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17JUN2026
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Eigentlich war die Woche komplett durchgeplant. Der Kalender war voller Termine und die Liste der Aufgaben war lang. Ich dachte: Volle Woche, aber wird schon irgendwie werden. Und dann kam die Vollbremsung.

Ein Anruf mit einer Nachricht, die mich vollkommen erschüttert hat. Alles, was ich kurz vorher für diese Woche noch im Kopf hatte, schob sich in den Hintergrund. Und schnell wurde mir klar: So professionell ich sein möchte und so sehr ich meinen ursprünglichen Wochenplan weiterverfolgen will – es geht gerade nicht. Ich brauche Zeit.

Es gibt solche Momente. Eigentlich müsste noch so viel erledigt werden. Fristen laufen und Menschen verlassen sich auf mich. Und trotzdem gibt es Ausnahmesituationen, in denen ich nicht mehr einfach das durchziehen kann, was ursprünglich geplant war.

Natürlich kann ich vieles aushalten. Ich kann sonntags auf der Kanzel stehen, obwohl ich eine miese Woche hatte und schlecht geschlafen habe. Ich kann den Sorgen anderer zuhören, obwohl mich eigene Sorgen beschäftigen. Ich weiß, dass ich auch unter Belastung funktioniere. Das ist eine wichtige Fähigkeit. Aber sie hat Grenzen.

Lange Zeit fiel es mir schwer diese Grenze wahrzunehmen und für mich zu sorgen. Wer belastbar ist, zieht eben durch. Wer stark ist, macht weiter. Inzwischen versuche ich das anders zu leben. Ich bin ein Mensch. Und Menschen haben Grenzen. Es tut gut, sie wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Und zwar rechtzeitig. Bevor ich nicht mehr kann.

Der Apostel Paulus ist mir da ein Vorbild. Er hat selbst erlebt, dass seine Kräfte begrenzt sind. Und er hört von Gott einen Satz: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Korinther 12,9)

Gottes Kraft zeigt sich nicht erst dann, wenn ich alles im Griff habe. Sie zeigt sich oft gerade dort, wo ich merke, dass ich jenseits meiner Grenzen bin. Das therapiert meinen Gedanken, immer stark sein zu müssen und alles alleine schaffen zu müssen.

Ich wünsche mir und allen, die Vollbremsungen erleben den Mut, Grenzen ernst zu nehmen. Und das Vertrauen, dass Gottes Kraft nicht nur dort wirkt, wo ich stark bin. Sondern manchmal gerade da, wo ich es nicht bin.

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16JUN2026
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Ich staune immer wieder über Jesus. Diese Hoffnung möchte ich haben! Hoffnung für die Welt, Hoffnung für alle Menschen und jeden einzelnen Menschen. Er gibt uns einfach nicht auf!

Jesus ist als Sohn Gottes mit der Hoffnung in die Welt gekommen, die Menschen zu verändern. Weil er wusste: Das könnte was werden! Das traut er uns Menschen zu, dass wir mit Gott, also gut leben können. Er hat sein Leben gegeben, damit das möglich ist.

Ich will mir da gern eine Scheibe abschneiden. Ich bin manchmal am Rand der Resignation. Erbstreitigkeiten machen ganze Familien kaputt, weil keiner nachgeben kann. Am Arbeitsplatz wird boshaft gelästert, bis die Angegriffenen weggemobbt sind. Und gleichzeitig fühlen sich alle doch moralisch so überlegen… Und ich bin da nicht immer eine Ausnahme.

Und Jesus? Er traut uns Menschen zu, dass wir uns verändern lassen. Auch heute noch. Er sagt: „Das könnte was werden!“ Was lässt ihn hoffen? Seine Liebe. Diese Liebe ist ausdauernd. Sie gibt nicht auf. Alles erträgt sie, in allen Umständen vertraut sie, alles hofft sie und alles hält sie aus (1.Korinther 13).

Was Jesus mit Hoffnung gefüllt hat, war seine Liebe. Wenn ich Menschen und die Welt aufgebe, wenn ich also keine Hoffnung habe: Könnte es sein, dass ich einfach mehr Liebe brauche?

Ist es so einfach? Wer liebt, kann hoffen. Doch es ist eigentlich sogar noch besser: Wer geliebt ist, kann hoffen. Ich glaube, genau das ist der Punkt. Weil Jesus, weil Gott mich liebt, traut er mir zu, dass ich selbst auch liebe, und, dass ich selbst auch Hoffnung habe. Ich komme in diesen Kreislauf der Liebe und der Hoffnung hinein. Weil ich geliebt bin! Gott hat bereits, so heißt es, durch seinen Lebensatem die Liebe in unsere Herzen ausgegossen (Römer 5,5).

Bin ich naiv? Vielleicht – ein bisschen. Aber was sonst soll unsere Hoffnung sein? Ich will nicht, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich möchte gern mehr Mitmenschlichkeit, ich möchte gern mehr Verzichtbereitschaft bei denen, die etwas haben. Ich möchte gern mehr Lebensqualität bei denen, die leiden und hungern und gequält werden. Ich möchte gern weniger sinnloses Sterben und mehr sinnstiftendes Leben. Ist das naiv? Aber was sonst soll unsere Hoffnung sein?

Gott hat durch seinen Lebensatem die Liebe in unsere Herzen ausgegossen. Und die Liebe ist ausdauernd. Sie gibt nicht auf. Alles erträgt sie, in allen Umständen vertraut sie, alles hofft sie und alles hält sie aus. So könnte es was werden mit uns Menschen.

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15JUN2026
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„Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.“ Der Satz des Liedermachers Martin Buchholz begleitet mich, seit ich ihn das erste Mal gehört habe. Man darf sich und anderen zwar „Liebe ohne Leiden“ wünschen, aber realistisch ist das nicht.

Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Liebe hat etwas Bittersüßes. Das gilt für jede Form von Liebe, die Liebe zu Eltern, Geschwistern, Kindern und Enkeln – oder die Liebe zum Partner und zur Partnerin. Das gilt auch in Freundschaften ohne sexuelle Anziehung. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Manchmal leidet man einfach mit: beim verlorenen Wettkampf eines Kindes, dem Männerschnupfen des Partners oder dem Scheitern einer Beziehung einer Freundin. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Manchmal leidet man auch aneinander. Die Frau zum Beispiel, die mir erzählt, dass sie während eines Urlaubs bei einem Juwelier eine so wunderschöne Kette im Schaufenster gesehen hat. Natürlich hat sie ihrem Mann das Stück gezeigt! Und als am Ende des Urlaubs tatsächlich die Urlaubskasse immer noch gut gefüllt war, hat sie „so in den Raum“ gesagt, er könne ja noch „etwas Schönes“ kaufen. Das hat er gern gemacht. Er hatte da schon etwas im Auge – und kam mit einem Auspuff für sein Auto zurück… Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Man sorgt sich, man sorgt füreinander, man sorgt sich, dass man den anderen verliert. Weil Liebe auch bedeutet, dass der andere ein Teil von mir wird und ist. Es ist wie ein umgekehrter Phantomschmerz. Man fühlt den Verlust, bevor man ihn erlebt hat. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Und leider ist es wahr. Unsere Lieben verlassen uns. Irgendwann wird das wahr. Es gibt sie so selten, die Liebe ohne Leiden.

Ich bin so froh, dass ich weiß, dass mein Gott das kennt.

Er kennt das Mitleiden, er kennt die Enttäuschungen und er kennt auch den Trennungsschmerz. Sein Sohn starb am Kreuz! Was für ein Zeichen seiner Liebe, dass er auch das mit mir teilt.

Wenn ich denke: „Warum lässt er das zu?“, dann setzt er sich zu mir auf meine Klagebank und sagt: „Ich bin an deiner Seite!“

Martin Buchholz findet Worte:

Am Ende bleibt: ich hab geliebt. Ich weiß nicht, was es Bessres gibt. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Tut manchmal weh. Das ist es wert.

Am Ende bleibt: Wir sind geliebt. Ich weiß nicht, was es Größres gibt. Gott schaut uns an. Ich hab‘s gesehn. Ich glaub daran und werd es nie verstehn.

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13JUN2026
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Vor wenigen Wochen saß ich am Sterbebett eines Freundes und früheren Kollegen. Ich hatte ihn in der langen Zeit seines Leidens seelsorgerlich begleitet. Wenige Stunden nach meinem letzten Besuch ist er „heimgegangen“, wie wir als Gläubige gerne sagen. Angekommen dort, wo wir hergekommen sind: aus der Liebe Gottes. Daran möchte ich glauben, auch wenn ich immer wieder Gott bitten muss: „Hilf meinem Unglauben!“

Schwer atmend hatte mich mein Freund erkannt und wahrgenommen und stammelte einige Sätze, ehe er wieder völlig erschöpft in seinen unruhigen Schlaf versank. Vieles hat ihn offensichtlich in seinen letzten Stunden umgetrieben. Ständig bewegte er mit geschlossenen Augen seine Lippen, als hätte er noch so viel zu erläutern, zu erklären und richtig zu stellen. Mir schien, als ob da sein ganzes Leben wie in einem Film noch einmal an ihm vorüberzog. Immer wieder versuchte ich, ihm in wenigen Worten und Gesten in wachen Augenblicken Mut zuzufächeln und ihm zu spiegeln, wie glaubwürdig und überzeugend sein Leben war, und wie vielen Menschen er als Seelsorger beigestanden hat. 

Die längste Zeit aber hielt ich einfach nur seine Hand und saß leise betend neben ihm, reflektierte ein wenig unsere lange Freundschaft. Und dachte auch an alle Widerwärtigkeiten und Konflikte, die wir gemeinsam aushalten mussten. Vor allem aber sah ich mich auch mit meinem eigenen Tod konfrontiert, dem ich immer noch so gerne ausweiche. Der aber kommt für uns alle: un-ausweichlich.

Mit dem „Vater unser“ und dem Krankensegen habe ich mich von meinem sterbenden Freund verabschiedet und bin eigentlich getröstet gegangen. Auf der langen Heimfahrt kam mir der Satz aus dem Römerbrief in den Sinn: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Ob wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ (14,8).

Das heißt: Ob im begrenzten „Diesseits“, in dem ich noch lebe oder im ewigen „Jenseits“, wohin mir mein Freund nun vorausgegangen ist – wir sind und bleiben hier wie dort dem Herrn verbunden.

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12JUN2026
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Jeden Tag kommt Elisabeth auf den Friedhof Schönenberg. Sie besucht das Grab ihres Mannes. „Nun ist er erlöst", sagt sie, „er hat viel leiden müssen." Gedanklich nimmt sie ihre drei Kinder und die neun Enkel dorthin mit. Sie sind alle schon erwachsen. Und sie sind umhüllt von der Liebe ihrer Mutter und Großmutter. 

Diese Liebe wuchs in der langen Ehe. Der berühmte Tübinger Philosoph Ernst Bloch redet „von der großen Schifffahrt, die Ehe sein kann und die" – so schreibt er – „mit dem Alter nicht aufhört, nicht einmal mit dem einseitigen Tod." 1)

Solche Liebe strömt weiter und hüllt alle Menschen ein, die Elisabeth in ihrem Herzen mit hierher nimmt.

Nachdem sie am Grab war, geht sie die wenigen Schritte zur Kirche. Dort ist ihre stille Einkehr immer auch eine Zeit, um ein Dankgebet zu sprechen und um Gott zu sagen, was sie bewegt, bedrängt, bedrückt: Großmuttergebete eben.

Ich hörte mal einen Vortrag eines Arztes, der sinngemäß sagte: Wir Ärzte wissen auch oft nicht, was wirklich heilt und hilft. Sind es unsere Maßnahmen, die Medikamente und verordneten Heilmittel oder – die Gebete der Großmutter?

Ich selbst habe immer wieder gesehen: Hinter solchen Gebeten steht ja ein gelebter Glaube, der geprägt ist von Liebe, Vertrauen und Hingabe. Da wo Hände gefaltet werden, wurden sie zuvor geöffnet: Haben fürs tägliche Wohl gesorgt, gekocht und gewaschen, Tränen und Nasen getrocknet und fürsorglich das getan, was guttut.

Elisabeth kann nicht mehr alles alleine bewältigen. (Keiner von uns kann das). Aber sie kann alles, was ansteht, mit Gott besprechen und sich und ihre Lieben IHM anvertrauen. Das gibt ihr Kraft und – es tut auch denen gut, für die gebetet wird.

 

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1) Ernst Bloch: „Das Prinzip Hoffnung“, Erster Band, Frankfurt am Main 1973 (st W 3), S. 381 f

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11JUN2026
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Schon mit seiner Namenswahl suchte Papst Leo XIV. Anschluss an seinen Namensvetter Leo XIII. Der hatte 1891 in einem Welt-Rundschreiben gerechten Lohn, Mitbestimmung und verträgliche Arbeitszeiten für das Industrie-Proletariat von damals eingefordert und ging als „Sozialpapst“ in die Geschichte ein.

Nun stehen wir dank „Künstlicher Intelligenz“ vor einer neuen „Industriellen Revolution“, meint Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika. Und wieder sei die Würde der arbeitenden Menschen in Gefahr. KI könne zwar einerseits die Arbeit von „besonders beschwerlichen, monotonen oder gefährlichen Tätigkeiten entlasten“. Andererseits aber sei zu befürchten, dass sich die Arbeit dann diesen Abläufen total unterordnen muss und ihre Selbständigkeit verliere, schreibt der Papst. In meinen Worten: Arbeitende Menschen würden so immer mehr zu „Handlangern“ von Maschinen – schlecht bezahlt und kaum geschützt.

Schlimmer noch: Dank KI, so Papst Leo, könnten Millionen von Arbeitsplätzen dem Profit geopfert werden. Das fürchte ich auch, denn die „Geldhaie“ an den Kapitalmärkten schmieden mit Hilfe „Künstlicher Intelligenz“ längst neue Algorithmen, um noch mehr Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Kapitalismus und KI – dieses neue „Traumpaar“ hat uns grade noch gefehlt. Nein - eine Liebesheirat wäre das nicht, wohl aber eine fette Zugewinngemeinschaft.

Zur Abwehr nimmt auch Papst Leo wie seine Vorgänger die Politik in die Pflicht. Wirtschaft ist kein ethik-freier Raum! Niemals darf das hochwirksame Instrument der KI unkontrolliert, unreguliert in die Hände von Spekulanten gelangen. Sonst würden weltweit Reichtum und Armut in die Höhe schnellen und sich die Spaltung der Menschheit weiter vertiefen. Vielmehr müsse die menschliche Arbeit „die grundlegende Dimension der menschlichen Erfahrung bleiben.“2)

Daher appelliert der Papst auch an die Beschäftigten selbst, vor allem in Bildung zu investieren. Je kompetenter arbeitende Menschen werden, desto weniger kann man sie manipulieren und ihre Arbeit entwerten. Zum andern aber sollten sie sich solidarisieren und mit Hilfe starker Gewerkschaften wehren gegen Sozialabbau und den Verlust ihrer Arbeitsplätze.

 

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1) „Magnifica humanitas“ (Die großartige Menschheit): Enzyklika von Papst Leo XIV. (2026) – Ziff. 152

2) Ziff 154

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10JUN2026
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Zwei altbekannte Schurken terrorisieren zurzeit die Menschheit – Zwillingsbrüder mit einer verkorksten DNA. Das schadhafte Gen: Sie agieren nur nach dem „Gesetz des Stärkeren“, Schwächere werden gegen die Wand gedrückt. Der eine der beiden hört auf den Namen „Krieg“ – das bleiche Gerippe, diese Ausgeburt der Hölle. Unfähig, Konflikte zu lösen, vertieft der Krieg noch die Gräben. Dennoch führt dieser Nichtsnutz gegenwärtig wieder einmal Regie im Welttheater.

Der andere Bruder nennt sich „Kapitalismus“ und arbeitet in angeblich „friedlichem Wettbewerb“ genau nach demselben Schema: „Fressen oder gefressen werden“. Krieg und Kapitalismus, „K.u.K“, machen natürlich gemeinsame Sache. Denen geht es nicht um irgendwelche „Werte“, sondern immer nur um Macht und Profit!

Also zum Teufel mit ihnen? Gewiss, aber hoppla, „Krieg“ und „Kapitalismus“ haben sich tief in unsere eigenen Herzen und Hirne hineingebohrt. Wir sind Teil des Problems! Wer den Krieg besiegen will, muss erst den Klein-Krieg aus dem eigenen Leben verbannen: Mobbing und Schikane, Hass und Hetze, Gewalt in Häusern und auf den Straßen, Mord und Totschlag als Alleinunterhalter auf dem Bildschirm! Wie soll Friede werden auf Erden, wenn wir Krieg führen in der eigenen Hütte?

Ob wir dem „Kapitalismus“ wirklich den Garaus machen können, entscheidet sich nachher im Supermarkt. Kaufen wir die teureren regionalen Erdbeeren, damit die Erzeuger ihren Erntehelfern den Mindestlohn bezahlen und sie selbst überleben können? Oder greifen wir nach billigen Importen? Wie sollen Einzelhändler überleben, wenn wir ständig nur im Versandhandel unterwegs sind?

Nochmals zurück zur verkorksten DNA: Die Wissenschaft hat längst eine Gen-Schere entwickelt, mit der man schadhafte Gene – ritsch-ratsch – einfach rausschnippeln kann.

Also raus mit dem Gewalt-Gen in unserem Erbgut! Ersetzen wir es durch  „Gewaltfreiheit“. Konflikte kann man friedlich lösen.

„Gier“ und „Haben“ tauschen wir aus gegen „Teilen, was wir haben“.

Biblische Tugenden, mit deren Hilfe wir „Krieg“ und „Kapitalismus“ aushungern, ihnen das Wasser abgraben können.

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09JUN2026
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Ich war Gast in einem Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde. Die Gemeindeglieder waren aufgefordert, darüber nachzudenken: Was ist der wichtigste Gegenstand in meinem Leben? Spannende Antworten kamen, und eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ein kleiner Junge meinte: Mein Bett.

Seither gehe auch ich bewusster und dankbarer mit diesem Gegenstand in meinem Leben um. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde in einem Anmeldebogen für die Grundschule gefragt: Hat ihr Kind ein eigenes Bett? -  Auch wenn das Viele hierzulande nicht mehr erlebt haben: das eigene Bett war einst keine Selbstverständlichkeit. Raum- und Geldnot zwangen zum Zusammenrücken.


Welche Wohltat es ist, sich nach anstrengenden Tagen hinlegen und ausstrecken zu dürfen, eine Decke zum Wärmen und ein Kissen zum Kuscheln zu haben, das weiß jeder. Der kleine Junge im Gottesdienst hat es ausgesprochen: Dieser eigene kleine Raum von meist zwei Quadratmetern ist ein Wohlfühlraum, zumindest für die, die nicht gerade krank darniederliegen.

Wenn ich in den Nachrichten Bilder von Wohntürmen sehe, die in lodernden Flammen und schwarzen Rauchwolken aufgehen – bombardiert nach Befehlen von Kriegsherrn, die selbst unbegrenzt über komfortable Schlafplätze verfügen –, dann denke ich zunächst an die Kinder, die in den zerstörten Häusern gewohnt haben. Ihr Bett ist weg und mit ihm der Rückzugsort und die Geborgenheit.

„Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet", sagt Jesus (Matthäus-Evangelium 18,10). Und fährt fort: „Es ist auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde!" (18,14). Sie sind an den Kriegen unschuldig, egal, wo auf der Welt sie daheim sind. Sie haben sie nicht verursacht und angeordnet. Sie haben ein Bett verdient und Besseres als Bombardements. Deshalb bete ich mit den Worten eines Gedichts von Reiner Kunze:

 

Wir haben ein Dach

und Brot im Fach

und Wasser im Haus,

da hält man’s aus.

 

Und wir haben es warm

Und haben ein Bett.

O Gott, dass doch jeder

Das alles hätt’!

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08JUN2026
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Und wieder ein Rekord: Die deutschen Rüstungsexporte verzeichnen einen neuen Höchststand. In der „Verteidigungswirtschaft“ – so nennt man die Rüstungsindustrie neuerdings verharmlosend – knallen die Sektkorken.

Ich stoße allerdings nicht mit an. Denn ich fürchte, um mit dem jüdischen Lyriker und Philosophen Paul Celan zu sprechen: Der Tod bleibt wohl „ein Meister aus Deutschland“.1)

Keineswegs möchte ich nun jene Menschen erschrecken, die heute früh irgendwo in einer Rüstungsbude mit ihrer Arbeit beginnen. Viele von denen hatten in der Sorge um Arbeit und Brot vielleicht kaum eine andere Wahl. Zusammenzucken aber sollten jene, die das in den Schaltzentralen der Politik und in den Konzernen zu verantworten haben, den „Händlern des Todes“. So nennt sie der Erzbischof von Neapel, Domenico Battaglia in einem flammenden Aufruf. 2)

Leidenschaftlich fleht der Kardinal: „Gebt den Müttern ihre Kinder zurück“. „Wie könnt ihr schlafen“, fragt er sie, „wenn hinter jedem Eurer Verträge Menschen verbluten. Kein Mensch ist als Zielscheibe geboren. Bekehrt Euch! Wieviel Blut müsst ihr noch vergießen?“

Und dann geißelt er den Krieg als Geschäftsmodell: „Es wird keinen Frieden geben, solange Krieg eine akzeptable Investition bleibt.“ Das bedeutet für mich: Es ist ein Skandal, Waffen zu schmieden und sie weltweit gewinnbringend zu verkaufen, um mit Tod und Krieg satte Gewinne zu erzielen.

Ich rufe in Erinnerung: Christlicher Auftrag ist und bleibt, „Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden“ (Jesaja 2,4). Es sei Wahnsinn, so mahnt der Erzbischof von Mailand¸ daran zu glauben, „man könne die Welt weiter in Brand setzen, ohne dabei selbst zu verbrennen. Der einzig mögliche Realismus ist jetzt der Frieden!“

Ach ginge uns doch endlich der Satz Jesu unter die Haut: „Wer zum Schwert greift, der wird durch das Schwert umkommen.“ (Matthäus-Evangelium 26,52)

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  • Paul Celan (1920-1979): „Todesfuge“
  • Kardinal Domenico Battaglia: „Brief an die Händler des Todes“ (6. April 2026) https://www.sabinopaciolla.com/kard-battaglia-brief-an-die-handler-des-todes/
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06JUN2026
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Der Künstler Daniel Beerstecher wandert gerade quer durch Deutschland. Im Juni 2025 ist er in seiner Heimatstadt Stuttgart aufgebrochen. Jetzt, ein Jahr später, kommt er demnächst dorthin zurück.

Das Besondere an der Reise: Daniel Beerstecher redet unterwegs nicht. „Ich höre zu – ein Jahr im Schweigen“, so heißt seine Aktion, die gleichzeitig ein Kunstprojekt ist.

Man kann ihn unterwegs eine Zeitlang begleiten auf seiner Wanderung oder ihn als Gastgeber zu sich nach Hause einladen. Und man kann dem Künstler dabei von sich erzählen, ihm etwas aus dem eigenen Leben anvertrauen. Also ein Gespräch führen mit einem Schweigenden. Daniel Beerstecher antwortet dann nicht mit Worten, – aber er hört aufmerksam zu, lässt das Gesagte still in sich wirken und blickt einen dabei offen an.

Mich fasziniert das. Dieses Projekt kommt nicht laut daher oder pompös. Daniel Beerstecher besticht nicht mit Schlagfertigkeit oder geschwungenen Reden. Und trotzdem hat sein Handeln Kraft. Weil gerade das Schweigen Neues möglich macht. Menschen, die ein Teil dieser Reise geworden sind, zeigen sich sehr berührt von der Begegnung.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, die weiß auch etwas von der Kraft der leisen Töne [vgl. 1. Könige 19,8-13]: Sie erzählt von Elia – er ist ein Prophet, also ein Mensch, der in besonderer Weise mit Gott verbunden ist.

Dieser Elia steckt in einer heftigen Lebenskrise. Er weiß nicht mehr, woran er sich orientieren soll, fühlt sich verlassen von Gott und der Welt. Und er macht sich deshalb auf – vierzig Tage und vierzig Nächte lang, bis er den heiligen Berg Gottes erreicht. Dort erlebt Elia einen tosenden Sturm, ein heftiges Erdbeben und ein großes Feuer. Aber in keinem dieser gewaltigen Naturelemente kann Elia Gott finden, heißt es in der Geschichte. Er bleibt verlassen.

Doch dann geschieht es. Gott kommt zu Elia, – aber ganz leise, in einem sanften Wind. Und Elia fühlt sich gehört und verstanden, kommt mit Gott ins Gespräch, ganz ohne hörbare Worte.

Stille, Schweigen – das hat tatsächlich viel mit Gott zu tun, glaube ich als Christ. Der schweigende Wanderer Daniel Beerstecher schreibt zu seinem Projekt: „Vielleicht braucht es in einer lauten Welt zuerst einen stillen Raum, in dem wieder gehört werden kann.“

Tage 278 - 281 – Zu Gast im Haus Werdenfels – Ein Ort für Stille und Begegnung | Ich höre zu – ein Jahr im Schweigen

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