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SWR4 Abendgedanken

15AUG2025
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Nichts schmeckt so gut wie der erste Bissen Butterbrot, wenn man nach Stunden endlich oben auf dem Gipfel angekommen ist. Dann sitzt man da, lässt den Blick übers Tal schweifen und staunt.

Auch eine Art von Gipfelerlebnis ist in der Bibel aufgeschrieben. Es ist das, was Mose am Berg Horeb erlebt haben soll: 

Eigentlich hat Mose nicht geplant zu einem Berg zu wandern. Mose ist draußen in der Steppe unterwegs und hütet seine Schafe und Ziegen. Plötzlich bemerkt er ein Feuer an einem nahegelegenen Berg. Neugierig, was da gerade passiert, lässt er seine Tiere zurück und geht los. Er sieht einen Dornbusch, der Feuer gefangen hat, außerdem ist da ein starker Wind und Mose hört ein ganz außergewöhnliches Flüstern. Die Stimme sagt zu Mose: „Ich bin der Gott deines Volkes Israel und ich werde euch aus der Unterdrückung befreien.“ Kurz zur Erklärung: Die Israeliten waren damals Gefangene der Ägypter. Sie waren ein versklavtes Volk.

Und jetzt diese Nachricht: Israel soll befreit werden und ausgerechnet Mose soll derjenige sein, der das allen klar macht. Und auch noch die Befreiung für sein ganzes Volk durchzieht? Am Berg Horeb muss Mose ziemlich überfordert gewesen sein. Sofort hält Mose dagegen: „Und was ist, wenn mir niemand glaubt?“. Die Stimme antwortet: „Du musst dich nur trauen, ich bin bei dir.“ Also verlässt Mose den Berg und legt los. Und obwohl ihm einige Steine in den Weg gelegt werden, kann er die Israeliten aus der Gefangenschaft der Ägypter befreien.

Ich weiß nicht, ob die Geschichte mit Mose und dem brennenden Dornbusch am Berg Horeb haargenau so passiert ist. Es ist mir auch nicht so wichtig.

Für mich macht die Geschichte aber eines deutlich: Es gibt Orte, die haben eine ganz besondere Ausstrahlung, da kann man etwas Großartiges erfahren. Der Blick auf das Meer zum Beispiel, kann so ein Gefühl auslösen. Wenn die Wellen rhythmisch an die Küste schwappen und der Horizont endlos erscheint. Und in den Bergen kann es einem auch so gehen. Wenn man auf die Welt herunterblickt und nur noch über die Schönheit der Natur staunen kann.
Für manche Menschen ist dieses Gefühl von Weite ein Fingerzeig dahin, dass es noch etwas Größeres gibt als unsere Welt, Gott zum Beispiel. Und dass Gott für Freiheit steht und diese auch ermöglichen möchte. Am Meer oder oben in den Bergen, da kann man die Freiheit fast greifen. Die Freiheit, die auch Mose für sein ganzes Volk erkämpft hat. Zusammen mit Gott, der ganz sicher Freiheit ermöglichen will. Für alle, auch für mich.

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SWR4 Abendgedanken

14AUG2025
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Ich schaue mir auf Instagram gerne Videos von Kathi an. Vor kurzem hat Kathi bei einem neuen Videotrend mitgemacht. Dieser Trend hat einen eigenen Namen und der ist ziemlich lang, er heißt: „Ich habe mein jüngeres Ich auf einen Kaffee getroffen“. Da spricht die erwachsene Kathi mit einer jüngeren Version von sich. Sie als Erwachsene schlüpft dann also direkt im Gespräch in die Teenager-Kathi und stellt Fragen wie: „Sag mal, mir wird das mit dem Lernen gerade alles zu viel, habe ich den Studienplatz für Medizin eigentlich bekommen?“ Darauf die erwachsene Kathi: „Du wirst sogar als eine der besten das Studium abschließen.“ Und dann geht das Gespräch in dem Stil weiter…

Ich denke bei diesen Videos dann oft: Wow! Mit was für einem liebevollen Blick Kathi auf ihr jüngeres Ich schaut. Kathi nimmt die Wünsche und Sorgen ernst und zeigt ihrem jüngeren Ich, dass so vieles gut ausgegangen ist.

Wenn ich mich so zurückerinnere, wie ich als Jugendliche war, dann denke ich: manche Dinge sind ganz anders gelaufen als ich mir das ausgemalt habe. Ich war zum Beispiel in Deutsch immer eine richtige Niete und heute schreibe ich Beiträge fürs Radio. Und was mich ehrlich freut: mit manchen schwierigen Situationen gehe ich heute viel besser um als früher. Darauf bin ich richtig stolz.

Wenn Kathi im Internet mit ihrem jüngeren Ich spricht, erinnert mich das an eine ganz bestimmte Form des Abendgebets. Es heißt „das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ und wurde von Ignatius von Loyola entwickelt. Ignatius hat den Jesuitenorden gegründet und nennt das Gebet „die wichtigste Viertelstunde des Tages“. Bei dem Gebet lasse ich meinen Tag vor meinem inneren Auge nochmal Revue passieren. Ich überlege was ich alles gemacht und mit wem ich gesprochen habe, was mich gefreut hat oder wo etwas nicht gut gelaufen ist. Das Gebet beginnt so: „Guter Gott, ich bitte um Deinen liebevollen Blick auf den Tag. Lass mich diesen Tag mit Deinen Augen sehen.“ Liebevoll meint hier, dass ich nicht gleich alles bewerte, was mir in den Sinn kommt, sondern erst mal nur wahrnehme was passiert ist. Dieser liebevolle Blick verändert etwas. Er hilft mir dabei mein Leben mehr anzunehmen wie es ist. 

Und egal, ob Kathi Gespräche mit ihrem jüngeren Ich führt, wie bei dem Internettrend, oder ich heute Abend diesen Tag, diesen einmaligen 14. August 2025 reflektiere. Es kann heilsam sein, dabei mit einem liebevollen Blick auf sich zu schauen.

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SWR4 Abendgedanken

13AUG2025
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Es gibt Dinge, die möchte niemand im Urlaub erleben. Eine Autopanne zum Beispiel. Doch genau das ist meinem Partner und mir in den letzten Ferien passiert. Auf einer engen Passstraße in den slowenischen Alpen hat unser Campervan einen Platten bekommen. Erst hat es ordentlich geruckelt und dann hat unser Auto nur noch geeiert. Zum Glück konnten wir uns in eine nahegelegene Parkbucht retten. Da angekommen sind mir direkt Fragen in den Kopf geschossen: „Ist sonst noch was am Auto kaputt? Und was wird das ganze wohl kosten? Als wir da bedröppelt auf den Abschleppdienst gewartet haben, den wir Gott sei Dank erreicht haben, hat uns ein freundlicher älterer Herr auf Deutsch angesprochen; er war mit dem Fahrrad unterwegs. Aufmunternd hat er zu uns gesagt: „Macht euch nichts draus, solche Dinge passieren. Mein Camper hatte gestern auch einen Platten.“ Kaum hat er das gesagt, war er mit seinem Fahrrad auch schon wieder weg. Es waren nur wenige Worte, eigentlich nichts Besonderes. Kein praktischer Ratschlag und kein Hilfeangebot. Nur so ein Satz von der Art, die man schon oft gehört hat. Aber in dem Moment war es genau das, was ich gebraucht habe. Die freundlichen Worte haben die nächsten zwei Stunden erträglicher gemacht, die wir warten mussten bis der neue Reifen drauf war. 

Gute Worte verbinden. Es ist unglaublich aufmunternd zu erleben, dass man gesehen wird und dass man nicht die Einzige ist, bei der mal was schief geht. Zwar konnte der Mann mit dem Fahrrad nichts an unserer Situation ändern, aber er hat uns dabei geholfen, unsere Panne aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

So ein Perspektivenwechsel kann in vielen Momenten helfen. Gerade dann, wenn man in einer Negativspirale feststeckt und es schwer ist noch irgendwas Gutes zu sehen. Wenn meine Freundin ein blödes Projekt bearbeiten muss und sie nur über ihren Job schimpft, dann kann ich sie daran erinnern, worüber sie normalerweise schwärmt. Oder wenn meine Nichte frustriert ist vom Geige Üben, kann ich ihr erzählen wie toll das letzte Vorspiel war. Das Projekt ist und bleibt dann immer noch langweilig und das Geigespielen mühselig, aber vielleicht wird die Haltung mit der ich an die Sache rangehe, ein bisschen anders.

So war es übrigens auch bei unserer Autopanne im Urlaub. Natürlich war es frustrierend, dass wir überhaupt liegengeblieben sind. Aber der Zuspruch von dem älteren Herrn hat etwas Leichtigkeit in die Situation gebracht.
Pannen passieren, Phasen sind anstrengend und Aufgaben mühselig, aber wenn ich gesehen werde und mir jemand dann noch etwas Aufmunterndes sagt, das kann helfen. Nicht für alles. Aber vielleicht für das nächste Stück Weg.

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SWR4 Abendgedanken

12AUG2025
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Was ich an meinem 15. Geburtstag gemacht habe? Ich weiß es nicht mehr.  Wahrscheinlich war ich den halben Tag in der Schule und dann hat es Kuchen und Geschenke gegeben. Das Mädchen Leah Namugerwa aus Uganda wird ihren 15. Geburtstag vermutlich ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Sie hat, anstatt eine große Party zu feiern, gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden 200 Bäume gepflanzt. Mit dieser Aktion wollte sie der verheerenden Umweltverschmutzung in ihrem Land etwas entgegensetzen. Und ihr Plan hat funktioniert, durch das sogenannte „Birthday Tree Project“, auf Deutsch „Geburtstagsbaum-Projekt“ wurde Leah als junge Umweltaktivistin bekannt. Sie setzt sich seither für Naturschutz in ihrer Heimat und weltweit ein. Sie hält Vorträge auf Klimakonferenzen und leistet Aufklärungsarbeit im Internet. Leah sagt: „Wenn die Verantwortlichen schon nichts bewirken können, dann können wir wenigstens etwas bewirken. Wir, als Kinder, sind nicht zu jung, um etwas zu verändern.“

Heute ist der internationale Tag der Jugend und es gibt so viele Leahs, auch in unserem Land. Die vielen engagierten Jugendlichen möchten unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten. Jedes Jahr am 12. August steht deshalb im Mittelpunkt was Kindern und Jugendlichen wichtig ist. Welche Sorgen und Wünsche haben junge Leute weltweit? Was brauchen sie um in Zukunft gut leben zu können? Und wie kann es bei den Erwachsenen ankommen, was Kinder und Jugendliche brauchen?

Schon der Mönch Benedikt von Nursia, der vor über 1500 Jahren gelebt hat, hat sich solche Fragen gestellt. Der Heilige Benedikt ist zu der Antwort gekommen, dass es förderlich für ein gutes Miteinander ist, wenn möglichst alle bei wichtigen Entscheidungen beteiligt sind. Benedikt ist der Gründer des weltweit bekannten Benediktinerordens, er hat in seinen Regeln für das Klosterleben festgelegt: „Bei großen Entscheidungen innerhalb der Gemeinschaft sollen besonders die jungen Mönche gehört werden. Denn ihnen sagt Gott mindestens genauso oft was das Richtige ist, wie den älteren.“

Mich beeindrucken die 15-jährige Leah und die Regel von Benedikt. Und auch alle, die versuchen im Sinn dieser beiden zu handeln. Zum Beispiel alle, die sich in der Schule dafür einsetzen, dass die Stimmen der Schülerinnen und Schüler gehört werden. Oder diejenigen, die bei politischen Entscheidungen besonders an Kinder und Jugendliche denken.

Leahs Aktion hat weite Kreise gezogen. Auch Indiko aus Japan hat sich an ihrem 16. Geburtstag keine Geschenke sondern Bäume gewünscht, und sie gepflanzt. In Äthiopien hat es der siebzehnjährige Lionel ihr gleichgetan. Und in Frankreich steht Jacque, ein älterer Herr, stolz neben seinen frisch gepflanzten Geburtstagsbäumen. Warum auch nicht? Wer sich von der Jugend inspirieren lässt, bei dem ist das Alter egal.

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SWR4 Abendgedanken

11AUG2025
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Der „geheime Freund“ – klingt nach einem Liebesroman, oder einer Detektivgeschichte. Ist es aber nicht. „Der geheime Freund“ ist der Name für eine Gruppenaktion, in der es darum geht Menschen eine Freude zu machen. Ich kenne sie schon seit 15 Jahren und sie kommt mir immer dann in den Sinn, wenn ich sehe, wie andere ganz unvermittelt glücklich gemacht werden.

Ich bin in der kirchlichen Jugendarbeit groß geworden. Erst als Teilnehmerin, dann als Gruppenleiterin und am Ende habe ich sogar selbst Jugendliche ausgebildet, die dann eigene Gruppen geleitet haben. Und bei diesen Kursen war „der geheime Freund“ immer Teil des Programms.

Kurz gesagt geht es bei der Aktion darum jemandem eine Freude zu machen, ohne dass der- oder diejenige weiß von wem die kleine Aufmerksamkeit kommt. So als wären kleine Wichtel unterwegs, die im Verborgenen Freude verbreiten. Ganz nach dem Prinzip: Der geheime Freund nimmt sich selbst zurück und lässt das Geschenk strahlen

Gleich am ersten Tag ging es los und die ersten Freundlichkeiten wurden verschenkt. Da war dann zum Beispiel der Frühstücksplatz besonders schön mit einem Blümchen und einer lieben Karte gedeckt. Bei einer anderen sind die Lieblingsgummibärchen auf dem Platz im Seminarraum gelegen. Und wieder jemand anderes musste keinen Spüldienst mehr machen. Ich selbst habe zum Beispiel mal eine Playlist mit besonderen Liedern erstellt, weil Lotta, die ich beschenken sollte, denselben Musikgeschmack hatte wie ich. Den Link zur Online-Playliste, habe ich auf eine schöne Karte geklebt und auf ihren Platz gelegt. Als Lotta mein Geschenk entdeckt hatte, ist sie direkt losgegangen um ihre Kopfhörer zu holen und dabei hat sie über beide Ohren gestrahlt.    

Lottas Reaktion hat mich einfach nur gefreut. Denn vorher habe ich mir viele Gedanken gemacht und mir auch extra viel Zeit genommen sie kennenzulernen. In meiner Rolle als geheime Freundin habe ich mir Lotta nochmal mit einem ganz anderen Blick angeschaut. Ich wollte erst mal herausfinden, wie sie so tickt. Was ihr besonders viel Spaß macht, worüber sie schwärmt und was sie eigentlich gar nicht leiden kann.

So einen geheimen Freund kann man jederzeit im Leben gut gebrauchen. Jemanden, der, wenn auch nur für einen Tag einen besonderen Blick auf mich wirft. Ich kann zum Beispiel meinem Kollegen eine Aufgabe abnehmen, die er gar nicht gerne macht, ich aber schon. Oder ich plane den Mädelsurlaub, weil es bei meiner Freundin gerade drunter und drüber geht. Auch hier schaue ich mir jeden und jede einzelne für diesen Tag genau an und überlege: Was kann er oder sie heute gut gebrauchen, vom geheimen und doch vertrauten Freund? 

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SWR4 Abendgedanken

06JUN2025
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Ich möchte Ihnen ein Motto fürs Wochenende vorstellen. Es heißt: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ Ein großer Kirchenlehrer hat den Satz gesagt und er passt perfekt zu Pfingsten. Das Fest erinnert an eine Geschichte aus der Bibel. Ob das Ganze in echt so passiert ist, für mich ist das Nebensache. Die Hauptsache ist, dass von einer typisch menschlichen Erfahrung erzählt wird. Und die ist zusammengefasst in diesem Satz „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

Und so geht sie diese Pfingsterzählung:

Es sind einige Tage vergangen seit Jesus gekreuzigt wurde. Seine Freundinnen und Freunde sitzen in Jerusalem zusammen. Sie sind immer noch fassungslos und fragen sich: „Wie geht es jetzt mit uns weiter?“ Die Freunde reden über die klugen Ratschläge, die Jesus ihnen mitgegeben hat – wie man das halt macht, wenn man sich gemeinsam erinnert. Und als sie so in Erinnerungen schwelgen, merken die Freunde wie es ihnen auf ganz einmalige Weise warm ums Herz wird. Und eine von ihnen findet die richtigen Worte und ruft: „Worauf warten wir? Erzählen wir den Leuten da draußen doch von den Ideen, die Jesus hatte.“ Und plötzlich fühlen sich die Freunde nicht mehr unsicher, sondern sind voller Tatendrang. Sie stürmen nach draußen und treffen auf den Straßen von Jerusalem Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie sprechen sie an und erzählen ihnen von Jesus. Und da passiert das eigentliche Pfingstwunder: alle verstehen sich, obwohl sie die unterschiedlichsten Sprachen sprechen.

Die christliche Erklärung, warum das funktioniert hat, lautet: Da hat der Heilige Geist geholfen. Damit ist eine besondere Kraft gemeint, die dann zu spüren ist, wenn Leute sich für eine gute Sache zusammentun, wenn Kommunikation klappt und es so nach schweren Zeiten wieder bergauf geht.

Wie auch immer diese Heilige Geist gewirkt hat, am Ende konnten alle ganz einfach erzählen und zuhören. Ohne große Übersetzungen. Jeder hat das, was die Freunde so begeistert erzählt haben, in seiner eigenen Muttersprache gehört. Also in der Sprache, die einem vertraut ist.

Das heißt für mich zweierlei: ich kann das von Gott verstehen, was ich in meiner „Herzenssprache“ höre. Wenn es mich ganz natürlich anspricht. Manchen geht das Herz auf, wenn sie von Gott als Vater hören und andere freuen sich darüber, wenn über Gott als Freundin gesprochen wird. Und es heißt auch: Erst, wenn ich aus dem Herzen, also mit ganz persönlicher Überzeugung spreche, kann das bei den anderen so richtig ankommen.

Eben wie bei meinem Motto fürs Wochenende: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

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SWR4 Abendgedanken

05JUN2025
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9,2 Milliarden – das ist eine Zahl mit acht Nullen. Und genau so viel Plastik wurde in den letzten 75 Jahren weltweit produziert. Und das Schlimmste daran: Das meiste davon ist mittlerweile nur noch Müll. Milliarden Tonnen von Plastikmüll.

Logisch, dass man da sofort Gedanken hat wie „Diese ganze Verschmutzung muss aufhören“. Und genau den Gedanken greift der heutige Weltumwelttag auf. Der wird am 5. Juni gefeiert und das Motto in diesem Jahr heißt: „Stoppt Plastikverschmutzung!“ Das diesjährige Gastgeberland Südkorea hat zu besonders vielen Veranstaltungen, rund um das Thema Plastikmüll eingeladen. Doch Aktionen für die Natur gibt es heute auf der ganzen Welt. An über 230 Standorten.

In Nottingham in England zum Beispiel findet eine große Strandputzaktion statt. Da verbinden die Leute das Schöne mit dem Nützlichen. Beim Strandspaziergang sammeln sie den Müll auf, der ihnen beim Gehen auffällt. Auf der griechischen Insel Kreta sind sogenannte „Edle Ritter des Recyclings“ unterwegs, sie klären auf besonders originelle Weise über Umweltschutz auf. Und in Damaskus in Syrien werden heute aus alten Plastikbechern Kunstwerke gezaubert. Dabei dürfen alle mitmachen, vom großen Künstler bis zum kleinsten Kind.

Ich hätte heute am liebsten bei allen drei Aktionen mitgemacht. Das Interesse für Umweltschutz, gehört ja quasi zur Grundausstattung einer jeden Christin mit dazu. Die Bibel sagt ja ganz am Anfang schon folgendes: Gott schenkt den Menschen die Erde, damit sie sich gut um sie kümmern. Und auch Papst Franziskus hat den Umweltschutz stark gemacht. Franziskus hat erklärt: „Die Erde ist unser gemeinsames Haus, das wir pflegen und beschützen müssen.“ Für mich haben die vielen Aktionen heute am Weltumwelttag das nochmal besonders deutlich gemacht. Wie ein großes Netz spannen sich die Veranstaltungen um die ganze Weltkugel und zeigen, dass die Menschheit dann am meisten bewegen kann, wenn alle am selben Strang ziehen. Mir macht das Mut, denn ich merke, dass der Umweltschutz bei mir öfter mal aus dem Blick gerät. Oft genug kaufe ich doch wieder das Gemüse in der Plastikverpackung oder fahre eine Strecke mit dem Auto, die ich locker hätte laufen können.

Der Weltumwelttag gibt mir da einen neuen Motivationsschub, dass auch ich mich für die Erde einsetze. Und das Schöne ist: Ich bin dabei nicht alleine, überall auf der Welt gibt es Menschen, die sich um unsere Schöpfung kümmern.

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SWR4 Abendgedanken

04JUN2025
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Meine Eltern und ihr Outdoor-Frühstück! Wie ich sie dafür bewundere. Immer wenn ich fast in meiner Alltagsroutine untergehe, denke ich an die beiden und ihre ganz besondere Frühstückskultur. Wenn die Liste an Aufgaben immer viel zu lang für meinen Tag ist, dann kommen mir meine Eltern in den Sinn, wie sie dagegenhalten. Gegen Stress und Druck. Mit einer ganz wunderbaren Gewohnheit.

Sobald es draußen warm genug ist, verlegen sie ihr Frühstück nämlich so oft es geht nach draußen. Nicht etwa auf den Balkon oder die Terrasse, sondern in die Natur. Der Picknickkorb mit den wichtigsten Utensilien steht immer schon bereit. Dann werden noch schnell zwei Marmeladengläser und eine Kanne Kaffee eingepackt und es kann losgehen. Auf dem Weg ins Grüne kaufen die beiden noch Brötchen und dann heißt es nur noch genießen. Oft sitzen die beiden mit Campingstühlen an einem kleinen See – nur ein paar Kilometer weg von zu Hause – und genießen ihren Morgenkaffee.

Es ist eine kleine Flucht aus dem Alltag, denn danach geht der Tag ganz normal weiter mit Terminen und Aufgaben. Aber für diese Stunde am Morgen, halten die Zahnräder an. Denn in der Natur erinnert nichts an die herumliegende Arbeit. In diesen Momenten wird klar, dass es im Leben um mehr geht als nur Leistung bringen. Wenn ich meine Eltern besuche, genieße ich dieses Draußen-Frühstücken total, ich merke, wie ich da auftanken kann.

Immer wenn ich von meinen Eltern wegfahre, wird mir klar, dass ich so etwas wie dieses Frühstück in der Natur auch gerne für meine eigene Routine hätte. Und eigentlich gibt’s da ja schon was, an das ich anknüpfen kann: den Sonntag. Ein Tag, der so anders ist als die anderen. Die Geschäfte sind geschlossen und auch sonst kann ich keine Termine erledigen. Der Sonntag strahlt eine ganz besondere Stimmung aus. Da wird mir von außen gesagt: „Mach mal Pause!“ Und mir fällt es leicht zu glauben, dass auch Gott genau das zu mir sagt „Nimm dir dein Sonntagsgefühl. Es hilft dir. Und versuche es gerne auch mal an einem anderen Wochentag.“ Ich merke, wie mich dieses Sonntagsgefühl verändert. Dann gehe ich zum Beispiel bewusst eine Runde spazieren und lasse Revue passieren, was in den letzten Tagen war. Ich habe da Zeit für mich und auch für Gott und kann wieder Kraft sammeln. Im besten Fall hält die Erholung ein paar Tage an, bis er bald wieder kommt, der nächste Sonntag. Oder eben das nächste Sonntagsgefühl. Oder wie bei meinen Eltern: das nächste Outdoor-Frühstück.

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SWR4 Abendgedanken

03JUN2025
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„So ein Mist, das hätte jetzt echt nicht sein müssen.“ Das ist oft mein erster Gedanke, wenn mir ein Missgeschick passiert, oder wenn ich etwas nicht hingekriegt habe, was mir eigentlich wichtig ist. Wenn ich meinen Kaffeebecher direkt über die wichtigen Briefe verschütte oder wenn ich versprochen habe, mich bei einer Freundin zu melden und es doch nicht eingehalten habe. Dann ist sofort dieser Satz in meinem Kopf: „Das hätte dir nicht passieren dürfen.“

Solche fiesen Sätze zu mir selbst müssen aber nicht sein. Zumindest nicht bei Sachen, die unabsichtlich schiefgelaufen sind. Es hat eine Zeit gegeben da habe ich es geschafft freundlicher zu mir zu sein.

Das war vor ein paar Jahren, als ich regelmäßig beim sogenannten „Stockkampf-Training“ war. „Stockkampf“ klingt erst mal nicht so freundlich. Ich hab mich zum Spaß bei einem Schnupperkurs angemeldet und mich selber gewundert, was das bewirkt hat: Alleine das Aufwärmen! Wir mussten in der Gruppe jedes Mal folgende Übung machen: jeder hatte einen Stock rechts und einen Stock links in der Hand und sollte die Stöcke abwechselnd in die Luft werfen und direkt wieder fangen. Mit 60 Zentimeter langen Stöcken ist das anspruchsvoll. Jetzt kommt der entscheidende Punkt. Immer wenn ein Stock auf den Boden geknallt ist, sollte man kurz innehalten und einen der folgenden Sätze laut sagen: „Juhu, der Stock ist gefallen“, „Ich schenke mir ein Lächeln.“, oder „Ich darf Fehler machen“. Ich weiß, das hört sich seltsam an und in den ersten Übungsstunden hat sich das auch echt unangenehm angefühlt. Aber je öfter ich gehörte habe, wie die Stöcke bei den anderen geknallt sind und sie dann die positiven Sätze durch den Raum gerufen haben, desto sicherer bin ich selbst geworden.

Beim Training sind mir die freundlichen Worte mit jeder Woche mehr über die Lippen gekommen. Und irgendwann war das nicht nur beim Stockkampf so. Ich habe gemerkt, was es für einen Unterschied macht, wenn ich freundlich zu mir selbst bin. Egal in welchem Zusammenhang.

Eigentlich schade, dass ich mit dem Stockkampf längst aufgehört habe. Seitdem bin ich wieder strenger mit mir selbst geworden, eben in Sachen Fehlertoleranz. Also höchste Zeit, dass ich mal kurz anhalte, erstmal was Gutes in den Raum werfe und dann erst weiter mache. Wie damals im Training als die Stöcke mal hier, mal da auf den Boden geknallt sind. Denn ich darf Fehler machen, so wie jeder andere Mensch neben mir auch.

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02JUN2025
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Ich habe in einem Tagebuch von Gott gelesen. Naja, in sowas ähnlichem. Es war ein Buch, in dem Frauen, Männer, Kinder, ihre Gedanken für Gott aufgeschrieben haben. Das klingt jetzt erst mal nicht nach einem klassischen Tagebuch. Denn hier haben ja Menschen etwas für Gott reingeschrieben und nicht Gott selbst was er erlebt hat. Das Buch hat mich aber trotzdem an ein Tagebuch erinnert. Es war ein sogenanntes Fürbittbuch.

Solche Fürbittbücher gibt’s in fast jeder Kirche und alle, die die Kirche besuchen, können sich in diesem Buch verewigen. Ich habs gesehen in der Klosterkirche in Hegne am Bodensee. Es war ein schlichtes DinA4 großes Notizbuch mit schwarzem Einband. Ich habe begonnen darin zu blättern, wobei... ein bisschen gescheut habe ich mich anfangs schon. Da sind ja so viele persönliche Sorgen oder Freuden formuliert. Aber ich hab mich dann doch getraut. Auf jeder Seite bin ich in ein neues Leben eingetaucht. Da war eine Frau, die um Erfolg bei ihren Prüfungen gebeten hat. Jemand anderes hat Gott geschrieben, dass er sich Gesundheit für seine Familie wünscht. Und ein Dritter hofft darauf nach einer schweren Zeit wieder mit seiner Frau glücklich zu werden. Aber es waren nicht nur Bitten, da gab es auch ganz viel Dankbarkeit. Zum Beispiel ein herzliches Danke für das Leben selbst. Und schmunzeln musste ich bei dem Eintrag: „Ach, ich hab einfach kein Glück mit den Männern.“ 

Da stand ich jetzt also vor diesem Fürbittbuch und habe gedacht: „Das könnte doch glatt Gottes Tagebuch sein.“ Da steht ja alles drin, was auf der Seele brennt und sonst nirgends hinkann. Und ich kann mir vorstellen wie Gott seine Botschaften wie in unsichtbaren Buchstaben dazu schreibt.

Zu jedem Eintrag hat er eine kleine geheime Botschaft, so stelle ich es mir vor.

Zwischen der ordentlichen Handschrift der nervösen Schülerin notiert Gott womöglich unsichtbar: „Du wirst das super meistern.“ und neben der graffitimäßigen Zeichnung mit dem Satz „Bitte, bitte mach meinen Opa wieder gesund…“ da kann ich in meiner Fantasie auch eine kleine Notiz von Gott erkennen: „Ich bin da. Egal was passiert.“

Natürlich meine ich das mit der unsichtbaren Handschrift Gottes nur als Bild. Als kleine Hilfe dafür, wie ich mir Gott vorstelle. Es ist Gott nicht egal wie es uns geht. Er nimmt unsere Sorgen ernst.

Am Ende habe ich auch selbst etwas in das Hegner Fürbittbuch hineingeschrieben. In dieses Fürbittbuch, von dem ich mir gut vorstellen kann es ist auch Gottes Tagebuch.

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