ Auf Wiedersehen im Paradies!“ Der Satz bezog sich auf die Worte, die Jesus am Kreuz zu einem der Männer sagte, die mit ihm hingerichtet wurden: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein (Lukas 23,43). Gibt es das wirklich? Ist so etwas mehr als ein frommer aber illusorischer Wunsch?
Man kann sicher darüber streiten, wie es im Paradies aussieht und wer, wann und wie dorthin gelangt. Ich bin davon überzeugt, dass all unsere Vorstellungen darüber sehr menschlich sind. Allzu leicht verlängern wir unsere Erfahrungen hier auf der Erde und vor allem unsere Wünsche und Sehnsüchte in eine unendliche Zukunft hinein.
Ich denke, wir wissen es nicht, und wir sollen es nicht wissen. Noch nicht. Es wird jedenfalls vollkommen anders sein, weil es sich nach Aussagen der Bibel nicht mehr um eine materielle Welt, wie wir sie kennen, handelt.
Auf der anderen Seite reden Jesus und die Autoren der biblischen Schriften immer wieder und ganz selbstverständlich davon, dass es eine Zukunft jenseits des Sterbens gibt. Wie gesagt, wir haben keine näheren Informationen darüber wie es im Paradies aussieht. Aber Jesus sagt, worauf es dabei ankommt: „Heute noch wirst du mit mir dort sein“. Mit mir, mit Jesus zusammen. Das ist die Pointe. Das macht das Paradies so attraktiv. Mit Jesus zusammen die Ewigkeit verbringen und für immer bei Gott sein.
Man mag das belächeln und abtun. Ich jedenfalls glaube daran und freue mich darauf, auch wenn ich noch sehr am Leben hänge und es genieße. Ich habe kein Problem damit, zu glauben dass hinter unserer Welt ein machtvoller Schöpfer und liebender Vater steht. Und deshalb kann ich mir auch gut vorstellen, dass der allmächtige Schöpfer über weitere Möglichkeiten verfügt, um uns eine Zukunft im Jenseits zu ermöglichen. Wenn er das will? Warum nicht? Der Tod ist nicht das Letzte!
Zum Glück gibt es diese Hoffnung. Hoffnung auf eine Ewigkeit bei Gott.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In der Regel ist es düster und nasskalt in dieser Woche zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Für viele Menschen sind es zudem Tage, in denen sie noch einmal ganz neu mit ihrer Trauer konfrontiert werden.
Ausgerechnet in dieser Woche veranstaltet die ARD eine Themenreihe unter dem Motto „zum Glück“. Wie passt das zusammen? Kann es Glück geben  – mitten in der Trauer? Das haben sich meine Frau und ich auch gefragt, als wir vor eineinviertel Jahr unseren Sohn im Alter von 28 Jahren verloren haben.
Die Trauer ist unberechenbar. Manchmal bin ich am Grab, und meine Gedanken beschäftigen sich nur mit dem Zustand der Blumen. Ein andermal stehe ich unter der Dusche, und plötzlich durchzuckt mich eine Erinnerung und trifft mich so hart, dass ich zu heulen anfange.
Ich merke, dass die Menschen um mich her unsicher sind, wie sie mir begegnen sollen. Ich weiß noch, wie sehr es mich verletzt hat, dass jemand mich mit banalen Urlaubserlebnissen zugetextet hat, während ich vor Trauer nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Aber ich erinnere mich genauso, wie unpassend es war, als jemand sich mitten im Trubel einer fröhlichen Gesellschaft, als ich gerade mal eine unbeschwerte Phase erlebte, mit Grabesstimme nach dem Tod unseres Jungen erkundigte. Es ist ein merkwürdiger Zwiespalt. Einerseits möchte man niemanden hören und sehen, und andererseits braucht man doch gerade jetzt so dringend Menschen in seiner Nähe.
Mir ist klar geworden, ich selbst muss das Gespräch steuern. Das eine Mal sage ich vielleicht: Du, mir ist gerade nicht danach, darüber zu sprechen. Ein anderes Mal nehme ich den Ball gerne auf und erzähle ausführlich von dem, was mich beschäftigt. Vielleicht mehr als mein Gegenüber hören will. Aber es ist und bleibt wichtig, dass der andere bereit ist, sich auf meine Trauer einzulassen. Je größer der Verlust empfunden wird, desto stärker ist auch das Bedürfnis, darüber zu reden. Für einen trauernden Witwer gibt es kein wichtigeres und – auch wenn das Wort vielleicht makaber klingt – kein schöneres Thema, als über seine verstorbene Frau zu sprechen. Und dafür braucht er Menschen, die jetzt da sind und ihm zuhören.
In der Bibel fand ich beim Apostel Paulus den folgenden, hilfreichen Satz (Römer 12,15): „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Das ganze Spektrum der Gefühle ist also gefragt. Wer das erlebt, wird im Rückblick über diese schwierige Zeit sagen:
Zum Glück, habe ich Freunde, die da waren, als ich sich brauchte.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Meine Frau und ich werden in dieser Woche – wie viele andere auch – auf den Friedhof gehen. Bei uns ist es inzwischen eineinviertel Jahr her, seit wir unseren 28-jährigen Sohn beerdigt haben. Immer wieder brechen die Fragen neu auf: Warum Gott, warum? Gewiss, manchmal ist die Zeit für den Tod einfach da, und vielleicht ist das Sterben sogar die lang ersehnte Erlösung vom Leiden. Aber nicht bei einem 28-jährigen, der das Leben noch vor sich hat. Immer dann, wenn der Tod viel zu früh kommt, wenn er nach unserer Ansicht die falschen getroffen hat, dann stellt sich die Frage nach dem Warum und nach Gottes Rolle bei dem Ganzen.
Ich will es erst gar nicht versuchen, in wenigen Minuten eine Antwort darauf zu geben. Mir scheint nämlich, dass das Problem an einer ganz anderen Stelle liegt. Wer leidet, will das Leid nicht erklärt bekommen und verstehen, sondern er möchte, dass es verschwindet. Wer leidet braucht das Wissen, dass er nicht nur das ohnmächtige Opfer eines sinnlosen Terrors ist. Er braucht die Erfahrung, dass Gott trotz allem Unbegreiflichen da ist und ihn nicht vergessen hat.
Als ich hörte, dass in dieser Woche in der ARD die Themenreihe: „Zum Glück“ läuft, fand ich das zunächst sehr unpassend. Schließlich liegt die Woche zwischen dem Volkstrauertag und dem Ewigkeitssonntag. Das ist ja doch eine Zeit, in der viele Menschen an den Tod erinnert werden. Aber dann dachte ich: Es ist durchaus gut, dass uns die Themen Glück und Tod gleichzeitig begegnen. Es verhindert jedenfalls eine oberflächliche Vorstellung vom Glück im Sinne von Spaß und Party. Wer glücklich sein will, muss auch mit dem Tod umgehen können und darf ihn nicht einfach ausklammern.
Einer, der mitten im Unglück an Gott festgehalten und das Leid dadurch letztlich überwunden hat, ist Hiob. In der Bibel wird berichtet, dass er auf die sprichwörtlich gewordenen Hiobsbotschaften antwortete: „Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollten wir nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen (Hiob 2,10)?“
Eine befriedigende Erklärung für den Verstand ist das nicht. Aber es zeigt einen Weg, wie man mit dem Leid umgehen kann. Meiner Frau und mir hat es sehr geholfen, dass Gott für uns kein Unbekannter war, als wir mit dem Tod unseres Sohnes konfrontiert wurden. Dadurch kamen wir zu keinem Zeitpunkt auf die Idee, uns verbittert von ihm abzuwenden. Wir hatten schon so vieles mit ihm erlebt – in Höhen und Tiefen. Wir wussten und spürten, dass wir Gott auch jetzt, mitten im unbegreiflichen Leid, nicht egal waren.
Zum Glück gibt’s Gott. Zum Glück gibt’s Gott auch dann, wenn wir ihn nicht verstehen und vielleicht sogar genug von ihm haben.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." Dieses chinesische Sprichwort hängt an der Pinwand neben meinem Schreibtisch, weil ich es beherzigen möchte. Kennen Sie solche Situationen des Wandels? Für mich ist dieses Jahr so eine Zeit. Demnächst wird sich meine Arbeit stark verändern. Zwei junge Kollegen, darunter ein Berufsanfänger, kommen neu in unser Team. Zwei von vier - da wird sich für uns alle einiges ändern. Ich selbst werde mit Abstand der Älteste sein. Natürlich habe ich durch meine Erfahrung und die Jahre vor Ort einen gewissen Vorsprung. Aber mir ist wichtig, nicht die graue Eminenz zu sein, sondern wirklich einer von uns Vieren. Ich glaube nämlich, die Jungen können nicht nur von mir lernen, sondern auch umgekehrt, ich von ihnen.
In den 35 Jahren seit meinem Studium hat sich in allen Lebensbereichen unglaublich viel verändert. Ich habe meine Examensarbeit noch mit Durchschlägen auf der Schreibmaschine geschrieben und die Tippfehler hinterher mühsam von Hand korrigiert. Aber die Veränderung geht ja viel tiefer. Das Lebensgefühl der Menschen hat sich in vielen Bereichen grundlegend verändert. Meine jungen Kollegen sind da natürlich viel näher am Puls der Zeit. Ich finde es klasse, wenn sie das, was ich aufgebaut habe, verändern, weiterentwickeln und somit lebensfähig erhalten. Da will ich mich persönlich nicht zu wichtig nehmen, sondern mir immer wieder bewusst machen, dass wir eine gemeinsame Aufgabe haben.
Ob das gelingt? - Alte und Junge als gleichberechtigte Partner an der Arbeit? Ich freue mich jedenfalls, wenn meine jungen Kollegen mich an ihren Abenteuern und Ideen teilhaben lassen. Ich werde sie dabei unterstützen, wo immer ich kann. Und ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass unser Miteinander gelingt. Vielleicht hilft mir dabei auch ein weiterer Text von meiner Pinwand. Es ist ein Gebet aus dem Mittelalter, aber es ist so aktuell, als wäre es in unseren Tagen geschrieben worden. Teresa von Avila (1515-1582) hat es mit Blick auf das Älterwerden verfasst. Darin heißt es unter anderem:
O Herr, bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Seit einigen Jahren coache ich junge Kollegen und Mitarbeiter. Ohne Honorar und zusätzlich zu dem, was ich sonst zu tun habe. Es ist eine richtig gute Erfahrung, wenn ich sehe, wie sie sich positiv weiterentwickeln. Nicht nur in ihrer Arbeit, sondern - wichtiger noch - in ihrer Persönlichkeit. Ich kann das richtig mitfeiern, wenn sie Erfolg haben und es ihnen gut geht. Was ich ihnen mitgeben kann ist vor allem, wie sie mit Spannungen und Konflikten umgehen können. Mir macht es Freude, wenn ich anderen an dieser Stelle helfen kann.
Dieser Gedanke ist mir vor 10 Jahren wichtig geworden. Ich hatte damals in einem Vortrag gehört, dass man mit 50 die Ausrichtung und Zielsetzung seines Lebens ändern solle, um weiterhin produktiv zu sein. In diesem Alter solle man zum Förderer der nächsten Generation werden, anstatt möglichst viel selbst zu machen. Ich war damals gerade 50 geworden, deshalb hatte mich das Thema angesprochen. Ich kannte ja genug Beispiele von alt gewordenen Menschen, die unbedingt noch mal zeigen wollen, wie gut sie noch drauf sind und dass sie es mit den Jungen immer noch aufnehmen können. Mich hat es immer schon eher abgestoßen und peinlich berührt, wenn alt gewordene Menschen einfach nicht loslassen können. In der Politik genau so wie im privaten Umfeld. Und ich bin überzeugt, dass man früh anfangen muss, neu zu definieren, wer man im Alter eigentlich sein will. Fünfzig Jahre ist aus meiner Sicht tatsächlich ein gutes Alter dafür. - Nun höre ich manchmal: „Die Jungen wollen ja überhaupt keinen Rat. Die wissen ja eh alles besser und wollen mit uns Älteren gar nichts zu tun haben." Es stimmt sicher, dass man solche Erfahrungen machen kann, und man will sich ja auch nicht anbiedern. Ich kann es nicht einfordern, vielleicht nicht einmal erwarten, dass man meinen Rat sucht und mich um Hilfe bittet. Aber ich kann ein Angebot machen. Und das hat vor allem mit meinem eigenen Wesen, meiner Persönlichkeit zu tun. Mein Gegenüber wird spüren, ob es mir um mich und meine eigene Profilierung geht, oder ob ich wirklich etwas Gutes für ihn will. Im Grunde ist das nichts anderes als das, was die Bibel unter Nächstenliebe versteht: Ich will nicht auf Kosten, sondern zugunsten des anderen leben. Oder wie der Apostel Paulus es einmal formuliert: „Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern auch an den der anderen (Phil 2,4)". Für mich steckt in diesem Gedanken ein Geheimnis. Ich werde nämlich nicht arm, und ich selbst komme nicht zu kurz, wenn ich andere fördere. Mir gibt es eine Menge zurück, wenn ich erlebe, dass meine Hilfe, meine Freundlichkeit, mein Engagement für einen anderen Menschen Früchte tragen. Es hat sich gelohnt, mich zu investieren. Was will ich mehr?

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Letzte Woche bin ich sechzig geworden. Deshalb beschäftigen mich zurzeit ein paar Fragen, die mit dem Älterwerden zusammenhängen. Noch fünf Jahre, und die Zeit des Berufslebens ist zu Ende. So richtig kann ich es mir noch nicht vorstellen, wie es sein wird. Aber ich weiß sehr genau, was ich nicht will. Ich möchte auf keinen Fall so ein grantiger Rentner werden, wie ich ihn manchmal erlebe: Überall gibt es etwas zu kritisieren. Ständig sieht man das Negative. „Die Jugend von heute - früher war alles besser - wir in unserer Zeit, wir haben noch..." Es mag ja stimmen, dass sich manches verschlechtert hat. Aber das ist doch nur ein Teil der Wahrheit. Besonders schlimm finde ich es, wenn wir die eigene innere Unzufriedenheit auf unsere Umwelt übertragen. Dann schlurfen wir nur noch nörgelnd durchs Leben und schimpfen auf die Politiker, die Rente, die Ausländer, die Jugend, das Wetter, auf alles. Nein, ich will die Augen nicht einfach verschließen, und mir die Welt rosarot malen. Aber ich will mir den Blick für das Positive nicht verstellen lassen. - Ich habe gerade letzte Woche erlebt, wie engagiert junge Leute sich einbringen. Mit unglaublichem Aufwand haben sie in unserem Gemeindezentrum eine sogenannte Wohnwoche organisiert. Dabei übernachten sie in den verschiedenen Räumen, frühstücken gemeinsam und gehen tagsüber zur Schule oder zur Arbeit. Nachmittags treffen sie sich wieder. Im Gottesdienstsaal wird Musik gemacht, anderswo wird gespielt und überall sitzen kleine Gruppen und reden miteinander. In einem dafür reservierten Raum kann man in Ruhe Hausaufgaben machen. Abends gibt es eine gemeinsame warme Mahlzeit, und dann startet das Abendprogramm. Das alles funktioniert nur, weil jeder mit anpackt und sich für das Gelingen engagiert. Am Sonntag war das Gemeindezentrum wieder sauber und - na sagen wir: einigermaßen - aufgeräumt. Solche Jugendlichen gibt es doch auch - und nicht nur in Kirchengemeinden. Mich begeistert so etwas. Junge Leute sind heute nicht besser oder schlechter als früher. Ist es nicht immer so, dass es destruktive Hohlköpfe gibt und daneben erfrischend motivierte Typen? Und ist es nicht in allen Altergruppen so? Wir haben nette Menschen als Nachbarn und Kollegen, daneben aber auch rücksichtslose Ellenbogenmenschen. Und es gibt Senioren mit einer lebensbejahenden Ausstrahlung neben griesgrämigen Dumpfbacken. - Ich jedenfalls will mich von negativen Beispielen nicht verleiten lassen, Jüngere pauschal abzuwerten. Ich versuche, mich an biblischen Maßstäben zu orientieren, wie dem Satz des Apostels Paulus: „Seid bescheiden und achtet den Bruder oder die Schwester mehr als euch selbst (Phil 2,3b)". Ich finde, das gilt auch für den Umgang mit der „Jugend von heute".

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Mit fünfzig sollte man sich eine neue Herausforderung suchen. Sonst fängt man an, immer mehr zurückzublicken und auf der Stelle zu treten. So eine populäre Psychologiezeitschrift, die mir vor 10 Jahren zufällig in die Hände fiel. Ich stand damals gerade vor der Entscheidung, mich beruflich zu verändern. Nun bin ich Pastor. Das ist eine Berufswelt, die Ihnen möglicherweise sehr fremd ist. Aber ich denke, die eigentlichen Herausforderungen dürften überall gleich sein. Ich lasse sie deshalb einfach mal ein wenig bei mir hinter die Kulissen schauen.
Ich hatte damals die Möglichkeit, in eine Arbeit zu wechseln, die der bisherigen recht ähnlich war. Ich hätte meine alten Konzepte recyceln können und mit relativ geringem Aufwand im Schongang meine Aufgaben erledigen können. Aber ich wollte nochmal etwas Neues wagen. Deshalb stellte ich mich in einer sehr jungen Gemeinde vor. Nicht nur, dass sie erst zehn  Jahre vorher gegründet worden war. Auch die Mitglieder und die Mitarbeiter waren ziemlich jung. Die meisten zwischen Mitte 20 und Ende 30. Wir haben den Altersunterschied bewusst thematisiert, und für die jungen Leute war das okay. Sie wollten jemanden, der ihnen etwas an Lebenserfahrung voraus hatte und der gleichzeitig im Herzen jung genug war, um mit ihnen gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
Das war die Herausforderung, die ich gesucht hatte. Und es war tatsächlich eine. Überall war es etwas schmuddelig. Ständig fehlte etwas, weil eine Gruppe es nicht zurückgeräumt hatte. Ich kam öfters ins Gemeindehaus, und das Leben tobte, ohne dass ich wusste, was eigentlich los war. Fast jeder schien einen Schlüssel zu haben. Es war oft chaotisch und undurchschaubar. Aber: das Leben pulsierte.
Nun, wenn man - wie ich seinerzeit - schon 25 Jahre im Beruf arbeitet, dann weiß man wie der Hase läuft, was geht und was nicht geht. Die erstaunliche Entdeckung für mich war: Es ging auch völlig anders, als ich das bisher kannte und mir überhaupt vorstellen konnte. Das war eine starke Erfahrung, die ich um keinen Preis missen möchte. Es war für mich die Übung, mich nicht gar so wichtig zu nehmen und mehr auf Gott, als auf meine Erfahrungen zu vertrauen. Ich kannte ja die Zusage, die Jesus seinen Leuten mitgegeben hat: „Ich bin bei euch alle Tage (Mat 28,20)". Dieser Satz hat mich mein Leben lang immer wieder mutig gemacht, Neues zu wagen.
Zugegeben, nicht jeder hat die Chance, mit 50 noch mal etwas Neues anzufangen. Aber wenn man sie hat, sollte man sie unbedingt nutzen. Erst recht wenn man Christ ist und weiß, ich bin nicht allein unterwegs.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Über das Altwerden denken wir zurzeit in unseren kleinen Impulsen am frühen Morgen nach. Das ist nicht ihr Thema, denken Sie? - Ich habe es immer als hilfreich empfunden, mich durch Begegnungen mit alten Menschen schon früh damit auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass ich dadurch auf das Alter gut vorbereitet bin und etwas Sinnvolles aus den späten Jahren machen kann.
Im Alter entstehen ja durchaus Freiräume für Neues. Die Frage darf deshalb nicht lauten: Was kann ich noch tun im Sinne von: Wie weit kann alles weiterlaufen wie bisher? Vielmehr muss sie lauten: Was kann ich gerade jetzt tun? Wie kann ich konstruktiv im Heute leben, anstatt nur der Vergangenheit nachzutrauern? Ich kenne viele positive Beispiele dafür. Da passen Senioren auf die Babys der Jugendleiter auf, während diese in der Gemeinde mitarbeiten. Da ist man sensibel geworden, sich in die Nöte anderer hineinzuversetzen und wird auf einmal zum geschätzten Gesprächspartner. Da investiert sich jemand ehrenamtlich in ein soziales Projekt oder gründet sogar eines.
Das Alter als eigene, positive Phase wird aber nur der erleben, dem es gelingt, die Vergangenheit aufzuräumen und loszulassen. Nicht nur das Schöne gilt es loszulassen, auch das Dunkle, das Belastende soll zurückbleiben. Im Alter hat der Mensch in der Regel mehr Zeit. Längst vergessen Geglaubtes meldet sich wieder zu Wort. Menschen von damals werden wieder wichtig, gerade auch solche, die vermeintlich oder tatsächlich an uns schuldig geworden sind und versagt haben: Eltern, Lehrer, Partner - oder auch die Gesellschaft, die Umstände, die Zeit damals... Da kann sich leicht das Gefühl einschleichen, ich bin zu kurz gekommen. Vielleicht bricht aber auch eigene Schuld wieder auf. Immer wieder kreisen die Gedanken darum, und alle Versuche, sich selbst davon frei zu argumentieren wollen einfach nicht gelingen.
Wie gut ist es, mit all dem zu Gott zu gehen. Bei ihm lerne ich, bewusst Ja zu sagen, zu meinen Grenzen, die vielleicht viel enger geraten sind, als ich es mir erhofft hatte. Ich nehme endgültig Abschied von den geplatzten Träumen. Ich nenne beim Namen, was ich durch meinen Eigensinn von Gottes Plänen vereitelt habe. Ich bitte Gott und Menschen um Vergebung, für das, was ich ihnen schuldig geblieben bin. Dabei reift zwangsläufig auch die Bereitschaft, anderen zu vergeben.
Am Ende ist es keineswegs so, als wäre all das Schwere nie geschehen. Ein vernarbtes Leben bleibt zurück, und Narben können durchaus gelegentlich noch schmerzen. Aber es sind eben keine offenen, unbehandelten Wunden mehr, die sich entzünden könnten. Wie der alte Simeon im Neuen Testament kann man sagen: „Nun lässt du deinen Diener in Frieden ziehen (Luk 2,29).

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Schon wieder Advent, schon wieder ein Jahr vergangen. Wo bleibt nur die Zeit? - Gerade wenn Menschen älter werden, haben sie den Eindruck, dass die Zeit immer schneller verrinnt und ihnen das Leben davonläuft. Das kann einem schon Angst machen, oder?
Von Abraham heißt es (1.Mose 25,8), dass er am Ende "alt und lebenssatt" starb. Das etwas ungewöhnliche Wort meint etwas Anderes, als das Leben satt zu haben und lebensmüde zu sein. Nehmen wir das Bild ruhig wörtlich: Das Leben ist wie ein gutes Essen. Ich habe zugelangt - es hat geschmeckt - und nun bin ich satt. Da ist zwar noch mehr auf dem Tisch, aber es reizt nicht mehr. Ich will es nicht in Gier auch noch in mich hineinstopfen. Übertragen heißt das: Ich habe gelebt - es war alles in allem schön, wenn auch nicht immer leicht - ich danke Gott dafür, aber nun ist es genug und ich bin bereit aufzustehen und in Gottes andere Welt zu gehen.
Ich denke, um einmal „lebenssatt" wie Abraham sterben zu können, muss man die spezifische Aufgabe des Alters bewältigen. Und die heißt Loslassen. Diese Aufgabe wird nicht theoretisch am Schreibtisch gelöst, sondern das Leben selbst legt uns die Lektionen zu seiner Zeit vor. Das Alter kommt ja nicht von einem Tag auf den anderen unerwartet über uns. Es kündigt sich durch nachlassende Kräfte oder vermehrte Krankheiten an. Oder nehmen wir das Ausscheiden aus dem Beruf. Gewiss, manche erleben das Ende der Berufstätigkeit als Befreiung aus der täglichen Tretmühle. Ganz oft aber ist es auch ein Stück Sterben.
Eine alte Dame, die erfolgreich im Beruf gestanden hatte, sagte mir einmal: "Meine Verabschiedung mit all den Blumen und Lobesreden kam mir vor, als nähme ich an meiner eigenen Beerdigung teil."
So etwas ist bitter, aber es ist auch hilfreich und notwendig. Schließlich gehen wir alle auf den Tag zu, wo von unserem Leben nur noch zählt, was in Gottes Augen wichtig und richtig war. Was bleibt denn, wenn wir jene andere Welt betreten, in die wir nichts mit hinübernehmen können aus dieser Zeit: keine Titel und Diplome, keine Leistungen und Verdienste, keine Guthaben und Erfolge. Niemanden, wirklich niemanden interessiert dann noch, was uns so wichtig war.
Ob es nicht Gottes Weisheit ist, wenn uns im Alter ein paar Trainingseinheiten im Loslassen verordnet werden? Sind wir wirklich auf dem richtigen Weg, wenn wir uns, wo immer es geht, um diese Lektionen herummogeln und möglichst, wie das Knoblauchmännchen in der Apothekenwerbung, bis zum Abpfiff durchs Leben turnen? Mir ist es wichtiger, einmal wie Abraham zu sagen: Es ist genug, ich bin satt. Danke, Vater im Himmel.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Es ist schlimm bestellt mit der Achtung vor dem Alter. Darin sind sich ältere Menschen schnell einig, wenn sie miteinander reden. Tatsächlich gibt es diesbezüglich in unserer Gesellschaft große Veränderungen. In früheren Zeiten lebten die Jungen davon, dass die Alten ihnen ihr Wissen weitergaben. Das ist weitgehend vorbei. Im Zeitalter der Datenautobahnen erleben viele, dass ihre Ausbildung und ihr Wissen bereits nach wenigen Jahren wertlos sind. Wer sich nicht ständig weiterbildet oder auch nur ein paar Jahre aus seinem erlernten Beruf ausscheidet, wird schon sehr bald von der Entwicklung überholt. Und das bedeutet auch: das Sachwissen und die Berufserfahrung der Älteren stellen für die Jüngeren oft keinen Wert mehr dar.
Auch im sozialen Bereich haben die letzten 50 Jahre gewaltige Umbrüche mit sich gebracht. Das Rollenverständnis von Mann und Frau hat sich stark verändert. In der Kindererziehung erscheinen Jüngeren die Vorstellungen und Ratschläge ihrer Eltern nicht mehr angemessen. Zwischen dem 17- und dem 67-Jährigen liegen, gemessen an früheren Zeiten, ganze Jahrhunderte.
Das eigentliche Problem liegt nun darin, dass wir vielfach die Achtung vor dem Alter als eine Art Rendite auf die Vergangenheit verstehen. Sie ist ein Anspruch, den ich mir verdient und erarbeitet habe. Doch was ist, wenn der Ertrag meines Lebens für die nachfolgende Generation kaum mehr einen Wert hat? Wer in der Blütezeit nur auf seinen gesellschaftlichen Marktwert setzt, wird am Ende mit leeren Händen dastehen.
Für Christen ist die Achtung vor dem Alter aber nach wie vor ein hohes Gut. Schließlich heißt es in der Bibel (3. Mose 19,32): „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren, denn ich bin der Herr." -
Die Begründung ist hier eine ganz andere als in unserer Gesellschaft. Weil Gott der Herr ist und weil die Ehrfurcht vor ihm es gebietet, deshalb verdient der alte Mensch Respekt. Verstehen Sie, wie radikal anders dieser Ansatz ist? Die Würde des alten Menschen ist nicht in seiner Vergangenheit, sondern in seiner Gegenwart zu finden. Und sie leitet sich auch nicht von seiner Leistung ab, sondern ist allein im Schöpfer des Menschen begründet.
Jeder Mensch hat Würde und verdient Respekt, weil er ein Original Gottes ist. Das gilt für den erfolgreichen Unternehmer genau so wie für den Obdachlosen in der Bahnhofsunterführung, für das beneidete Topmodel wie für die behinderte Rollstuhlfahrerin und für den jungen genau so wie für den alten Menschen. Ich persönlich möchte diese Sichtweise bereits heute, wo ich noch mitten im Berufsleben stehe, einüben. Ich möchte nicht, dass mir am Ende alles wegbricht, was mir das Gefühl von Wichtigkeit gab und ich innerlich vor dem Nichts stehe. Ich möchte jetzt und im Alter darauf setzen, dass ich in Gottes Augen wertvoll bin - egal was ich leiste.

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